* Rund Europa 2018 (1), 1. Tag: Naxos – Piräus – Patras

Montag, 23.04.2018, 23:46:07 :: Patras, Hafen
Dienstag, 24.04.2018, 12:46:46 :: ANEK LINES, Elyros; auf der Höhe von Fier, Albanien

Vorbemerkung: Die Internetverbindung auf der Fähre ist extrem langsam. Einige Bilder werden möglicherweise erst später eintrudeln …

Stelida, Naxos

Es hat alles soweit gut geklappt.


Naxos


Paros


Bucht von Paros

Die Überfahrt nach Piräus. Ein Schulklasse aus Naxos, die mit dem Bus zum Hafen gebracht wurde. Viel Geschnatter.

Plötzlich, irgendwann schon fast in Piräus, steht ein junger Mann neben mir. »Bist Du Reinard?« fragt er mich und lächelt von oben, da ich sitze. Und zwar ziemlich ratlos.

Peinlich. Es ist Nikiforos, Sohn unserer guten Freunde. Wir sollten sie wohl öfter besuchen, wenn aus Kindern junge Frauen und Männer werden …

Die Fahrt

Die Autobahn ist fertig, es is dunstig, wir fahren ständig gegen die Sonne. Wenig Bilder. Aber die Strecke sind wir schon zwei, drei mal gefahren. Aber eben noch nie auf einer fertigen Autobahn, ohne Baustellen, Staus …

Patras

Mein erstes Eis in diesem Jahr, in der Innenstadt von Patras, wo wir uns ein wenig umsehen.

Im Terminal lassen wir unsere Tickets umbuchen, was erwartungsgemäss problemlos klappt, ich muss lediglich nochmal zum Auto zurück – sie wollen meinen Personalausweis und die Autozulassung sehen.

Dabei sticht mir dieser schaurige Sonnenuntergang ins Auge: Die feurige Sonne hinter Stacheldraht.

Wir haben noch viel Zeit, daher gehen wir auf die Empore und zwingen uns Pizzaschnitte und Spinopita zusammen mit Eistee hinter die Kiemen. Dann geht’s los.

Ein kleine Verwechslung

Es ist mittlerweile Nacht, als wir das Terminal verlassen. Der weiße deutsche Camper neben unserem Senfle war schon weggefahren. Die Frau war vor uns am Schalter gewesen und hatte Tickets für die Rückfahrt erstanden. Sie waren also jetzt unterwegs auf Urlaubsfahrt und würden nicht mit auf dem Schiff sein. Ein schwarzer Transporter hatte vermeintlich deren Parkplatz eingenommen. Ein Pole, wie wir beim Näherkommen erkennen können. Was tut der hier?

Hochsteigende Angst, Horror, als wir an unserem Auto stehen.

Das Auto ist leer. Nur ein paar Bücher und Plastiktüten und Ähnliches liegen noch im Innern. Ich versuche aufzuschließen, es geht nicht. Ich will die hintere Klappe aufschließen. Auch das geht nicht. Sie ist offen.

Ein lähmender Schreck erfasst uns. Koffer, Computerrucksäcke, Taschen, Schlafsäcke – nichts ist mehr da. Ausgeräumt. Sie haben alles mitgenommen. Unfassbar.

Wir laufen zur anderen Seite der breiten Straße und alarmieren die dort in ihrem Fahrzeug Wache haltenden Polizistinnen. Wie kann das sein? Unter ihren Augen? Sie kommen langsam herüber gefahren, sind aber auch ratlos. Ich schaue auf das Nummernschild vom Senfle. Es ist ein griechisches, nicht mehr unseres, auch vorne nicht.
Sie haben das Senfle vollständig verändert. Warum? Alles dreht sich in unser Köpfen.

Ich fasse es nicht. Lis bekommt fast einen Schreikrampf und geht völlig konfus hin und her.

Im dem Augenblick sieht sie ein paar Schritte weiter weg einen anderen Twingo. Es ist ja Nacht, nur gelbe hohe Straßenbeleuchtung. Aber der Twingo ist tatsächlich gelb. Und es ist tatsächlich unserer.

Unversehrt, verschlossen und alles ist drin.

Da stehen also zwei völlig identische Twingos nebeneinander und wir geraten an den falschen!
So eingeschränkt kann nachts das Blickfeld sein. Wir auf den Parkplatz neben dem schwarzen Transporter fixiert!

Nicht nur die Polizei freut sich und fährt wieder auf ihren Beobachtungsposten.

Alptraum Hafen

Die vielen Flüchtlinge und Schlepper. Schon am Tag hängen sie an den Zäunen zur Strasse, überklettern sie hin- und herüber. Nachts dann, in der Schlange zum Schiff: Sie öffnen direkt vor uns in Gruppen zu zehnt oder mehr die LKWs und schieben blitzschnell einen Flüchtenden hinein. Warum sind die LKWs nicht verschlossen? Warum die Schleuser auf dem Gelände? Die Polizei-Einsätze halten sich in Grenzen obwohl die Luft voller Blaulicht, weniger mit Sirenengeheul ist. Wir beobachten das mehrfach, an fast allen LKWs. Nur ein Fahrer steigt aus und verjagt die jungen Männer. Kommt ein Polizist in die Nähe, verschwinden sie im Dunkel und über den Zaun.

Es ist gespenstisch.

Bei der Einfahrt zu den Parkplätzen bei den Schiffen werden alle Autos, auch die LKWs von unten und innen, peinlichst abgesucht. Aber den Jungen Mann im LKW vor uns – will den weder der Fahrer noch der Kontrolleur finden?

Es bleiben viele Fragen.

Das Schiff

Es heisst »Elyros«, benannt nach einer einst bedeutenden antiken Stadt auf Kreta. Gegraben wurde dort offenbar noch nicht.

Elyros (Ἔλυρος in Greek) is an ancient city, located in southwest Crete, on Kefala Hill near the village of Rodovani. It has not been excavated. Elyros was flourishing at least as early as the Greek Classical Period, e.g. 500 to 350 BC.[1] In the Classical Period Elyros was the most important ancient city in southwestern Crete, having about 16,000 inhabitants. It was an industrial and commercial city with large weapons production. Syia and Lissos were its harbours. Apollo, Phylakides and Philandros, sons of Apollo and nymph Akakallida, were worshiped there.

Wikipedia

Dafür haben wir aber eine hervorrage Aussenkabine auf einem nahezu leeren und bestens ausgestatteten Schiff. Die Betten sind bequem und halten uns bis zum nächsten Morgen gefangen.

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Die Welt verstehen

Donnerstag, 19. April 2018 :: Galanado

Gusi fragte den Philosophiemann in aller Ruhe, warum man eigentlich Philosophie studieren solle. Der Philosophiemann starrte eine Weile konzentriert vor sich hin, so als feile er an einer guten Antwort, aber sagte dann: Ich weiß nicht, wie es anderen geht, aber ich studiere Philosophie, damit ich die Welt besser verstehe.

Es war dann so, dass manche zu den Bergen aufblickten und sahen, dass bei dem warmen Wetter viel Eis in den Rinnen geschmolzen war, und andere auf den Fjord hinausspähten und sahen, wie die Wellen an der Schäre anbrandeten und daher kein Wetter zum Fischen war, und dann blickten Ebbi und Bensi einander an, dann den Philosophiemann, und einer von beiden sagte: Was ist es, mein Freund, das du nicht verstehst?

Bergsveinn Birgisson: Die Landschaft hat immer recht

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Neandertaler auf Naxos?

Sonntag, 15.04.2018, 14:11:53 :: Galanado


©SNAP

Touristenattraktion oder was?

Wer am Strand von Agios Georgiou schwitzt, badet oder zu Abend isst und nach Südwesten blickt, schaut unweigerlich auf die Stelída.


©Reinard Schmitz, 1985

Noch in den Achtzigerjahren nahezu unbebaut, ist sie heute ein Siedlungsgebiet für besser betuchte Ausländer, aber auch Griechen. 1985 bekam sie die erste schwere Scharte, als man einen Teil des Berges abtrug, um damit eine grosse Fläche des Salzsees ganz im Süden der Bucht aufzufüllen. Dort ist heute der »Naxos Airport«, gut für kleine Maschinen und schnellen Transfer nach Athen.


alle ©Reinard Schmitz, 1985/86

Niemandem kommt dabei in den Sinn, dass dieser Berg und das Gebiet darunter bereits von Neandertalern besiedelt und genutzt wurde, eine Vorstellung, die man noch vor kurzem weit von sich gewiesen hätte, auch, wenn man Archäologe ist. Heute scheint festzustehen, dass schon vor über 260.000 Jahren hier gearbeitet wurde. Und das wären dann vermutlich Neandertaler gewesen. Nur: Der Blick von ob war ein anderer.


©Reinard Schmitz, 1985

Eine Archäologische Sensation!

Seit dem Jahre 2000 ist daher die Stelída archäologisches Schutzgebiet, nachdem erste französische Grabungen durch Michel Séfériadès (1983) deutlich machten, dass hier mehr zu finden ist als Gestrüpp und ein paar Felsen.


©Reinard Schmitz, 1985

Seit 2013 grub dort das Team um Dr. Carter.


Photo: Reinard Schmitz, © SNAP


beide ©Reinard Schmitz, 1985

Gestern Abend fand nun die Eröffnungsveranstaltung und Präsentation der Ergebnisse im Kastro statt, auf der Dr. Carter seinen Vortrag hielt, und die Ergebnisse seiner mehrjährigen Ausgrabungen auf der Stelída vorstellte – exklusiv und zum ersten mal, wie er scherzte – »so please don’t publishing it«.


Bürgermeister Manolis Margaritis und Dr. Tristan Carter. ©Reinard Schmitz

Der Grosse Saal im ehemaligen Ursulinerinnen-Kloster war voll bestuhlt und später dann auch besetzt, die Wände ringsum mit den hervorragenden Schautafeln »verdeckt«.


© Naxospress.gr

Man staunt, was auf dieser Insel seit 2013 unter der Leitung von Dr. Tristan Carter von der McMaster Universität in Ontario/Kanada zusammen mit dem Canadian Institute in Greece und dem Griechischen Ephorat für die Ägäis alles passiert ist, ohne dass man es direkt wahrgenommen hat: The Stélida Naxos Archaeological Project (SNAP).

Bis vor kurzem wurde angenommen, dass die Kykladen nicht vor 7000 v.Chr. von Menschen besiedelt wurden, als Bauern in der Jungsteinzeit sie erreichten. Diese Sicht wird nun durch die Entdeckung eines gut erhaltenen mesolithischen Dorfes (spätes Jäger- und Sammlergrab) auf Kythnos durch griechische Archäologen erschüttert und ebenso durch die in den letzten Jahren erfolgten Ausgrabungen in Stélida auf Naxos, die mittelsteinzeitliche Funde menschlichen Tuns zutage gefördert haben.

Stelída, gewissermassen der »Hausberg« der Chora am Ende der Bucht von Agios Georgiou, in der sich der traditionell längste Teil des Inseltourismus auch heute noch abspielt, war wohl Steinbruch und »Werkstatt« für Hornstein, ein dem Feuerstein und dem Obsidian ähnliches Gestein, das schon sehr früh als Werkzeug verwendet und zu feineren Gerätschaften (z.B. Pfeil- und Speerspitzen) verarbeitet wurde.

Wie sich herausgestellt hat, ist insbesondere der Bereich um die beiden Bergspitzen übersät mit solchen und anderen Funden, die es nahelegen, dass eben die Besiedlung wesentlich früher erfolgte. Auf welchen Weg ist offen, wahrscheinlich während der letzten Eiszeit, als die Ägäis zu Fuss begangen werden konnte. Der Meeresspiegel lag ca. 180 Meter tiefer als heute, sodass es sehr wahrscheinlich ist, dass es eine Landbrücke gab, die es den frühen Menschen ermöglichte, nicht nur über die Türkei, Trakien und Makedonien weiter nach Norden resp. Westen zu gelangen, sondern eben auch über die Ägäis direkt.

Tristan Carter sagt, Erkundungen und Ausgrabungen werden mit dem Ziel fortgesetzt, jene Orte zu finden, die eine genaue Datierung ermöglichen. „Derzeit haben wir Daten, die auf die menschliche Anwesenheit vor mindestens 100.000 Jahren hinweisen, so dass wir zu dieser Zeit nicht unbedingt in der Lage sind, die Frage genau zu beantworten, ob diese Leute über das Wasser oder auf dem Land hierher kamen. Aber wir haben den ältesten Ort auf den Kykladen.“

Naxostimes.gr

In prähistorischer Zeit wurden Hornsteine ebenso wie Feuerstein als Rohmaterial für die Herstellung von Steinwerkzeugen benutzt. So wie andere Werkzeugsteine spalten sie mit dem für Quarz typischen muscheligen Bruch und bilden scharfe Kanten aus, die als Schaber oder Messer verwendet werden konnten.

Wikipedia: Hornstein (engl. Chert)

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* Rund Europa 2018: Gut geplant…

Donnerstag, 12.04.2018, 16:55:49 :: Galanado
Update: Donnerstag, 19.04.2018, 18:48:13 :: Galanado

… aber nicht angetreten.

Wegen plötzlicher Krankheit findet diese Fahrt nicht statt. Stattdessen werden wir am 20. April von Naxos nach Piräus schippern, die 200 km nach Patras mit dem Senfle fahren, uns dort nach Venedig einschiffen und hoffen, dass der Rest glatt läuft bis München.

Mist. Geht nicht anders ☹️

Update 2018-04-19

Irgend jemand, könnte man meinen, will verhindern, dass wir Naxos verlassen. Morgen früh wollte wir losfahren. Gestern nachmittag haben die Schiffsmannschaften der Fähren beschlossen, dass sie einen Tag länger streiken müssen. Deshalb liegen die Fähren seit gestern alle in Piräus im Hafen und wir kommen nicht weg.

Erst am kommenden Montag, wird es wohl klappen. Dann wie geplant Patras etc. – wie weiter oben.

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* Rund Europa 2018, 0. Tag: Athen

Montag, 09.04.2018, 14:14:38 :: Galanado

Fahrt nach Piräus

Ursprünglich wollten wir ja am 9.4., dem griechischen Ostermontag, starten. Lis hatte dann festgestellt, dass Hellenic Seaways am Karfreitag 1 ½ Stunden früher als die Bluestar fährt. Das würde uns am Nachmittag diese zusätzliche Fahrzeit nach Etoliko bringen. Und Griechische Ostern, die feiern man auch an anderen Orten mit Emphase.

Als ich also an diesem Karfreitag mit Lis und ihm im Taxi von Athen nach Piräus fuhr, hatte er wohl immer noch die Hoffnung, wir wären zeitig genug, um das Senfle von der Fähre rollen zu sehen, bereit, nach Etoliko zu starten, unserem ersten Tagesziel.

Aber natürlich waren wir zu spät, die Fähre lag schon länger da, bereit, Fahrzeuge und Passagiere für die Fahrt nach Naxos aufzunehmen.

Ich kaufte daher die Tickets für die beiden, für den Enttäuschten und für Lis. Er bezahlte die 70€ problemlos mit der Visa-Karte, die kurz zuvor der Kartenleser am Tresen der BIOklinika als nicht lesbar abgelehnt hatte. Auch die beiden Karten meiner Frau gingen nicht.

Da noch reichlich Zeit bis zur Abfahrt war setzte ich mich mit Lis wie üblich ins Café, diesmal jedoch nicht zum Cappuccino. Der wäre für ihn zu heiss gewesen, blutdrucksteigernd ganz ohne Zweifel auch. Er trank daher Eistee und wir assen alle zusammen die letzten beiden lätschigen Croissants aus der Theke, da weich genug für seinen Gaumen. Oder für meinen?

Das »Mädchen von Piräus«, meine Managerin und gute Fee

Verwirrend – Verwirrt?

Was also war passiert? Ein Aprilscherz?

Ja, und ganz gewiss kein kleiner. Abends am 1. April gegen 22 Uhr bekam ich starkes Nasenbluten, das nicht zu stillen war. Zum HNO-Arzt mitten in der Nacht. Der setzte einen Not-Tampon zur Blutstillung, nachdem er mir mit sehr ernsten Worten klar gemacht hatte, dass es nun sehr weh tun würde, er aber keine andere Wahl habe. Und damit begann für ihn eine Horror-Geschichte, die nicht annähernd erzählbar ist und die ich Euch daher und aus anderen Gründen erspare.

Aber hier doch meine »Privatmaschine«, die mich in ca. 30 Minuten nach Athen brachte – nach ca. 6 Stunden Wartezeit. Notflug nennt sich das …


Einstig …


… Und Abflug

Letztendlich erreichte ich – nach einer lebensrettenden Eigeninitiative vor den Augen des staunenden Hospitalpersonals – endlich am Abend per Notflug die BIOklinika in Athen, wo er vorbildlich versorgt wurden, vor allem endlich mit Schmerzmitteln.

Dass zuvor auf dem Flughafen zunächst darüber gestritten werden musste, welche Ambulanz-Gesellschaft ihn denn nun zur Klinik fahren dürfe, hatte zwar zu einer weiteren Verzögerung, aber zu keiner Verschlechterung meines Zustands geführt. Immerhin: Ein Notflug von ca. dreissig Minuten dauerte so ca. sechs Stunden – alles in allem. Die Versorgung eines Notfall hatten wir uns alle anders vorgestellt.

Aus dem sechsten Stock sieht Athen so übel nicht aus

Lis sah sich zur Entspannung etwas in der Gegend um

Die Blutung war zum Stillstand gekommen, keine unmittelbare Gefahr mehr; das wirkte sich auf den Patienten und meine Frau zunächst einmal sehr entspannend aus. Nach zwei weiteren Tagen, angeseilt an zwei, drei Infusionsflaschen und völlig ausgetrockneter und brennender Mundhöhle, entfernten sie dann unter Vollnarkose den Tampon. Wunderbarerweise gab’s keine Nach- oder Weiterbluten mehr. Bisher und unter »Auflagen«.

Offizieller Kostenpunkt einer geplatzten Nasenvene: 15.000 Euro – bisher. Und Ärger beim Verlassen des Hauses.

Warten auf das Taxi

Soweit also das Davor. Und nun hier in Piräus, nur in Erwartung einer Fahrt in die verkehrte Richtung.

Wieder auf Naxos

Die Schiffspassage verlief so langweilig und unbequem wie immer, wenn man nicht draussen an der frischen Luft sitzen kann. Das aber war dem Patienten verboten, was wir akzeptierten und in den ausgebeulten Pullman-Sitzen Platz nahmen.

Am Hafen stand das Senfle, die Windschutzscheibe dem steifen und feuchten Nordwind abgewandt und warte auch uns.

Und in Galanado wartete Popi ungeduldig, denn die Fastenzeit ist in der Nacht von Freitag auf Samstag zu Ende. Ein opulentes Abendessen, ein After-Fast-Mahl sozusagen, tischte sie uns auf.

Wohl dem, wer solch‘ eine Vermieterin hat! Ein Hoch auf Popi!

Fazit

* Rund Europa 2018 ist also auf nicht absehbare Zeit beendet, ehe es begonnen hatte. Immerhin: Bis Athen und zurück hat’s schon mal gereicht. Die umfangreiche Planung hätte es dazu allerdings nicht gebraucht.

Ich werde Euch auf dem Laufenden halten. Denn nach Deutschland müssen wir ja auf alle Fälle. Also: Er oder ich werden uns melden, je nachdem, wer schneller wieder mit sich klar kommt.

Nachtrag: Nasenbluten heisst ρινορραγία auf Griechisch.

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Nowitschok, Skripal und eine britische Regierung, die sich immer mehr in Widersprüche verstrickt

Montag, 19.03.2018, 15:03:17 :: Nachdruck von den Nachdenkseiten


Nowitschok, Skripal und eine britische Regierung, die sich immer mehr in Widersprüche verstrickt


Veröffentlicht in: Das kritische Tagebuch

Während die Massenmedien unaufhörlich die Presseerklärungen aus Downing Street Number 10 nachplappern, sucht sich die Öffentlichkeit ihre Informationen zum Fall Skripal halt wo anders. Craig Murrays Artikel zum Thema wurden nach eigenen Aussagen „millionenfach“ angeklickt und auch unser Artikel über die „Salisbury Tales“ wurde bereits mehrere Hunderttausendmal gelesen. Das freut uns – schöner wäre jedoch, wenn auch die Massenmedien und die Politik endlich aufwachen würden. Heute wollen wir Ihnen ein paar Erklärungen, Materialien und zwei weitere Übersetzungen der Murray-Artikel nachliefern. Von Jens Berger.

Die Tagesschau reagiert im Stillen

Positiv ist zunächst zu vermerken, dass die Redaktion von tagesschau.de sich unsere Kritik am FAQ zum Thema Skripal offenbar zu Herzen genommen hat und folgenden von uns bemängelten Absatz vollständig „depubliziert“ hat …

Weniger vorbildlich ist, dass man die Änderungen wieder einmal nicht gekennzeichnet hat. Da dieses intransparente Herumdoktern an „älteren“ Artikeln bei tagesschau.de leider schon Tradition hat, erstellen wir von kritischen Passagen auch stets Screenshots; eingentlich unglaublich, dass man beim Online-Ableger von Deutschlands angeblich seriösester Nachrichten Sendung so vorgehen muss.

Boris Johnson überrascht mit einer vollkommen neuen Story

Die Halbwertzeit der offiziellen Verlautbarungen aus Großbritannien wird derweil immer kürzer. Die – Stand Montag 11:00 – neueste offizielle Version greift bereits die Kritik von diversen Quellen der letzten Tage auf und erklärt nun, Russland habe in im letzten Jahrzehnt an einem „geheimen C-Waffen-Programm“ gearbeitet, das spezielle Kampfstoffe entwickelt habe, die für Morde maßgeschneidert sind. Wie bei der britischen Regierung mittlerweile üblich, belibt diese „Meldung“ von Außenminister Johnson ohne Belege im Raum stehen. Positiv ist jedoch anzumerken, dass London dem russischen Druck nachgegeben hat und nun doch gemäß der Chemiewaffenkonvention die Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW) eingeschaltet hat. Diese Rückkehr auf den Pfad des Völkerrechts ist zu begrüßen. Wie die Regierung May sich später ohne einen diplomatischen Scherbenhaufen aus der Sache herausziehen will, ist jedoch nachwievor offen.

Eine Anekdote zu den Hintergründen

Aus einige Leserreaktionen auf den Fall Skripal wird immer wieder klar, dass es große Unklarheiten über die Verfügbarkeit der Nowitschoks gibt. Diese Unklarheiten spiegeln letztlich aber vor allem die fragwürdige Berichterstattung der Medien und die unglaubwürdigen offziellen Statements wider. Vielleicht hilft eine kleine Anekdote weiter, um die Hintergründe besser zu verstehen.

Vor Jahren lernte ich im Rahmen der Recherchen zu einem Artikel Valentin (Name geändert) kennen. Valentin war bis in die frühen 90er als Biochemiker im B-Waffen-Programm der Sowjetunion tätig. Er erzählte mir, wie kurz nach dem Zusammenbruch die Einrichtungen von mit Scheckbüchern bewaffneten Agenten des BND, des MI6, der CIA, des Deuxième Bureau und des Mossad überlaufen wurden. In einer Art „Menschenjagd“ wurden Wissenschaftler abgeworben und Militärs zum Überlaufen gebracht. Offiziell ging es dem BND übrigens darum, diese Spezialisten anzuheuern, dass sie nicht in die Hände Iraks, Irans, Syriens, Pakistans und Nordkoreas fielen, die – das konnte Valentin jedoch nicht bestätigen – damals wohl ebenfalls auf der Suche nach qualifizierten Personal aus den ABC-Laboren der Sowjets waren.

Valentin wurde kurzerhand zum „Deutschrussen“ erklärt, bekam eine großzügige Prämie, ein zinsloses Darlehen für seinen Neuanfang in der BRD und einen recht ordentlich dotierten Pro-Forma-Beraterjob bei einer Bundesbehörde. Er wurde zwar auch fachlich ausgefragt, in einem wie auch immer gerarteten Waffenprogramm war er seitdem aber nie mehr beschäftigt. Es wäre jeodch mehr als naiv anzunehmen, dass hinter den Mauern von Forschungsstätten wie Ness-Ziona, Porton Down und Fort Detrick nicht mehr aktiv an B- und C-Kampfstoffen geforscht würde. Noch naiver wäre es, anzunehmen, dass die aktiven Dienste nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion nicht auch Forscher aus dem C-Waffen-Programm abgeworben hätten und sich nicht das gesammelte Know how der Sowjets angeeignet hätten. Die USA haben ja sogar – auf den Wunsch Usbekistans hin – die für Nowitschok relevante Anlage in Nukus selbst demontiert. Und dies ganz sicher nicht, ohne sich das Know how zuvor zu sichern. Wer diese Hintergrundinformationen hat, muss sich auch nicht wundern, dass die erste „offiziell bekannte“ Synthese eines „Nowitschok“ von iranischen Forschern – unter Aufsicht der OPCW – durchgeführt und in Fachblättern publiziert wurde – so viel zum Thema: „Nur die Russen können das“.

Eine große Unbekannte ist übrigens, in welchen Nachfolgestaaten der Sowjetunion die Waffenprogramme weiterbetrieben wurden. Wie sieht es beispielsweise mit der Ukraine aus? Dort hätte man auch ein sehr überzeugendes Motiv, Russland eine solche Tat anzuhängen. Das ist jedoch Spekulation. Man muss aber davon ausgehen, dass neben Russland zumindest die USA, Großbritanien, Israel, Frankreich und Deutschland zumindest über das theoretische Rüstzeug verfügen, selbst einige, wenn nicht gar alle, Nowitschok-Stoffe herzustellen.

Hier geraten wir jedoch in eine sehr pikante und delikate Situation. Laut der Chemiewaffenkonvention, die 1997 in Kraft trat, durften bis auf Israel, das die Konvention nie ratifiziert und Nordkorea, das die Konvention noch nicht einmal unterschrieben hat, alle hier genannten Staaten ohne das Hinzuziehen der OPCW überhaupt nicht an Nowitschoks forschen. Wie gesagt – es wäre naiv, anzunehmen, dass man sich daran gehalten hat; aber dies kann beispielsweise Theresa May natürlich nicht zugeben und ist daher in der dummen Lage, keine Erklärung auf die Frage geben zu geben, wie die britischen Behörden denn überhaupt diesen nicht einmal der OPCW bekannten Stoff analysiert haben wollen.

Die Kardinalfrage

Unser Leser B.S. machte uns in diesem Zusammenhang auf einen sehr interessanten Blogkommentars eines ihm „unbekannten Fachkollegen“ aufmerksam, der „einen kurzen und prägnanten Kommentar zur forensisch-analytischen Vorgehensweise der Bestimmung des fraglichen Agens“ abgegeben hat.

“OK I’ll bite. As a former industrial organic chemist, both synthetic organic, pilot plant, and QC (quality control), post-doc, this smells to me. Regarding the synthesis, as I understand it, this class are binary agents, i.e. non-lethal till mixing, so the two ‘halves’ could be made without specialist kit. Even active nerve agents could be prepared using a just fume cupboard, and the right PPE. Nothing too special required other than non shaky hands. Could be made anywhere the precursors are available. We worked with HF, OsO4, Thallium etc in such environments.

Regarding the analysis. Typically small quantities are analysed (I used to install them) using GCMS. Gas Chromatography Mass spectrometry. This can detect down to femtogram levels. OK.

So there exists databases of substances and their breakdown patterns under fragmentation, which can give possible matches to known compounds. This compound may have been on there. However, for an allegation of such seriousness, these would be ‘indicative’ rather than ‘conclusive’. For conclusive confirmation a coincidence of what is called ‘retention times’ would also be required against a standard. The retention time is the time it takes for the compound to ‘show itself’ at the end of the long thin tube inside the Gas Chromatograph. Different chemicals hold on to the tube with varying tenacities.and hence give various rates of elution.

So a professional forensic scientist, I would hope, would do the following.

  • Run a GC-Mass Spectrum to confirm the molecular weight.
  • Check against a database for possible compounds which correspond to that molecular weight and fragment pattern (there may be a few, it may not be unambiguous at this stage)
  • Check for the presence of other impurities, and the ratio of the main ingredient to these, which would give you the ‘fingerprint’
  • Run the sample of unknown concentration against a standard of known concentration to determine the amount of active ingredient in the sample.
  • Compare the ‘fingerprint’ to database of other ‘fingerprints’ in a library.
  • Only when this fingerprint matches the fingerprint from a library can you determine the origin. Even then you can not say who administered the substance, but you would have an avenue to explore.

OK so a good forensic laboratory would have access to the following. A synthetically pure sample of known weight and impurity profile. Finger prints of samples from ‘sources of concern’

So what is being implied here, is that the authorities have both. A control sample (to determine if the quantities found would be lethal) and samples from a few different labs to confirm that the fingerprint was from lab A not lab B for example. (How) did they have those?

Es geht also um die Frage, woher die britischen Behörden eine Vergleichsprobe des angenlich russischen Nowitschoks hatten, mit der sie die Probe vom Tatort vergleichen konnten.

B.S. schreibt dazu: „Eben dies ist die Kardinalfrage. Festzuhalten bleibt zudem, dass, verfügt man über ausreichend Kenntnisse, Logistik und fortgeschrittene Synthesemethodik, dann selbst der ‘Fingerprint’ (resultierend aus eingesetzter Synthesetechnik, Unreinheiten, Isotopenverteilung etc.) einer Probe nicht als sicherer Nachweis gelten kann, weil eben auch dieser mit ausreichend Aufwand gefälscht werden kann. Insbesondere gilt dies natürlich für Groß-Institutionen, welche über sämtliche dieser Voraussetzungen verfügen. Mit anderen Worten, selbst wenn doch noch entsprechende ‘Beweise’ vorgelegt werden sollten wären auch diese mit einer gewissen Zurückhaltung zu beurteilen.

Zudem, in 05.10.2016 wurde von einer iranischen Arbeitsgruppe in ‘Rapid Communications in Mass Spectrometry’ eine Arbeit zu in Rede stehenden phosphor-organischen Verbindungen veröffentlicht. Schlussfolgerungen hierzu liegen auf der Hand.“

Fazit

Festzuhalten bleibt, dass es also weitaus mehr als eine Variante gibt. Das Gift könnte aus Russland stammen; es könnte aber auch den Labors fast aller anderen Staaten stammen, die offizielle oder inoffizielle C-Waffen-Programme hatten oder haben und sogar Privatunternehmen sind mögliche Hersteller dieser Stoffe, die aufgrund ihrer angeblich binären Struktur ohne all zu große Sicherheitsvorkehrungen hergestellt werden können. Viel interessanter ist jedoch die Frage, wie britische Behörden den Stoff nachweisen konnten. Dazu gibt es zwei mögliche Varianten:

  • entweder das Ganze ist ein Bluff und es wurde nie ein „Nowitschok“ nachgewiesen
  • oder aber die Briten haben tatsächlich den „Nowitschok“ nachgewiesen, dann müssen sie aber zwangläufig auch eine Vergleichsprobe haben, die sie laut Chemiewaffenkonvestion jedoch gar nicht haben dürften.

Aber die Medien interessieren solche Fragen ohnehin nicht. Persönlich denke ich daher auch, dass die ganze Sache in spätestens ein, zwei Wochen von der Bildfläche verschwindet und wir in zwei, drei Jahren von Scotland Yard nur noch erfahren, dass der Fall eingestellt wurde.

Anlage 1:

Russen vor Gericht
Von Craig Murray
Historiker, ehemaliger Botschafter, Menschenrechtsaktivist
13. März 2018

Genau dieselben Leute, die Ihnen versichertet hatten, dass Saddam Hussein Massenvernichtungswaffen hätte, wollen Ihnen jetzt weismachen, Vladimir Putin benutze „Novochok“ um Menschen auf britischem Boden anzugreifen. Wie bei der Geschichte von den irakischen Massenvernichtungswaffen ist es auch hier unerlässlich, nachzuprüfen ob die Beweise auch schlüssig sind. Ein wichtiges Wort fehlte bei der gestrigen Erklärung von Theresa May: das Wort „nur“. Sie sagte nämlich nicht, dass das benutzte Nervengift ausschließlich NUR von den Russen hergestellt wurde. Sie sagte vielmehr, dass diese Gruppe von Nervengiften „von den Russen entwickelt“ worden war. Antibiotika waren auch von einem Schotten entwickelt worden, aber das ist kein Beweis dafür, dass alle Antibiotika heutzutage auch von Schotten verabreicht werden.

Die Giftgase der „Novochok“ Gruppe – ein weitgefasster Begriff für eine Gruppe von neuen Nervengiften, die die Sowjetunion vor fünfzig Jahren entwickelt hat- sind mit größter Wahrscheinlichkeit von Porton Down analysiert und kopiert worden. Dafür ist Porton Down da. Es produzierte damals chemische und biologische Waffen und noch heute produziert es solche in geringen Mengen zur Verteidigung und um Gegengifte zu entwickeln. Nach dem Zerfall der Sowjetunion stellten russische Chemiker eine Menge von Informationen über diese Nervengifte zur Verfügung. Und ein weiteres Land, das schon immer ähnlich langlebige Nervengifte hergestellt hat ist Israel. Das Foreign Policy Magazin (eine sehr bekannte US-amerikanische Einrichtung) brachte einen ganz interessanten Artikel über die Fähigkeiten Israels in Bezug auf chemische und biologische Waffen. Ich werde hier später noch einmal auf Israel zurückkommen.

Novachok ist übrigens keine spezifische Substanz, sondern eine Klasse von neuen Nervengiften. Übereinstimmend wird berichtet, dass sie entworfen wurden um besonders beständig und um ein Vielfaches wirksamer zu sein als Sarin oder VX. Das ist kaum vereinbar mit der Tatsache, dass zum Glück noch niemand davon gestorben ist und dass diejenigen, die damit möglicherweise in Berührung kommen nur ihre Kleidung waschen müssen.

Aus russischer Sicht gibt es kaum ein Motiv, Skripal zu ermorden. Wenn die Russen bereits acht Jahre mit dem Mordanschlag gewartet haben, dann hätten sie auch noch bis nach der Fußball-Weltmeisterschaft damit warten können. Die Russen haben bisher noch niemals einen ausgetauschten Spion getötet. So wie Diplomaten, sowohl die britischen als auch alle anderen, die glühendsten Verfechter der Immunität von Diplomaten sind, so sind auch das Sicherheitspersonal überall auf der Welt diejenigen, die am wenigsten ein System zerstören wollen, das einen zentralen Punkt ihrer eigenen Sicherheit berührt; im Wesentlichen ist der Austausch von Spionen ihre „Freikarte aus dem Gefängnis“. Niemand würde dieses System – wahrscheinlich sogar für immer- ohne gute Gründe untergraben wollen.

Hier soll auch noch angemerkt werden, dass die „bösen“ Russen Skripal damals mit einer wesentlich geringeren Gefängnisstrafe belegt hatten, als die Amerikaner es in einem vergleichbaren Fall getan hätten. Wenn ein Mitglied des amerikanischen militärischen Geheimdienstes den Namen von hunderten von US Agenten im Ausland für Geld an die Russen verraten hätte, dann hätten die Amerikaner ihn zumindest zu Lebenslänglich, wenn nicht gar zum Tod verurteilt. Skripal bekam nur 18 Jahre, was übrigens auch kaum mit der angeblichen unversöhnlichen Rachsucht gegen ihn zu vereinbaren ist. Wenn die Russen an ihm ein Exempel hätten statuieren wollen, so hätten sie es damals schon tun können.

Es ist wahrscheinlicher, dass der Grund für diesen Mordversuch eher auf etwas zurückzuführen ist, das in letzter Zeit geschehen ist, als auf eine Spionagetätigkeit von vor zwanzig Jahren. Wenn ich die britische Polizei wäre, dann würde ich bei Orbis Intelligence suchen.

Es gibt keinen Zweifel darüber, dass Skripal geheime Erkenntnisse an den MI16 zu der Zeit weitergereicht hat, wo Christopher Steele ein Mitarbeiter des MI16 in Moskau war. Zu dieser Zeit war auch Pablo Miller, ein anderer Mitarbeiter von Orbis Intelligence, in Russland wo er Geheimdienstmitarbeiter rekrutierte. Es wird allgemein im Netz und in den amerikanischen Medien berichtet, dass es Miller war, der Skripal anwarb. Meine eigenen MI16-Quellen haben mir gesagt, dass es nicht stimmt, dass Skripal von selbst kam, sondern dass es Miller war, der ihm eine Weile lang hinterher war. Schade nur, dass Pablo Millers LinkedIn Profil kürzlich gelöscht worden ist, aber es wird allgemein im Netz behauptet, dass das Profil ihn als Berater sowohl von Orbis Intelligence als auch für die FCO bezeichnete und, warten Sie, mit einer Adresse in Salisburi. Wenn jemand diesen LinkedIn Eintrag wiederfinden konnte, dann wurden britische Regierungsstellen aktiv um ihn wieder zu entfernen.

Selbstverständlich waren es auch Christopher Steele und Orbis Intelligence die für das Clinton Lager das sensationelle Dossier über Trumps Beziehungen zu Russland erstellten, einschließlich der Geschichte, dass Trump dafür bezahlt hätte, dass russische Prostituierte auf ihn uriniert hätten. Das ist das Kernstück von „Russiangate“, das die US amerikanische Politik in Atem hält. Das Außergewöhnlichste daran ist, dass das Dossier von Orbis solch offensichtlicher Unsinn ist, dass jeder mit einem professionellen Erfahrungshintergrund es gänzlich zu Nichte machen kann. Das Motiv von Steele war, genauso wie der Geheimnisverrat von Skripal, schlicht und einfach Geld. Steele ist ein Scharlatan, der eine Reihe von Vermutungen aus dem Hut zauberte, die entweder völlig unwahrscheinlich sind oder die einen Zugang zu höchsten Quellen erforderlich gemacht hätten, die er im heutigen Russland nicht mehr haben konnte, oder aber beides. Er erzählte den Demokraten was sie hören wollten und diese- die weder heute noch damals seine Geschichten kritisch betrachten wollten- bezahlten ihm gutes Geld dafür.

Ich kann nicht mit Sicherheit sagen, ob Pablo Miller dabei geholfen hat, das Steele Dossier über Trump zusammenzustellen, aber es erscheint mir sehr wahrscheinlich angesichts der Tatsache, dass auch er sowohl in Russland für den MI16 als auch für Orbis gearbeitet hat. Und es erscheint mir noch wahrscheinlicher, dass Sergei Skripal am Orbis-Geheimdossier über Trump mitbeteiligt war. Steele und Miller können nicht mehr nach Russland gehen und Quellen dort anzapfen und sie können auch niemals einen so guten Zugang zu ihnen gehabt haben, wie sie in ihrem Dossier behaupten, noch nicht einmal in ihren MI16 Zeiten. Das Dossier war mit Unsummen von Geld aus Allem zusammengestrickt worden, was sie finden konnten. Wer hätte ihnen da besser eine wenig Unterstützung bei der Beschaffung von scheinbarem Belastungsmaterial geben können als ihre alte Quelle Skripal?

Skripal war gerade zur Stelle im Königreich und vermutlich sogar sehr nahe an Miller in Salisburi dran. Er konnte die richtigen Akronyme für ein russisches Komitee hier oder den Namen eines russischen Beamten dort dazugeben um den Anschein zu erwecken, Steele hätte belastbare Informationen abgeliefert. Und in der Tat, Sripals überholtes Wissen könnte einige der eklatantesten Irrtümer im Dossier erklären.

Das Problem mit Doppelagenten wie Skripal, die Geheimnisse für Geld verraten, ist jedoch, dass sie leicht auch Dreifach-Agenten werden können und man kann nie wissen, wann ein besseres Angebot kommt. Als Steele sein zwielichtiges Dossier zusammenstellte konnte er noch nicht wissen, dass er jemals so bekannt werden und so auf dem Prüfstand stehen würde. Steele kann sich glücklich schätzen, dass das amerikanische Establishment abgeneigt ist, sein Werk näher zu untersuchen, da ihr einziges Ziel ist, Trump zu „erwischen“. Aber mit hohem Einsatz, sie sitzen auf einem Pulverfass, da einer der Autoren des Dossiers sowohl für Orbis als auch für dem Clinton Lager lästig sein mag.

Wenn ich die Polizei wäre, ich würde mein Auge auf Orbis Intelligence richten.

Um nochmals auf Israel zurück zu kommen. Israel hat die Giftgase. Israel hat den Mossad, der sehr bewandert in Sachen Mord im Ausland ist. Theresa May behauptete, Russlands Neigung dazu, Morde im Ausland auszuführen, sei ein spezifischer Grund, der darauf hinweise, dass es Russland war. Nun gut, aber der Mossad hat eine noch größere Neigung zu Auslandsmorden. Und wenn es mir widerstrebt, ein russisches Motiv dafür zu sehen, sein internationales Ansehen so stark zu beschädigen, so hat Israel ein klares Interesse daran, das Ansehen Russlands zu schädigen. Das russische Vorgehen in Syrien hat die israelische Stellung in Syrien und im Libanon fundamental untergraben und Israel hat daher ein sehr gutes Motiv dafür, dem internationalen Ansehen Russlands durch einen Anschlag zu schaden, den man den Russen leicht in die Schuhe schieben kann.

Beides, sowohl die Theorie, dass Orbis als auch die, dass Israel dahintersteckt, sind Spekulationen. Aber sie sind nicht weniger Spekulation und nicht weniger Verschwörungstheorie als die Annahme, Vladimir Putin hätte heimlich Agenten nach Salisburi geschickt, um Skripal mit einem geheimen Nervengas zu töten. Ich sehe keinen Grund zu der Annahme, dass diese Spekulation in diesem Punkt abenteuerlicher sei als andere.

Ich bin aufgeschreckt von den hektischen Anstrengungen der Geheimdienst- Spionage- und Rüstungsindustrien, die Russenphobie zu schüren und einem neuen kalten Krieg den Weg zu bereiten. Besonders besorgt bin ich über die Anzahl von „Experten“ des kalten Krieges, die die jetzt die Nachrichten beherrschen. Ich schreibe hier als einer der zwar schon glaubt, dass Agenten des russische Staates Litvinenko ermordet haben und dass der russische Geheimdienst zumindest einen Teil der Bombenanschläge auf Apartments ausgeführt hat, die den Ausschlag für den brutalen Angriff auf Tschetschenien geliefert haben. Ich glaube auch, dass die russische Besetzung der Krim und Teilen von Georgien illegal sind. Auf der anderen Seite hat Russland in Syrien den mittleren Osten vor der Herrschaft einer neuen Welle von Jihadisten bewahrt, die von den USA und von Saudi-Arabien unterstützt wurden.

Die naive Sicht von einer Unterteilung der Welt in „Gute“ und „Böse“ mit unserer eigenen herrschenden Klasse als die Guten ist Unfug. Ich war in Usbekistan selbst Zeuge der Bereitschaft der Sicherheitsbehörden des Vereinigten Königreichs und den USA, Erkenntnisse anzunehmen und zu betätigen, von denen sie wussten, dass sie falsch waren, nur um ihre politischen Ziele weiter zu verfolgen. Wir sollten über ihre jetzige antirussische Geschichte sehr skeptisch sein. Es gibt viele mögliche Verdächtige bei diesem Angriff.

Freie Übersetzung aus dem Englischen von WM

Anlage 2:
… eines Typs, wie sie von Lügnern entwickelt wurde
Von Craig Murray, 16. März 2018

Ich habe jetzt von einer guten Quelle im FCO (britisches Außenministerium, Anmerkung WM) die Bestätigung erhalten, dass die Wissenschaftler von Porton Down nicht die Möglichkeit haben, den Nervenkampfstoff als einen von Russland hergestellten Kampfstoff zu identifizieren und dass sie verbittert über den Druck auf sie sind, es doch zu tun. Porton Down würde, nach einem eher schwierigen Meeting, wobei folgender als Kompromiss herauskam, nur die Formulierung „ von einer Art wie sie von Russland entwickelt wurde“ unterschreiben. Die Russen haben vermutlich im „Novichok“ Programm nach einer Generation von Nervenkampfstoffen geforscht, die mit handelsüblichen Ausgangsstoffen wie Dünger und Insektiziden hergestellt werden könnten. Die Substanz ist in diesem Sinne ein „Novichok“. Es ist von dieser Art. Genauso wie ich auf einem Laptop schreibe, der in den Vereinigten Staaten entwickelt aber in China hergestellt wurde.

Dies war jedem aus dem Regierungsviertel (Anmerkung WM: wörtlich: „anybody with a Whitehall background“) seit einigen Tagen klar. Die Regierung hat niemals gesagt, dass der Nervenkampfstoff in Russland hergestellt worden war oder dass nur Russland ihn hätte herstellen können. Die exakte Formulierung „eines Typs wie er von Russland entwickelt wurde“, war hatte Theresa May im Parlament benutzt, wurde vom Vereinigten Königreich im UN Sicherheitsrat benutzt, wurde von Boris Johnson auf BBC benutzt und, am verräterischsten von Allem , ist „eines Typs, wie er von Russland entwickelt wurde“ genau der Satz, der in der gemeinsamen Erklärung des Vereinigten Königreiches, der USA, Frankreich und Deutschland gestern benutzt wurde.

„Der Einsatz eines militärischen Nervenkampfstoffs eines Typs, wie er von Russland entwickelt wurde, stellt die erste offensive Anwendung eines solchen Nervengifts in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg dar.”

Wenn von derselben sorgfältig ausgewählten Formulierung niemals abgewichen wird, dann weiß man, dass sie das Resultat eines sorgfältig gewählten Kompromisses des Regierungsviertels ist. Meine Quelle im Außenministerium sowie auch ich erinnern sich noch an den außergewöhnlich hohen Druck auf das Personal des Außenministeriums und anderer Zivilangestellten, das schmutzige Dossier über die irakischen Massenvernichtungswaffen abzuzeichnen, einen Druck, den ich in meinem Buch Murder in Samarkand (Mord in Samarkand, Anm. WM) wiedergegeben habe. Es bietet den Vergleich mit dem was jetzt passiert, besonders in Porton Down, aber ohne meine Soufflage.

Nebenher habe ich auch noch die Pressabteilung der OPCW (Anm. WM: Organisation für das Verbot chemischer Waffen) angeschrieben und sie gebeten, mir zu bestätigen, dass es niemals einen schlagenden Beweis für die Existenz russischer Novichoks gegeben hat und dass das Programm zur Vernichtung der russischen Chemiewaffen letztes Jahr abgeschlossen wurde.

Kennen Sie diese interessanten Tatsachen?

Die Inspektoren der Organisation für das Verbot chemischer Waffen hatten über ein Jahrzehnt lang vollen Zugang zu allen russischen Einrichtungen zur Herstellung von Chemiewaffen – einschließlich derjenigen, die vom vermutlichen „Novichok“- Whistleblower Mirzayanov benannt worden waren- und letztes Jahr haben die Inspektoren der Organisation für das Verbot von Chemiewaffen die letzten 40.000 Tonnen russischer Chemiewaffen zerstört.

Im Vergleich dazu ruht das Programm zur Zerstörung amerikanischer Chemiewaffen seit fünf Jahren.

Israel hat umfangreiche Lager von chemischen Waffen aber es weigert sich, sie der Organisation für das Verbot von Chemiewaffen zu melden. Israel gehört nicht zu den Staaten, die das Chemiewaffenabkommen unterzeichnet haben und ist auch nicht Mitglied der OPCW. Israel hatte das Abkommen zwar 1993 unterzeichnet, sich aber geweigert es zu ratifizieren, weil das die Inspektion und die Zerstörung seines Bestandes an Chemiewaffen bedeutet hätte. Israel hat zweifellos genau so die technischen Möglichkeiten wie andere Staaten, die „Novichoks“ herzustellen.

Bis zu dieser Woche war die fast einhellige Meinung aller Experten für Chemiewaffen sowie die auch die offizielle Stellung der OPCW, dass „Novichoks“ vor Allem ein theoretisches Entwicklungsprogramm war, das die Russen nie abgeschlossen oder sie wirklich synthetisiert und hergestellt hatten. Darum stehen sie auch nicht auf der Liste der von der OPCW verbotenen Chemiewaffen.

Porton Down ist sich nicht sicher, dass es die Russen waren, die Novichok hergestellt haben. Von daher „eines Typs, wie er von Russland entwickelt wurde“. Man beachte: entwickelt, nicht gemacht, hergestellt oder produziert.

Es ist eine sorgfältige Wörterpropaganda. Eines Typs, wie sie von Lügnern entwickelt wurde.

Aktualisierung:

Diese Schrift regte einen anderen alten Kollegen an, sich zu melden. Auf der guten Seite ist zu vermelden, dass das Außenministerium Boris davon überzeugt hat, der OPCW eine Probe zukommen zu lassen, damit sie untersucht werden kann. Aber noch nicht sofort. Die Erwartung ist die, dass das Untersuchungskomitee von einem Chinesen geleitet wird. Der Plan von Boris ist auch, die OPCW dazu zu bringen, die Formulierung „wie er von Russland entwickelt wurde“ anzunehmen und dass die Diplomatie zu diesem Zweck ab jetzt von Peking übernommen wird.

Ich nehme mal an, dass es keine Anzeichen dafür gibt, dass die BBC sich beeilen wird, davon zu berichten.

Erratum – Ich hatte ursprünglich „Nervengas“ und nicht Nervenkampfstoff geschrieben – ausschließlich mein Fehler.

Freie Übersetzung aus dem Englischen von WM

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„Nowitschok-Story“ eine Neuauflage des Schwindels über irakische Massenvernichtungswaffen

Sonntag, 18.03.2018, 00:26:20 :: Nachdruck aus den Nachdenkseiten

Craig Murray legt nach und nennt die „Nowitschok-Story“ eine Neuauflage des Schwindels über irakische Massenvernichtungswaffen

Redaktion
15. März 2018 um 11:15 Uhr

Die Nowitschok-Story ist im Grunde eine Neuauflage des Schwindels über irakische Massenvernichtungswaffen

Kürzlich, im Jahre 2016, hat Dr. Robin Black, der Leiter des Aufklärungslaboratoriums von Großbritanniens einziger Anlage für chemische Waffen in Porton Down, ein früherer Kollege von Dr. David Kelly (Anm. d. Red.: Kelly war der Chemiewaffenexperte und Whistleblower, der die Geheimdienstlüge über die irakischen Massenvernichtungswaffen ans Licht brachte und dann unter seltsamen Umständen ums Leben kam), in einem renommierten Wissenschaftsjournal einen Artikel veröffentlicht, in dem er sagt, der Beweis für die Existenz von Nowitschoks sei dürftig und ihre Zusammensetzung unbekannt.

In den letzten Jahren gab es oft Spekulationen darüber, dass in den frühen 70er Jahren als Teil des sogenannten Foliant Programms eine vierte Generation von Nervengasen, Nowitschoks (newcomer), in Russland entwickelt wurde, dies mit dem Ziel, einen Kampfstoff zu finden, der defensive Gegenmaßnahmen unterlaufen würde. Informationen über diese chemischen Verbindungen waren in der Öffentlichkeit sehr spärlich, die meisten kamen von einem russischen Dissidenten und Militärchemiker mit dem Namen Vil Mirzayanov. Es wurde jedoch nie eine unabhängige Bestätigung über Struktur oder Eigenschaften von solchen chemischen Verbindungen veröffentlicht.

aus: Robin Black. (2016) Entwicklung, vergangene Anwendungen und Eigenschaften von chemischen Kampfstoffen. Royal Society of Chemistry

Dennoch behauptet jetzt die britische Regierung, eine Substanz aus dem Stehgreif identifizieren zu können, die ihr eigenes Forschungszentrum für biologische Waffen niemals zuvor gesehen hat und deren Existenz ungesichert ist. Schlimmer noch: sie behauptet nicht nur, diese Substanz identifizieren zu können, sondern auch nachweisen zu können, wo diese hergekommen sei. Wenn man sich Dr. Blacks Publikation vor Augen hält, dann ist es offensichtlich, dass dies nicht wahr sein kann.

Die internationalen Experten für chemische Waffen teilen Dr. Blacks Auffassung. Die Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW) ist eine Abteilung der UN, die in Den Haag angesiedelt ist. Hier der Bericht ihrer Wissenschaftsabteilung aus dem Jahre 2013, die aus US-amerikanischen, französischen, deutschen und russischen Vertretern zusammengesetzt war und deren Gremium Dr. Black (Großbritannien) vertrat:

(Der wissenschaftliche Beirat) betont, dass die Begriffsbestimmung über giftige Chemikalien in dem Abkommen alle potenziellen chemischen Verbindungen einschließt, die als Chemiewaffen benutzt werden könnten. Was neue giftige Verbindungen anbelangt, die nicht im chemischen Verzeichnis aufgelistet sind, die aber dennoch ein Risiko für das Abkommen sein könnten, weist der wissenschaftliche Beirat auf die „Nowitschoks“ hin. Der Name „Nowitschoks“ wird in einer Veröffentlichung von einem früheren sowjetischen Wissenschaftler benutzt, der berichtet hat, nach einer neuen Klasse von Nervengiften zu forschen, die als binäre chemische Waffen angewendet werden könnten. Der wissenschaftliche Beirat möchte hiermit feststellen, dass er nicht über ausreichende Informationen verfügt, um sich über die Existenz oder die Eigenschaften von „Nowitschoks“ äußern zu können. (OPCW, 2013)

OPCW: Bericht des wissenschaftlichen Beirats über Entwicklungen in Wissenschaft und Technologie für die dritte Berichtskonferenz, 27. März 2013

Die OPCW war in der Tat so skeptisch über die Existenz von „Nowitschoks“, dass sie beschloss, mit dem Einverständnis der USA und Großbritanniens, weder sie noch deren angebliche Vorläufer auf ihre Verbotsliste zu setzen. Kurzum, die breite Gemeinschaft der Wissenschaftler nahm an, dass Mirayanov zwar an „Nowitschoks“ arbeitete, zweifelte aber an seinem Erfolg.

Angesichts der Tatsache, dass die OPCW den Standpunkt eingenommen hatte, dass die Existenz von „Nowitschoks“ zweifelhaft sei, wäre es jetzt ungemein wichtig, dass Großbritannien der OPCW eine Probe davon zukommen lassen würde, wenn man denn eine solche überhaupt hat. Denn Großbritannien hat einen bindenden Vertrag mit der OPCW, dies zu tun. Russland seinerseits hat unbestätigten Meldungen (Anm. d. Red.: Die Anfrage ist mittlerweile bestätigt) zu Folge einen Antrag an die OPCW gerichtet, dass Großbritannien eine Probe des Materials aus Salisbury einreichen solle, damit sie international untersucht werden könne.

Aber Großbritannien weigert sich.

Warum?

Ein weiterer Teil der Anschuldigungen von May ist der, dass „Nowitschoks“ nur in bestimmten militärischen Einrichtungen hergestellt werden können. Aber das ist nachweislich nicht wahr. Wenn es die „Nowitschoks“ denn wirklich gibt, so wurden sie vorgeblich so gestaltet, dass sie mühelos in jeder chemischen Werkstatt hergestellt werden können – das war ein Hauptaspekt davon. Der einzige reelle Beweis für die Existenz von Nowitschoks war die Aussage des früheren sowjetischen Wissenschaftlers Mirzayanov. Und der schrieb:

Man sollte nicht vergessen, dass die chemischen Verbindungen der Vorläufer von A-232 oder ihre binäre Variante Nowitschok-5 gewöhnliche Organophosphate sind, die in gewerblichen chemischen Fabriken hergestellt werden können, die auch solche Produkte wie Dünger und Pestizide herstellen.

Vil S. Mirzayanov, „Enthüllungen über den sowjetisch/russischen Chemiewaffenkomplex: Die Sicht eines Insiders“, in Amy E. Smithson, Dr. Vil s. Mirzayanov, Gen Lajoie und Michael Krepon, Chemiewaffen Vernichtung in Russland: Probleme und Aussichten, Stimson Report N° 17, Oktober 1995, Seite 21

Es ist wissenschaftlich gesehen unmöglich für Porton Down, in der Lage gewesen zu sein, auf russisches Nowitschok zu schließen, wenn es niemals eine russische Probe davon besessen hat, um sie damit vergleichen zu können.

Sie mögen eine Probe gefunden haben, die identisch mit einer Formel von Mirzayanov ist, aber da dieser die Formel bereits vor zwanzig Jahren veröffentlicht hatte, ist das kein Beweis für ihre russische Herkunft. Wenn Porton Down sie synthetisch herstellen kann, so können das außer den Russen noch viele andere auch.

Und schlussendlich: Mirzayanov ist ein usbekischer Name und das Nowitschok-Programm, sollte es denn existiert haben, lief zwar in der Sowjetunion, aber weit entfernt vom heutigen Russland, in Nukus, im heutigen Usbekistan. Ich habe die Chemiewaffenfabrik in Nukus selber besucht. Sie war abgebaut und sicher, alle Vorräte waren zerstört und die Gerätschaft war, meiner Erinnerung nach in der Zeit, wo ich dort Botschafter war, von der amerikanischen Regierung beseitigt worden. Es gab in Wirklichkeit niemals einen Beweis für die Existenz von „Nowitschok“ im heutigen Russland.

Zusammenfassend:

  1. Porton Down hat in seinen Veröffentlichungen bestätigt, niemals irgendwelche russischen „Nowitschoks“ gesehen zu haben. Die britische Regierung hat keine Informationen, die einem „Fingerabdruck“ gleichkommen würden, wie z.B. Verunreinigungen, nach denen diese Substanz eindeutig Russland zugeordnet werden könnte.
  2. Bis heute waren weder Porton Down noch die weltweiten Experten der Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW) von der Existenz von „Nowitschoks“ überzeugt.
  3. Das Vereinigte Königreich weigert sich, der OPCW eine Probe zur Verfügung zu stellen
  4. „Nowitschoks“ wurde hauptsächlich entwickelt, um auf Basis von herkömmlichen Bestandteilen in jedem wissenschaftlichen Labor hergestellt werden zu können. Die Amerikaner haben die Einrichtung, die sie angeblich entwickelt hat, studiert und abgerissen. Es entspricht nicht der Wahrheit, dass nur die Russen sie hergestellt haben könnten, wenn jeder das konnte.
  5. Das „Nowitschok“-Programm war in Usbekistan angesiedelt und nicht in Russland. Sein Vermächtnis wurde nicht an die Russen, sondern an die Amerikaner zu Zeiten ihrer Allianz mit Karimov weitervererbt.

Mit großem Dank an die Quellen, die zu diesem Zeitpunkt hier noch nicht genannt werden können.


Craig Murray ist ehemaliger Karrierediplomat im britischen Außenministerium. Seinen letzten Posten als Botschafter in Usbekistan musste Murray 2004 räumen, nachdem er sich kritisch zu den Menschenrechtsverletzungen des im Westen sehr beliebten usbekischen Diktators Karimov geäußert hatte. Seitdem bloggt Murray auf craigmurray.org.uk.

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Aberglaube oder doch lieber Jubiläum?

Dienstag, 13.03.2018, 17:12:24 :: Galanado

Für Griechen ist ein Dienstag, der 13. – wie heute – angeblich was vom Schlimmsten, was passieren kann. Und heute ist ein solcher »Triti, dekatris!« – Grund, mal etwas tiefer in der Kalender zu schauen.

Zurück geht das auf die Eroberung Konstantinopels, wie Wikipedia erklärt.

Insbesondere im griechischen Raum bezeichnet „Schwarzer Dienstag“ den 29. Mai 1453 – einen Dienstag, an dem Konstantinopel, die Hauptstadt des byzantinischen Reiches, von den osmanischen Truppen erobert wurde, womit das byzantinische Reich nach über eintausendjähriger Geschichte unterging und die jahrhundertelange Periode der türkischen Fremdherrschaft in Griechenland und auf dem Balkan anbrach. Seitdem gilt der Dienstag in Griechenland bis heute als Unglückstag.

Wikipedia: Schwarzer Dienstag

Damit ist für mich der heutige »Triti, dekatris!« zwar nicht so richtig verständlich erklärt aber wie ich sehe, ist der 13. April 2018 ein Freitag der Dreizehnte. Und an diesem Tag wird dieser Blog Von Mir Nix & Dir Nix dreizehn Jahre alt.

Zufälle gibt’s. Und ich werde hoffentlich unterwegs das dreizehnte Jubiläum feiern. Und das hat wieder Sinn.

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* Rund Europa 2018: Erste Etappe Anfang April

Stand: Samstag, 10.03.2018, 16:11:49 :: Galanado

In wenigen Wochen starten wir Teil 1 unserer diesjährigen Europatour: Die Fahrt von Naxos nach Deutschland. Es ist auf den ersten Blick eine Reise, wir wir sie in den letzten (mehr als zehn!) Jahren schon wiederholt gemacht haben. Also nicht Neues? Bei der Durchsicht alter Fotografien und der teilweise vorhandenen Berichte finden sich vieles, was bereits vergessen war.

Weiter …

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China und Russland rüsten auf?

Samstag, 17.02.2018, 13:50:21 :: Galanado

Die rücksichtslose Nachlässigkeit und/oder Verlogenheit weiter Teile der Presse lässt einen immer wieder verständnislos den Kopf schütteln; ausser man unterstellt Absicht. Dann wird meist vieles klarer.

Wiedergabe eines Artikels aus den Nachdenkseiten von Jens Berger.

China und Russland rüsten auf?

Jens Berger

Veröffentlicht in: Aufrüstung, Kampagnen / Tarnworte / Neusprech, Lobbyorganisationen und interessengebundene Wissenschaft, Medienkritik

Eine Meldung des Londoner Think Tanks IISS landete in dieser Woche prominent auf der Startseite fast aller großen Nachrichtenportale. Das ist kein Wunder, passt der Inhalt der DPA-Meldung doch ganz ins transatlantische Weltbild. Glaubt man der IISS-Meldung, sind es Russland und China, die „kräftig aufrüsten“ und nun die USA „herausfordern“. Beide Aussagen lassen sich jedoch nicht durch die unabhängigen Daten des für solche Fragen maßgeblichen Stockholmer Forschungsinstituts SIPRI belegen. Im Gegenteil. Die Rüstungsausgaben Chinas sind, gemessen an der Wirtschaftskraft des Landes, seit Jahrzehnten konstant und Russlands Militärbudget ist in absoluten Zahlen seit einigen Jahren rückläufig. Wie kommt das IISS auf diese Falschmeldung und warum drucken fast alle großen Medien dies offenbar ungeprüft ab? Von Jens Berger.

Nach wie vor lässt sich die Welt beim Thema Rüstungsausgaben in zwei fast gleichgroße Blöcke aufteilen – der Rest der Welt und die NATO, angeführt durch die USA, die alleine für mehr als ein Drittel der weltweiten Rüstungsausgaben stehen. Die EU28 geben übrigens rund 252 Mrd. US$ pro Jahr für Rüstung aus und damit weniger als die USA mit ihren 611 Mrd. US$. Genau daran wollen die USA ja mit ihrer unsinnigen und willkürlichen Zwei-Prozent-Grenze etwas ändern. Die USA selbst geben momentan 3,3% ihrer Wirtschaftskraft – gemessen am BIP – für Rüstung aus, Deutschland liegt bei 1,2% und müsste demnach seine Rüstungsausgaben fast verdoppeln, um den Wünschen der USA zu entsprechen.

Und wie sieht es international aus? Die erste Überraschung ist, dass Chinas Rüstungsausgaben konstant sind, wenn man die Wirtschaftskraft als Maßstab nimmt. Seit Beginn der 90-er schwanken die Rüstungsausgaben in einem sehr engen Korridor zwischen 1,9% und 2,3% des BIP. Das US-Budget lag wohlgemerkt in fast allen Jahren in diesem Zeitraum mehr als doppelt so hoch. Nicht nur absolut, sondern auch relativ dominieren die USA die Aufrüstung. Da Chinas Wirtschaft wächst, steigen die chinesischen Rüstungsausgaben freilich in absoluten Zahlen; aber auf einem Niveau, das immer noch weit, weit unter dem US- bzw. NATO-Budget liegt.

Bei den relativen Militärausgaben nimmt übrigens auch Russland einen vergleichsweise hohen Rang ein und spielt hier mit den USA in einer Liga. Rüstungsprimus Saudi-Arabien liegt übrigens mit seinen 64 Mrd. US$ Ausgaben nur noch ganz knapp hinter Russland mit seinen 69 Mrd. US$ – Saudi-Arabien ist jedoch auch nur ein karger Wüstenstaat mit 32 Mio. Einwohnern, während Russland das größte Land der Welt ist und 147 Mio. Einwohner hat. Bei den absoluten Zahlen sieht die Sache auch im Vergleich mit den USA deutlich anders aus: Russlands Militärausgaben liegen hier bei lediglich 7,8% der Ausgaben der NATO-Staaten. 69,2 Mrd. US$ aus Moskau stehen 886,2 Mrd. US$ aus der NATO gegenüber. Selbst zusammen mit China kommt Russland auf weniger als ein Drittel der NATO-Rüstungsausgaben.

Wie man bei diesen Zahlen von einer „Herausforderung“ sprechen kann, ist in der Tat ein Rätsel. Und wie man diese nicht sonderlich dynamischen Werte als „kräftige Aufrüstung“ uminterpretieren kann, erscheint ebenfalls fraglich. Wer ist eigentlich dieses IISS, auf das sich die DPA da beruft?

Hier gibt ein erster Blick in die Finanzdaten Aufklärung. Maßgeblich finanziert wird das International Institut for Strategic Studies vom Königshaus des Golfemirats Bahrain, das auch andere transatlantische Think Tanks großzügig finanziert. Neben der klassischen Öffentlichkeitsarbeit im transatlantischen Sinne ist das IISS vor allem für die von ihm organisierten Treffen bekannt. Darunter der „Manama Dialogue“ in Bahrain, an dem im letzten Jahr neben dem bahrainischen Herrscher unter anderem Ursula von der Leyen, General Petraeus und Hillary Clinton teilnahmen und der „Shangri-La-Dialogue“ in Singapur. Beide Veranstaltungen wirken wie die Mischung aus regionalen Variationen der Münchner Sicherheitskonferenz im mittleren und fernen Osten und einer Messe für die Rüstungsindustrie der USA und Großbritanniens. Da ist es natürlich im Sinne der Veranstalter, die Bedrohung durch China, Russland und Iran an die Wand zu malen. Glaubwürdig und seriös ist das alles freilich nicht. Fun Fact: Think-Tank-Tausendsassa Josef Joffe war ebenfalls beim IISS involviert.

Umso unerklärlicher ist es, dass die DPA solche PR-Meldungen Eins zu Eins übernimmt und fast alle selbsternannten Qualitätsmedien diese Meldungen dann ebenfalls Eins zu Eins wiedergeben. Kritik an der Quelle wird dabei nicht geäußert. SPON nennt das IISS beispielsweise die „- neben dem Stockholmer SIPRI-Institut – weltweit führende Einrichtung bei der Beurteilung internationaler Konflikte“ und lässt vollkommen unerwähnt, dass das SIPRI in der Tat ein angesehenes Friedensforschungsinstitut ist, während das IISS ein interessengesteuertes transatlantisches Think Tank ist.

Quellenkritik ist auch bei der FAZ, der ZEIT, dem Handelsblatt, der Frankfurter Rundschau, dem Focus und ZDF Heute unerwünscht.

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