Niedergang der Demokratie?

Mittwoch, 30.11.2016, 19:25:51 :: Galanado

Fundstücke

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McCarthy reloaded ?

Dienstag, 29.11.2016, 20:13:26 :: Galanado

Von Norbert Häring erschien heute ein Artikel (Original), den ich hier mit seiner Genehmigung wiedergebe. Er schildert sehr detailliert, was uns blüht. Wer die im Text verlinkten Stellen lesen will (was ich sehr empfehle), sollte gleich zum Original wechseln.

Die im Grunde primitive, aber gefährliche – weil eine zusehends uninformierte und an wichtigen, wenn auch komplizierten Zusammenhängen uninteressierte Gesellschaft treffende – Methode, trifft die Demokratie ins Mark. Sie geht weit über die Ziele eines »Wahrheitsministeriums«, wie es uns George Orwell in 1984 geschildert hat, hinaus. Wir erkennen ja immer mehr, je älter wir werden, dass die Phantasie und die (kurze!) Zeit einer Generation nicht ausreicht, sich vorzustellen, was der nächsten bereits blühen kann. Der Kalte Krieg kommt mit voller Wucht und den digitalen Werkzeugen von heute zurück.

McCarthy reloaded: Washington Post enttarnt einflussreiche Medien als russische Propagandaorgane

Wenige Tage, nachdem der Atlantic Council eine Liste mit angeblichen Trojanischen Pferden des Kreml in Deutschland und Europa veröffentlichte, kommt die Washington Post mit einem aufsehenerregenden Beitrag, in dem sie eine schwarze Liste von US-Medien propagiert, die angeblich Teil eines russischen Propagandanetzwerks sind. Die vorgeschlagenen Gegenmaßnahmen im McCarthy-Stil ähneln denen des Atlantic Council. Man kann diesen Vorgang gar nicht wichtig genug nehmen. Denn Facebook und Google werden das als Zensuranleitungen nehmen.

28.11.2016

Die bekannte linksgerichtete und Wall-Street-kritische Finanzwebsite Naked Capitalism, wurde von der Zeitschrift Time als eine der besten 25 Finanzblogs und von Wired als eine der wichtigsten Webseiten für Finanzthemen gelobt. Sie ist ein Verkündungsorgan des russischen Geheimdiensts, wie jetzt bekannt wurde. Sie ist Teil eines weit-verzweigten Netzes von US-Medien die russische Propaganda verbreiten. Das war am 24.11. in der Washington Post zu lesen. Auf der Website hat der Artikel (Stand 28.11.) 14500 Kommentare. Er wurde von vielen anderen Medien weiterverbreitet. Auch die „Anti-War“-Website des konservativen Politikers Ron Paul und die extrem viel genutzte konservative Nachrichten-Aggregator-Website Drudge Report gehört dazu. Wikileaks natürlich ebenfalls, und das anarchistisch angehauchte Finanzportal Zero Hedge. Insgesamt sind mehr als 200 Medien auf der schwarzen Liste, die meisten Internetmedien, nur wenige, wie RT und Sputnik, mit erkennbaren russischen Bezügen.

Man sollte meinen, für eine solch drastische und ehrenrührige Anschuldigung hat die altehrwürdige Washington Post eine solide Quelle. Die Quelle stellt sich jedoch als eine vor wenigen Monaten erstmals in Erscheinung getretene, anonyme Gruppe namens „PropOrNot (Propaganda oder nicht?) heraus, die bis dahin auf Twitter hauptsächlich durch infantile Posts im Stile 15-jähriger Antifa-Aktivisten aufgefallen ist. Der Washington-Post-Reporter charakterisiert sie als „eine überparteiliche Ansammlung von Forschern mit Hintergründen aus der Außenpolitik, dem Militär und der Technologieszene.“ Normalerweise würde ich bei einer Kombination aus geheim – Außenpolitik – Militär – Technologie an Geheimdienst denken, aber das muss man natürlich nicht. Immerhin würde diese Variante jedoch erklären, warum eine seriöse Zeitung wie die Post – auch wenn sie inzwischen Amazon-Gründer Jeff Bezos gehört – derart schamlos und offensichtlich alle Prinzipien des ehrenhaften Journalismus über den Haufen wirft und völlig unsubstantiierte Anschuldigungen einer anonymen Gruppe einfach so veröffentlicht und sich zu eigen macht.

Diese genannte Gruppe hat in einem Bericht, den sie der Post vorher gab, mit nicht näher beschriebenen aber „ausgefeilten“ Methoden der Analyse sozialer Netzwerke eine „effektive Kampagne zum Säen von Misstrauen in die US-Demokratie und ihre Führer“ ausgemacht und die US-Hilfsorgane der Kampagne aufgelistet. Von diesen sollen sich die Menschen fernhalten, raten die anonymen „Forscher“ und sich stattdessen bei BBC, New York Times, dem Wall Street Journal und der Washington Post informieren.

Dabei spielt es für PropOrNot keine Rolle, ob ein Medium irgendwelche Verbindungen zu russischen Einflüsterern oder Financiers hat, oder ob es absichtsvoll für Russland oder russische Interessen Propaganda macht, denn:

„Für Zwecke dieser Definition ist es unwichtig, ob die Webseiten auf dieser Liste sich wissentlich von russischen Geheimagenten steuern oder bezahlen lassen, oder ob sie überhaupt wissen, dass sie russische Propaganda verbreiten. Wenn sie diese Kriterien erfüllen, agieren sie zumindest als ‚nützliche Idioten‘ der russischen Geheimdienste und sollten genauer untersucht werden.“

Zu den von PropOrNot erwähnten „Kriterien‘“ für die Einordnung als Fake-News-Sites gehört Verbreitung von Argumenten für den Brexit, Kritik an der Tatsache, Kritik an westlichen Kriegseinsätzen und der EU oder das Werben für friedliche Koexistenz mit Russland. Auch das Aufdecken von und Kritik an korruptem oder sonstwie unanständigem Verhalten des politischen Führungspersonals ist geeignet, das Vertrauen in die US-Demokratie und deren Führung, ganz im Sinne der russischen Popaganda, zu beschädigen und macht die entsprechenden Organe mindestens zu „nützlichen Idioten“ Moskaus.

Die Vorschläge für Gegenmaßnahmen ähneln stark denen, die der Atlantic Council vor kurzem zur Bekämpfung der fünften Kolonne Moskaus in Deutschland und Europa vorgeschlagen hat. Die Geheimdienste und das FBI sollen die gelisteten Medien hochnotpeinlich überprüfen. Außerdem soll die „Zivilgesellschaft“ mithelfen, verdächtige Umtriebe aufzudecken, öffentlich anzuprangern und zu melden. Ohne Scheu vor historischen Bezügen zur dunkelsten Nazizeit wirbt PropOrNot dafür, der Verbreitung pro-russischer Propaganda Verdächtige Personen und Medien in den sozialen Netzwerken mit YYY…YYY um den Namen herum zu markieren. Mit ebenso geringer Scheu vor Bezügen zum ruchlosen Kommunistenjäger McCarthy und seiner „Liste“ nennt die Gruppe ihre eigene schwarze Liste auf ihrer Webseite kurz „The List“. Senator McCarthy war der Einpeitscher der „Kommunisten“-Verfolgung in den 1950er Jahren in den USA, der viele linke Politiker, Intellektuelle, Künstler, Schauspieler und Regisseure zum Opfer fielen.

Sauberes Internet

Die wahre Gefahr geht aber nicht von geheimdienstlichen oder polizeilichen Überprüfung diffamierter Medien und Reporter aus. Da dort nur sehr selten etwas zu finden sein dürfte, wird in dieser Richtung wenig passieren, und auch Untersuchungskommissionen des Parlaments gegen Angeschuldigte wie in der Zeit McCarthys wird es kaum wieder geben. Es ist nicht nötig, weil man heute im Zeitalter der sozialen Netzwerke elegantere Mittel hat, um die Kontrolle über die öffentliche Meinung zurückzugewinnen und Kritiker in die Obskurität zu verdammen.

Wie es in dem Artikel der Washington Post so richtig heißt, haben Facebook und Google versprochen, etwas gegen die Verbreitung von Fake News (falscher Nachrichten) zu tun, nachdem sie scharf kritisiert wurden, weil sie im Zuge des Präsidentschaftswahlkampfes nicht genug dagegen getan hätten. Diese Kampagne, die die Post hier betreibt, soll alles das als Fake News definieren, was die Mitglieder dieser schwarzen Liste – angeblich im Dienste Moskaus – publizieren. Es sollen also nicht etwa die massenhaft von offiziösen Kreisen gestreuten, bisher völlig unsubstantierten Theorien über russische Einflussnahme auf die US-Wahlen als Fake News bekämpft werden. Etwa der Bericht der Post, wonach Hilary Clinton vielleicht auf Putins Befehl vergiftet wurde. Nein, es sollen unabhängige und kritische Informationsquellen, die den etablierten Medien die Deutungs- und Informationshoheit immer mehr streitig machen, daran gehindert werden, ihr Publikum zu erreichen und von diesem ernst genommen zu werden.

Es gibt wenig Zweifel daran, dass Amazon, Facebook und Google in der Lage sind, dies zu bewerkstelligen. Es brechen schwere Zeiten für die Meinungsfreiheit und für kritische Geister an. Der Glaubwürdigkeit der etablierten Medien werden solche Kampagnen zur Unterdrückung von Konkurrenz aber absehbar nicht guttun.

Die Mär von der hilflosen NSA

Wer sich wundert, warum ausgerechnet in einer Zeit, in der der designierte US-Präsident für Entspannung gegenüber Russland eintritt, die Kreise um den Atlantic Council in den USA und international eine neue Hatz auf vermeintliche russische Einflussagenten ausrufen, dem empfehle ich nochmals die Lektüre meines Blogbeitrags „Trump – Ein geostrategischer Erklärungsversuch“. Die Erklärung für die vielen Fake News während des Wahlkampfs, wonach „die Russen eine von den USA entwickelte Technologieplattformen ausnutzten, um die US-Demokratie in einem besonders verwundbaren Moment anzugreifen“ (Zitat Washington Post), ist so unplausibel, dass sie einer Beleidigung der Intelligenz der Adressaten gleichkommt. CIA und NSA, riesige Gehemdienstapparate mit zehntausenden Mitarbeitern, die in der Lage sind, den weltweiten Telefonverkehr und Internetverkehr zu überwachen, die engste Beziehungen zu Google und Facebook pflegen, die das Internet mit entwickelt haben, sind hilflose Opfer, die sich nicht gegen die überlegene IT-Expertise der Russen in Sachen soziale Medien zur Wehr setzen können? Warum wurde dann die Führungsriege der Geheimdienste nicht längst ausgetauscht, wenn sie so versagt? Nicht einmal Kritik an ihnen gibt es. Dass man so eine absurde Theorie überhaupt öffentlich verbreiten kann, sagt einiges über den Grad an Desinformation, den wir erreicht haben. Ich würde eher die weniger gewagte Gegenthese vertreten, dass, wenn es massenhaft Verbreitung falscher Nachrichten zugunsten von Trump über Facebook und Google gegeben haben sollte, dies sicherlich nicht gegen den Willen der US-Geheimdienste geschah. Da dieser Verdacht irgendwie auf der Hand liegt, trifft es sich nicht schlecht, wenn man mit viel Geraune aus „Kreisen“, den Verdacht der Öffentlichkeit auf die Russen lenkt. Das liefert dann gleich noch eine Steilvorlage zur angeleiteten Selbstzensur der sozialen Medien; zur Einhegung alternativer Informationsquellen und zur Marginalisierung von kritischen Geistern. Ob man diese später beschuldigt, russische oder chinesische Propaganda zu verbreiten oder einfach nur die Moral zu zersetzen, ist nachrangig.

Deutschland macht mit

Leider sind wir in Deutschland auf dem gleichen Wege. Justizminister Heiko Maas drängt mit selbsternannten Tugendwächtern aus der „Zivilgesellschaft“ die sozialen Medien zur Zensur der Inhalte, um das Internet von bösartiger Kritik und Verschwörungstheorien zu säubern. Ist diese Zensur erst einmal etabliert und legitimiert, kann sie problemlos erweitert werden, um unliebsame Inhalte und Meinungen jeder Art zu unterdrücken. Einem Bericht der FAZ zufolge, soll das in Bälde auch auf europäischer Ebene angegangen werden, quasi als Abschiedsgeschenk des scheidenden EU-Parlamentspräsidenten Martin Schulz. Soziale Netzwerke sollen aus den Fängen der Hetzer und Extremisten befreit werden, durch Regulierung des Diskurses. Google, Facebook und Co. sollen zu einer Vorabkontrolle des Diskurses genötigt werden, sodass Dinge, über deren Zulässigkeit später vielleicht Gerichte urteilen müssten, schon gar nicht mehr verbreitet werden können.

Und der IT-Sicherheitsexperte Sandro Gaycken Chef eines „Digital Society Institute“ entblödet sich nicht einmal mehr, allen Ernstes in der FAZ vorzuschlagen, Bürger, die wählen wollen, einem Kenntnis- und Meinungstüv zu unterziehen – aber natürlich gänzlich ohne Einschränkung der Meinungsfreiheit:

„Wenn das neue Problem der Aufklärung nicht mehr zu wenig, sondern zu viel, zu isoliertes und fehlerhaftes Wissen und Meinen ist, muss politische Partizipation an ein Mindestmaß korrekter Bildung geknüpft werden. Wir brauchen eine ‚Gnosikratie‘. ‚Wer wählen will, soll politische Kompetenz beweisen. Warum nicht so? Die Bundeszentrale für Politische Bildung gibt Zweiseiter für jeden politischen Bereich aus – mit anerkannten Fakten, mit bewusster Konfrontation von Lügen und Verschwörungen und mit Positionen. Dazu muss vor der Wahlkabine ein variierender Multiple-Choice-Test mit einer einfachen Frage aus jedem Bereich ausgefüllt werden. Wer besteht darf wählen.“

Regierungsamtlich als hinreichend fundiert eingestufte Meinungen dürfen Wahlwillige weiter haben, nur Falschmeiner werden nicht zur Wahl zugelassen. In der Tat: So könnte man die AfD an der Wahlurne nachhaltig besiegen. Ob das noch etwas mit Demokratie zu tun hat fragt man am besten Kim Jong Un. Der kennt sich aus.

Und schließlich tut bei uns ein weit verzweigtes Netzwerk von Querfront- und Antisemitismus-Jägern mit einflussreichen Unterstützern das, was PropOrNot nun in großem Maßstab in den USA angeht. Hartnäckig und vielstimmig verunglimpft es einflussreiche kritische Medien und Personen als Putin-freundliche Verschwörungstheoretiker, neu-rechts, AfD-nah und schlimmeres. So werden Kriegsgegner, Nato-Kritiker und andere unbequeme Zeitgenossen schleichend aber wirkungsvoll zu Unberührbaren für „seriöse“ Teilnehmer am öffentlichen Diskurs gemacht. Das Gedankengut und die Absicht dahinter ist dieselbe wie bei Washington Post und PropOrNot oder dem Atlantic Council. In den Worten von Wolfgang Storz, Autor einer Querfront-„Studie“ zur Ausgrenzung kritischer Medien wie der Nachdenkseiten:

„Die vertretenen Positionen münden in (…) eine rigide Abwendung von heutigen wirtschaftspolitischen, repräsentativ-parlamentarischen und liberalen Gesellschaftsentwürfen in westeuropäischen Demokratien und deren Werten. (…) So fällt auf, dass positive Anmerkungen über die heutigen Verhältnisse in Deutschland oder in der EU, über die demokratisch-repräsentative Gesellschaftsordnung und die ihr zugrunde liegenden Werte nie gemacht werden. Aus beidem kann abgeleitet werden, dass die Akteure nicht nur die Kritik am hiesigen privatkapitalistischen und an der Globalisierung ausgerichteten Wirtschaftssystem und an der repräsentativ-demokratischen Gesellschaftsordnung eint, sondern eine grundsätzliche Gegnerschaft zu ihr.“

Oder auch in den Worten von Jupp Legrand, Geschäftsführer der Otto Brenner Stiftung im Vorwort besagter „Studie“:

„Je mehr Parteien, Verbände, Stiftungen, Initiativen, politische Akteure oder soziale Gruppen ohne Filter oder Vermittlung durch Dritte ihr Publikum direkt im Netz suchen und je erfolgreicher sie dabei sind, desto stärker zerfällt das, was eine funktionierende Demokratie so dringend benötigt: eine gemeinsame Öffentlichkeit.“

Zu dieser deutschen Variante des McCarthyism in Kürze etwas mehr.

Weiterführendes: Eine beißende Kritik am Artikel der Washington Post von Glen Greenwald.

[…]

Mit freundlicher Genehmigung des Autors.

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Fundstücke: Wo oder was ist Europa?

Samstag, 19.11.2016, 14:37:08 :: Galanado

Fundstücke

Wie versteht sich Europa eigentlich? Als Europäische Union mit den derzeit noch 28 Mitgliedsstaaten, die allerdings auch Territorien in Afrika, Südamerika und im indischen Ozean umfasst? Geografisch als Kontinent – dessen Ostgrenze allerdings nicht ganz eindeutig irgendwo im oder am Uralgebirge verläuft? Oder als das Territorium, dessen Staaten den Europarat bilden?

piqd: Wo ist Europa?

Links:

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Da haben wir den Salat.

Mittwoch, 09.11.2016, 13:23:54 :: Galanado

Und weit und breit kein Donald Duck, dem wir das vor die tollpatschigen Füsse schmeissen können.

Vitzliputzli

Präludium

Dieses ist Amerika!
Dieses ist die neue Welt!
Nicht die heutige, die schon
Europäisieret abwelkt.

Dieses ist die neue Welt!
Wie sie Christoval Kolumbus
Aus dem Ozean hervorzog.
Glänzet noch in Flutenfrische,

Träufelt noch von Wasserperlen,
Die zerstieben, farbensprühend,
Wenn sie küßt das Licht der Sonne.
Wie gesund ist diese Welt!

Ist kein Kirchhof der Romantik,
Ist kein alter Scherbenberg
Von verschimmelten Symbolen
Und versteinerten Perucken.

Aus gesundem Boden sprossen
Auch gesunde Bäume – keiner
Ist blasiert und keiner hat
In dem Rückgratmark die Schwindsucht.

Heinrich Heine, Romanzero, Kapitel 24

War Heine, der grosse Spötter, ein Realist, ein »Experte«, ein Hellseher?

In seiner Zeit hatte er sicher recht mit seinen euphorischen Preisungen einer neuen Zeit, des Aufbruchs – das Schicksal der Indigenen lassen wir dabei der Einfachheit wegen mal lieber weg.

Demoskopen & Experten…

…hatten mal wieder ganz andere Vorstellungen und Ergebnisse aus ihren Umfragen und Analysen herausgelesen, als das, was wir jetzt haben. Ich muss allerdings sagen, ich hatte ziemlich schnell die Vermutung, dass Volkes Wille andere Wege gehen würde. Mein eigentlich starker Optimismus konnte die Signale nicht ausblenden.

Die Experten! Sie tischen uns ja täglich auf vielen Gebieten Ergebnisse auf, die weder mit der aktuellen noch mit der dann kommenden zukünftigen Welt irgendwo was zu tun haben. Es ist widersinnig: Den handelsüblichen Ökonomen zum Beispiel folgt die Politik nahezu blind, Politiker wie Schäuble und Merkel stehen hoch im Kurs – bei den Wählern!. Warner hingegen werden zur Seite geschoben – ob es sich um Rechtradikalisierung oder Banken- oder Klimakrise handelt.

Das ist das Ergebnis. Das haben wir jetzt. Und »wir«, das ist dieser Erdball. Und die Frage, die mich umtreibt ist: Was wird dieses wahnsinnige Land da drüber noch mit in die Tiefe reissen, bevor es absäuft? Und wie wird der neue Traum aussehen?

Heinrich Heine können wir allerdings nicht mehr fragen. Aber ich träume davon, dass es einen geben wird. Optimismus halt.

Links:

Stand: Dienstag, 15.11.2016, 21:18:08 ::

  • Carta: Die Quittung :: Wo auch immer eine Wahl als Denkzettel an das Establishment geframed werden kann, sollten wir von nun an die Luft anhalten. Das verheißt nichts Gutes für Frankreich 2017. Gedanken zum postliberalen Zeitalter.
  • LostinEU: Nein, die US-Wahl interessiert mich nicht (mehr) :: Deshalb nerven diese selbstgerechten, künstlich empörten Artikel der deutschen Presse. Denn sie implizieren, bei uns könne so etwas nie passieren, und als seien die USA immer noch unser Freund.
  • Mathias Broeckers: Mit Bernie wär das nicht passiert :: Die Macht der Mainstreammedien ist unterminiert, die Brexit-Überaschung war keine Ausnahme sondern wird zur Regel. Dass die Großmedien auch noch den letzten Rest ihrer Pflicht zur objektiven Berichterstattung in die Tonne traten und notorisch Pro-Clinton und Anti-Trump berichteten, scheint kein Rezept Glaubwürdigkeit zurückzugewinnen. Die über Wochen gefahrene Kampagne, dass Russland die Wahlen mit Hackern manipuliert, wurde in ihrer Lachhaftigkeit so schnell durchschaut, dass die ideologische Holzhammerparole “Lugenpresse” in den US-Wortgebrauch einziehen konnte. Ob die Arroganz, mit der Clinton von Trump-Wählern als “Haufen von Erbärmlichen” sprach, jetzt heruntergefahren wird, bleibt ebenso abzuwarten wie das, was Trump von seinen großen Sprüchen im Wahlkampf als Präsident tatsächlich einlösen wird.
  • Der Spiegelfechter: Ein Trumpeltier als Präsident – alles halb so schlimm? :: Man weiß nach der Wahl eigentlich genauso wenig wie vor der Wahl. Die Versprechen von Trump reichen von komplett hanebüchen bis eigenwillig fantasievoll. Nur eines ist sicher: dieser Kerl ist gefährlich. Wir müssen nur noch rausfinden, wie gefährlich genau. Und das werden wir, ob wir wollen oder nicht.
  • LostinEU: Genau wie beim Brexit – hoch drei :: Mich erinnert das an die wilde Brexit-Nacht in London. Auch da hieß es bis zuletzt, das Remain-Camp liege vorn und habe schon so gut wie gewonnen. Die “Experten” haben sich getäuscht.
  • Makroskop: https://makroskop.eu/2016/11/the-great-pretender/ :: Die Wahl in den USA hat ein überraschendes Ergebnis erbracht. Doch das Muster ist altbekannt. Wieder gewinnt der „Populismus“ gegen das Establishment. Wenn die etablierten Parteien nicht bald verstehen, dass auch sie auf das Volk hören und auf seine Wünsche eingehen müssen, werden noch ganz andere Kaliber auf dem Ticket „Populismus“ gewinnen.
  • Makroskop: Trump ist die Quittung :: Nach dem traumatischen Wahlsieg Donald Trumps wächst auch jenseits des Atlantiks die Befürchtung, dass nun die Populisten, die Feinde des Verfassungsstaates, die Demokratie aushebeln könnten. Die Sorge ist wohlfeil.
  • tagesschau: „Die Kristallkugel hat einen Sprung“
  • DER SPIEGEL: Sieg des Zerstörers
  • heise: Trump-Sieg: Auf den Brexit folgt für Berlin der nächste politische Schock :: Nach dem Brexit wird für die Deutschen der nächste politische Alptraum Realität: Der neue US-Präsident heißt Donald Trump. Was kann Angela Merkel jetzt tun?
  • Cicero (2016-11-14): Die Bankrotterklärung eines ganzen Milieus
  • Nortbert Häring (2016-11-15): Trump – Ein geostrategischer Erklärungsversuch

More to come…

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Olivenernte

Dienstag, 01.11.2016, 14:39:57 :: Galanado

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Egoistisch. Anmaßend. Schädlich.

Montag, 31.10.2016, 15:05:57 :: Galanado

Roberto J. De Lapuente hat den folgenden Artikel in seinem Blog Ad Sinistram veröffentlicht und ich gebe ihn hier im vollen Wortumfang mit seiner Genehmigung wieder.

Wir leben ja zusehends in Zeiten der extremen Verdummung und Fehlleitung durch viele Presseorgane, insbesondere natürlich durch jene, die traditionell (noch) gelesen werden. Das war selbstverständlich schon immer so. Die Stimme der massgeblichen Presse ist die Stimme der Herrschenden, machen wir uns nichts vor. Der Beruf des Journalisten wird zusehends marginalisiert, wer überleben will, passt sich an und liefert nur noch das, was in den Redaktionen nicht aneckt beziehungsweise eben das, was als grosse Vorgabe verlangt wird. Wir müssen beim Lesen immer mehr darauf achten, was wozu veröffentlicht wird. »Wahrheit« oder wenigstens den Versuch, objektiv und ohne lenkende Hintergedanken zu berichten finden wir immer seltener.

Gedeihliche und erhellende Lektüre!

Das Leitmedium schlechthin, als das sich »Der Spiegel« weiterhin selbst einschätzt und schätzt, hat ein gravierendes Problem mit der Demokratie. Sagen wir mal so. Es berichtet viel von ihr und spielt sich als deren publikativer Retter auf. Das Nachrichtenmagazin tut dabei gerne so, als sei redaktionelle Arbeit immer auch rationale Arbeit im Sinne von: Die Demokratie gegen die massenhafte Unvernunft in Schutz nehmen. Daher überzieht man etwaige Spielräume eines gesunden Demokratieverständnisses mit Vorwürfen, man würde es hier mit Auswüchsen zu tun haben, die der Demokratie schaden würden. Letzte Woche musste man erst wieder eingreifen und etwas zum »Möchtegern-Asterix« der Wallonen veröffentlichen. Also zum Widerstand der belgischen Regionalregierung gegen Ceta ausschlachten, um ihn uns allen als »egoistisch, anmaßend und schädlich für die Demokratie« zu enttarnen.

Tut ein Parlament, wofür es gewählt ist, nämlich die Interessen der Bevölkerung wahren, dann nennt man das beim »Spiegel« nicht demokratisch – man nennt es egoistisch. Demokratie ist folglich wohl eine Egomanen-Tour. Man muss dieses Zitat mal ein klein wenig anders aufdröseln: Wenn der Regierungschef einer Region, die sich mehrheitlich gegen das Freihandelsabkommen ausspricht, nun beschließt, ebenfalls gegen dieses zu sein, dann ist es nicht unbedingt sein persönliches Ego, was Deutschlands Leitmedium da meint, sondern das Ego der Wallonen insgesamt. Das hat dann aber wirklich was Chauvinistisches, klingt so wie der »Rassismus der Deutschen« oder der »Stolz der Spanier«, ist also was unsagbar Dummes, weil Generalisierendes.

Ausgeübte Demokratie ist dem Blatt offenbar nachhaltig eine eklige Angelegenheit. Man denke nur an die Stimmungsmache, als eine Gewerkschaft ihr demokratisches Recht auf Streik ausübte und die Leitartikel dieselben Attribute verwendete. Egoistisch. Anmaßend. Schädlich. Und natürlich wäre das als eine Gefahr für die Demokratie anzusehen. Ein Gewerkschafter, der dergleichen veranlasse, der sei kein Demokrat mehr, sondern sei schon zur Despotie übergegangen und sei daher eine Gefahr für uns alle. Demokratische Aktionen sind demnach unvereinbar mit unserer freiheitlich-demokratischen Grundordnung.

Stets wenn jemand die Demokratie nicht als langweilige Abnickershow mit gewissen Ritualen verstehen will, sondern als spannenden Prozess, die Gesellschaft aktiv zu gestalten, setzt jemand einen »Spiegel«-Leitartikel in die Welt, der nur so trieft vor Mahnung und Bewusstmachung, wie fragil Demokratie doch ist, wenn man sie auch benutzt. Dann lehrt man uns »spiegel«-verkehrt, dass sie nur sicher ist, wenn man sie ruhen lässt. Wenn man nickt und durchwinkt, was Millionen von Bürgern in der Europäischen Union ablehnen, aber gewisse Wirtschaftskreise gerne hätten. Wenn man der Minderheit der Profiteure anstandslos weitere Liberalisierungen auf dem Arbeitsmarkt, im Sozialwesen und der Ökologie in Aussicht stellt, dann ist die Demokratie gerettet. Falls man jedoch der Mehrheit folgt, dann zündelte man mit dem Feuer.

Aus Texten dieser Couleur lassen sich dann meist noch ganz viele Schliche und Tricks herausfiltern, die die krude Tour unterstreichen. So zum Beispiel, dass man den Wallonen unterstellt, sie würden Europa blockieren und alle anderen behindern. Das liest sich so, als habe der Rest Europas Ceta zum Fressen gerne. Der Versuch eine Region gegen Europa auszuspielen, erinnert dann wieder an Weselsky, den man bei Bahnreisenden ausspielte, obwohl viele von denen sicherlich auch gerne Teil einer Gewerkschaft sein möchten, die ihnen höhere Bezüge erkämpft und nicht einknickt vor Drohungen aus der Wirtschaft. Die Winkelzüge dieser antidemokratischen Publikationen sind stets dieselben. Diese Retter der Demokratie müssen jedenfalls allerlei Manipulationen aufwenden, um sich selbst als solche stilisieren zu können.

Da wird doch mal die Frage erlaubt sein, was man in der Redaktion dieses Nachrichtenmagazins für Vorstellungen von Demokratie hat. Eine, wie sie mit dem Grundgesetz vereinbar ist? Mit dem Mehrheitsprinzip und den dortig garantierten Rechten von Gewerkschaften oder Parlamenten haben die allenfalls nichts zu tun. Und dann muss man ehrlich mal nachbohren und abermals fragen, weshalb man Magazine, die fortwährend so eine Aversion zu demokratischen Standards hegen und ihr Demokratiedefizit kultivieren, so ganz ohne Betreuung der Verfassungsorgane publizieren können. Die Leitartikler dort kann man doch nicht ohne Beobachtung lassen. Die gefährden uns alle. Sie sind egoistisch, anmaßend, schädlich. Sie sind kein »Spiegel«-Bild der Demokratie. Sie sind es der Eliten in Wirtschaft und Politik.

Nochmals: Hier steht der Originaltext

Nachtrag:

Dienstag, 01.11.2016, 14:21:55 :: Wenn ich mal an einem Thema bin, bohre ich ja gerne nach. Hier also ein paar »Ergebnisse«; die Liste wird sicher noch länger.

  • Feinsinn: Nestbeschmutzer des Monats: Stephan Hebel
  • Frankfurter Rundschau, Stephan Hebel: Zu Hause im Kalten Krieg
  • Social Europe: The Wallonian Mouse That Roared
  • Telepolis – Zitat von John Swinton im Jahre 1880 in Brainwashington D.C.
    „Bis zum heutigen Tag gibt es so etwas wie eine unabhängige Presse in der Weltgeschichte nicht. Sie wissen es und ich weiß es. Es gibt niemanden unter Ihnen, der es wagt, seine ehrliche Meinung zu schreiben, und wenn er es tut, weiß er im Voraus, dass sie nicht im Druck erscheint. Ich werde jede Woche dafür bezahlt, meine ehrliche Meinung aus der Zeitung herauszuhalten, bei der ich angestellt bin. Andere von Ihnen werden ähnlich bezahlt für ähnliche Dinge, und jeder von Ihnen, der so dumm wäre, seine ehrliche Meinung zu schreiben, stünde sofort auf der Straße und müsste sich nach einem neuen Job umsehen. Wenn ich meine ehrliche Meinung in einer Ausgabe meiner Zeitung veröffentlichen würde, wäre ich meine Stellung innerhalb von 24 Stunden los. Es ist das Geschäft der Journalisten, die Wahrheit zu zerstören, unumwunden zu lügen, zu pervertieren, zu verleumden, die Füße des Mammon zu lecken und das Land zu verkaufen für ihr tägliches Brot. Sie wissen es und ich weiß, was es für eine Verrücktheit ist, auf eine unabhängige Presse anzustoßen. Wir sind die Werkzeuge und Vasallen der reichen Männer hinter der Szene. Wir sind die Hampelmänner, sie ziehen die Strippen und wir tanzen. Unsere Talente, unser Fähigkeiten und unser ganzes Leben sind Eigentum anderer Menschen. Wir sind intellektuelle Prostituierte.“

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Reisen sind die Geburtshelfer von Gedanken

Alain de Botton, Kunst des Reisens

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* Rund Europa 2016 (3), 34. Tag: Kamera Vourla – Naxos

Samstag, 24.09.2016, 23:59:59 :: Galanado, Naxos
Dienstag, 27.09.2016, 16:04:32 :: Galanado

Um Mitternacht waren wir wieder zuhause. Im Nachhinein ist es wieder ein Wunder. Wir sind heil, das Senfle ist heil. Nach knapp 19.000 reinen Auto-Kilometern, neuen Reifen in Litauen, zwei zusätzlichen Litern Motoröl und einer Ersatzbatterie in der Ukraine, weil ich mal wieder die Zündung über Nacht angelassen hatte…

Hier die gesamte dritte Etappe:

Und wer’s gerne bunt und komplett hat…

Der letzte Tag bestand aus dröger Autobahn, grässlichem Grosstadtverkehr und Warten im Hafencafé. Alles nichts Erhabenes.

Das heisst, ich muss mich korrigieren: Wir hatten ein schmackhaftes, umfängliches und gänzlich umgriechisches Frühstück, serviert von der stets strahlenden Besitzerin. Dass wir die einzigen Gäste sind, hatte ich das schon erwähnt?

Morgenstimmung mit Blick hinüber nach Euböa

Wir merken es uns an: Nachhause ist jetzt alles. Als wir vor Fahrkartenbüro und Hafencafé landen und im Rücken die Naxos liegen sehen, ist es wirklich geschafft.

Das Boot geht pünktlich, es waren wohl Streiks gewesen in den letzten Tagen. Und kurz vor Mitternacht rollen wir dann in Naxos auf die Mole.

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* Rund Europa 2016 (3), 33. Tag: Agiannis – Kamena Vourla

Freitag, 23.09.2016, 17:20:34 :: Kamena Vourla, Hotel Akropol

Pannen am Morgen

Es ist Ende der Saison, das wissen wir. Und das verstehen wir auch. Ich trabe noch schlaftrunken zum Schwimmbecken um – rechtzeitig! – festzustellen, dass das Wasser schon abgelassen ist. Ok.

Dass wir dann aber fast zwei Stunden vor dem verschlossenen Restaurant sitzen müssen, das ist nun wirklich doof. Nikos hat den Reisepass von Lis, wir haben noch nicht bezahlt und kein Frühstück… Dass wir den restlichen Choriatiki von gestern Abend im Kühlschrank konserviert haben, ist nur ein lauer Ersatz für Kaffee und frisches Brot.

Die anderen Gäste im Hotelbau, fast alles Bulgaren, schlafen noch, die Dauercamper sowieso. Wir verstehen, dass ausser uns niemand den Wirt braucht, morgens um Acht.

Schliesslich schreiben wir einen Zettel, wo er anrufen soll in Naxos und hängen den mit Schlüssel an die Türe.

In dem Moment, wo wir einsteigen und losfahren wollen, kommt Nikos angefahren – geknickt und fast untröstlich. Wir zahlen, Lis sackt ihren Pass ein und los geht’s.

Irgendwie wollen wir nach Hause

Nach Sightseeing ist uns nicht mehr zu Mute auf dieser Strecke. Die Autobahn soll uns so schnell wie möglich zu unserem Letzten Etappenpunkt vor Piräus bringen. Dabei gäbe es so manches, einiges davon kennen wir: Die Meteorklöster, die Thermopylen

Aber so einfach ist das nicht mit »einfach Durchblättern«. Und obendrein präsentiert sich heute Morgen der Olymp zum ersten mal ohne Wolken für uns.

Und die eine oder andere Schlucht gibt’s dann doch zu bewundern, den ersten Blick auf’s Meer, auf die Bucht von Volos und später den auf den Golf von Euböa; leider alles im Dunst.

Ja, und dann eben die diversen Baustellen und Umleitungen, dazwischen Mautstellen in grosser Zahl. Fast zwanzig Euro lassen wir da in Kleckerbeträgen.

Aber dann sind wir da.

Kamena Vourla

Ees ist ein kleiner Touristenort gegenüber der Nordspitze von Euböa und schon im Golf von Euböa, ein Ferienort vor allem für Griechen.

Euböa hat übrigens was, was sonst niemand hat:

Die Insel ist über zwei Brücken mit dem Festland verbunden; eine davon überbrückt die mit nur 40 Metern schmalste Meerenge der Welt.

Quelle: Wikipedia

Nebenbei und der Vollständigkeit halber: Die andere, eine Hängebrücke, überspannt 170 Meter Meerenge.

Kamena Vourla, das ist Meer, Restaurant- und Cafézeile, Strasse, Hotels und Kneipen. Aber jetzt, Ende September, ist es der Ort auch für uns wert, dass wir hier absteigen, es ist sozusagen das Sprungbrett nach Athen und Piräus morgen früh. Wir überlegen beim ersten Schmaus: Es ist ebenfalls das vierte Mal, dass wir hier absteigen.

Die Fähre geht morgen um 17.25 Uhr (wenn sie geht!), also bleibt genügend Zeit für die restlichen 182 Kilometer. Dort werden wir Ioanna treffen, die mit derselben Fähre nachhause fährt. Also werden wir Gesellschaft habe und Zeit, zu erzählen, was so die letzten sechs Monate passiert ist – auf unserer Reise und auf Naxos.

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* Rund Europa 2016 (3), 30. – 31. Tag: Kazanlak – Goze Deltschev

Dienstag, 20.09.2016, 22:05:33 :: Goze Deltschev (Goce Delcev), Hotel Baroto
Mittwoch, 21.09.2016, 15:34:47 :: Goze Deltschev (Goce Delcev)

Nur noch zwanzig Kilometer trennen uns von Griechenland – Der Kreis beginnt sich zu schliessen.

Wir sind also wieder hier gelandet, im letzen grösseren Ort vor der Grenze nach Griechenland. Es scheint da einen Vier-Jahres-Rhythmus zu geben: 2008 waren wir hier eher zufällig nach einer mehr als abenteuerlichen Tour nach Kovachevitsa (englisch und französisch) gelandet und fanden es hier so schön, dass wir das Hotel 2012 gleich direkt wieder angesteuert haben.

Und dieses Jahr war es keine Frage, dass wir wieder hier vorbei schauen würden – zu schön ist es, als einige Gäste das Haus zu bewohnen und das Schwimmbecken zu nutzen. Obwohl: es ist seit gestern ziemlich kühl geworden, Wolken ziehen aus dem Westen auf und bringen den einen oder anderen Tropfen Regen.

Morgen in Kazanlak

Ok., aber beginnen wir vielleicht doch besser am Morgen in Kazanlak, wo wir bei einem deftigen Frühstück auf der Terrasse direkt am Rande des zentralen Platzes der Stadt kauend und beobachtend feststellen, dass wir offenbar Griechenland näher rücken: Das Leben auf den Strassen und Plätzen, das miteinander Essen und Diskutieren rund um uns her, es hat einen völlig anderen Charakter als an den Tagen vorher. Es wird endlich lockerer…

Lis macht einen Rundgang über den Platz, wo auf Schautafeln die nationale Selbstdarstellung und Aufarbeitung dargestellt ist.

Es ist nicht leicht – trotz englischer Texte – zu erkennen, was nationale Selbstverherrlichung und was Aufarbeitung einer bombastischen kommunistischen Vergangenheit und was nationaler Stolz auf den Freiheitskampf im 19. Jahrhundert ist. Wir passierten gestern ja das Balkangebirge über den Schipka-Pass, wo wir von Monumenten der bulgarischen Eigensicht schier erschlagen wurden. Hier nun auf dem Platz wird einiges darüber klarer.

Mir wir jedenfalls klar, dass – wenn diese Sicht common sense ist, es schwierig ist für Bulgarien, sich in eine EU einzugliedern, die einem Verfahrens- und Verhaltensweisen vorschreibt; zu lange waren sie unter osmanischer und dann sog. kommunistischer Herrschaft davon betroffen, nicht frei entscheiden zu können. Und das gilt ganz bestimmt für alle Länder Ost- und Südosteuropas – auch für Griechenland, das seit seiner Befreiung immer von aussen gesteuert wurde, bis heute. Ein Gutteil der Schwierigkeiten des Integrationsprozesses dieser Länder mag davon rühren – endlich frei und jetzt schon wieder anpassen?

Auf in die Rhodopen

Den weiteren Weg nach Süden versperren die letzten Reste des Balkangebirges und nach langer und langweiliger Fahrt durch die bulgarische Tiefebene die letzte Barriere, die Rhodopen.

Wir haben uns vorgenommen, heute die Strecke zu fahren, die uns vor vier Jahren wegen völliger Sperrung des Passes verwehrt worden war; wir mussten umkehren und ein grosse Schleifen fahren um ans Ziel zu gelangen. Unser Navi beharrt darauf, dass die Passage diesmal gelingen sollte.

Pasardschik

Und so ist es: Wir folgen kurz nach Pasardschik auf hervorragender Strasse der Schmalspurbahn hinein in die Rhodopen, wo die Passtrasse auf über 1.400 Meter ansteigt.

Tagesprofil

Nur einmal werden wir durch Gleisverlegungsarbeiten für zwanzig Minuten aufgehalten.

Ansonsten geniessen wir die geruhsame Fahrt durch das enge Flusstal mit dem rauschen Flüsschen, den Wäldern, die teilweise schon herbstliche Färbung zeigen, den Felsen und Felsnadeln und später die Fahrt über die Hochebene mit den ersten Moscheen und orthodoxen Kirchlein, die schon sehr an die nordgriechischen erinnern.

Es erstaunt uns immer wieder aufs Neue, wenn wir das langsame Ineinanderfliessen der Kulturen so vor Augen geführt bekommen, meist über Tage – so wie auf der Fahrt von Reni nach Rasgrad (Bericht steht noch aus…) vor wenigen Tagen, aber auch wie hier im Süden von Bulgarien innerhalb von Stunden: Kleine Dörfer mit gleich zwei Moscheen, Dörfer mit dem Neubau einer orthodoxen Kirche, der Wechsel von osmanischer, Wiedergeburts- und griechischer Baukultur.

Und dann der Rohbau in…

…Goze Deltschev

Und heute Morgen dann die Fahrt in das Städtchen, kümmerlich, aber belebt, zweisprachig, südländisches, ja griechisches Flair: Eine Verwandlung über nicht einmal hundert Kilometer.

Und morgen geht es dann weiter Richtung Thessaloniki, Thermopylen und Piräus…

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