RundEuropa 2019, 1. Tag: Naxos – Aitoliko

Dienstag, 16.04.2019, 23:04:54 :: Aitoliko, Hotel Alexandra

Es fängt ja alles nicht so gut an. In der Nacht von Montag auf Dienstag brennt in Paris Notre Dame ab.

» Rhein-Zeitung

Notre-Dame in Flammen – Macron verspricht Wiederaufbau

16.04.2019, 05:52

Paris (dpa). Nach dem schweren Brand in der Pariser Kathedrale von Notre-Dame will Frankreich das berühmte Wahrzeichen wieder instandsetzen. „Wir werden Notre-Dame wieder aufbauen“, sagte Staatschef Emmanuel Macron. Das Feuer verwüstete den Sakralbau, der Dachstuhl stand lichterloh in Flammen. Am frühen Morgen erklärte die Feuerwehr den Brand für „unter Kontrolle und teilweise gelöscht“, wie die französischen Medien berichteten. Die Pariser Staatsanwaltschaft ermittelt, bislang wird dabei die Spur eines Unfalls verfolgt. Das Feuer sorgte weltweit für Entsetzen.

Zudem haben wir wegen der Wetterlage den Abreisetag extra von Montag auf Dienstag verschoben. Ab da sollte es hier und in Aitoliko wolken- und vor alle regenfrei sein.

Wir verlassen Galanado und die Insel allerdings bei Gedonner und Regen, die Wettervorhersage hat mal wieder völlig versagt.

Auch die Überfahrt ist – besonders vor der Passage zwischen Kea und Kithnos, wo der Wind so richtig ungebremst durchpfeifen kann – sehr ruppig, ich spüre zum ersten Mal auf einem Schiff meinen Magen.

Piräus allerdings empfängt uns dann mit Sonnenschein.

Die Fahrt über die Autobahn nach Rio und dann nach Aitoliko verläuft glatt, ist aber teuer (26 € Maut), dafür aber mit sehr wenig Verkehr.

Von der Autobahn wissen wir ja seit letztem Jahr, dass sie fertig ist. Ansonsten lässt sich von ihr nichts wirklich Spannendes berichten: Rechts immer der Golf von Korinthen …

Andererseits erleben wir das Ergebnis des weiteren Ausbaus der Autobahn nach Messolongi und weiter Richtung Arta: Die seither von uns genutzten schmalen Strassen finden wir nicht mehr …

Bei der Überfahrt von Rio nach Andirio bewundern wir allerdings wieder diese filigrane Brücke hinüber aufs Festland.

Und dann lagern bei Messolongi neben der Strasse auf mehreren Kilometern seltsame Teile.

Erst, als wir schon fast vorbei sind, wird uns klar: Das sind die Einzelteile für neue Windkraftanlagen; die Berge recht von uns bieten sich in der Tat an.

Aitoliko

Im Hotel Alexandra haben unsere Freunde uns schon angemeldet. Leider können sie nicht mit uns zu Abend essen, da sie in Messolongi zur Physiotherapie sind, wie sich am nächsten Morgen herausstellt.

Zunächst geniessen wir den Sonnenuntergang vor dem Hotel bei einem – richtig! – Cappuccino …

… und gehen dann alleine essen, hungrig wie wir sind und speisen hervorragend. Dabei lernen wir zum ersten Mal einen neuen Trick zum Steuersparen kennen: Auf dem Essensbon erscheinen nur 12€ für Wein und Vorspeisen. Es scheint jetzt wohl Usus, nur noch die Hälfte zu bonieren, der Rest ist steuerfrei. Jedenfalls passiert uns das an den Folgetagen noch mehrmals.

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Links:

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Wir starten am 16. April

Sonntag, 14.04.2019, 11:12:06 :: Galanado

Es ist entschieden: Wir fahren am Dienstag, 16. April mit dem Morgenschiff und werden abends in Etoliko sein, wie schon vielfach gelobt: Ein überaus interessante kleine Stadt, von wo aus wir dann nach Ioannina und Zitsa weiterreisen. Ioannina wollen wir uns diesmal genauer ansehen und in Zitsa freuen wir uns auf unsere Freunde Anna und Kostas.

Das Wetter scheint sich beruhigt zu haben, Regen ist nicht mehr zu erwarten, zumindest in den nächsten Tagen nicht.

Es geht dann weiter nach Albanien, wo wir endlich Jörg Dauscher treffen und persönlich kennenlernen werden.

Ach ja …

… ausgerechnet vor knapp zwei Wochen hat die Miezi noch Junge geworfen – drei davon gedeihen prächtig.

Bis dann!

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Wir rutschen in Richtung Krieg

Montag, 08.04.2019, 22:48:25 :: Galanado
Dier Artikel stammt aus den Nachdenkseiten vom 08. April 2019 um 14:51
Es ist so unfassbar, was gerade in immer schärferer Form geschieht, das sich die Haare zu raufen nicht mehr ausreicht. Wir müssen handeln! Ist denn nicht klar, worauf das alles hinsteuert, wo der Kriegsschauplatz sein würde?


Albrecht Müller

In den letzten Tagen gab es dafür zwei bezeichnende Ereignisse: ein unerträglicher Spiegel-Titel, der offensichtlich zum Zwecke des Feindbildaufbaus gegen Russland geschrieben worden ist. Siehe hier. Putin steuere die AfD , also der Böse (Putin) fördert das Böse (AfD) schlechthin, so die Botschaft. So etwas lasen wir früher bei „Bild“ oder der „Welt“ oder im „Bayernkurier“. – Die Spiegel-Redaktion würde einen derart hetzerischen Artikel nicht schreiben, wenn sie nicht wüsste, dass ihre Leser mehrheitlich so etwas glauben und weitersagen. So ist es wohl. Das kritische Bürgertum ist verschwunden, hat keinen Biss mehr und keinen Mut mehr, kritisch zu hinterfragen. Das zweite Medienereignis: am vergangenen Donnerstag kündigte Claus Kleber im Heute Journal an, die Russen seien in Estland einmarschiert und die NATO greife ein. Siehe hier. Es gab ein paar böse Kommentare beim ZDF. Kleber und das ZDF können sich aber darauf verlassen, dass die kritischen Medien umgedreht und das kritische Bürgertum geschrumpft ist. Auch die NachDenkSeiten bekommen zu spüren, dass manche Leser eine allzu kritische Gangart nicht mehr schätzen. Darüber haben wir gelegentlich schon einmal berichtet. Der NachDenkSeiten-Leser H. Sauer hat die Lage am 5.4. in acht Zeilen zusammengefasst.

„Ich bin jetzt 80 Jahre alt. Mein großes Interesse gilt dem Frieden. Da ich als Kind den Krieg in Hamburg miterlebt habe, ist dies mir besonders wichtig. Mein Vater, der eingezogen wurde, ist in Russland verschollen. Es ist mir wichtiger als Klima usw. Besonders bedauerlich finde ich, dass alle meine Freunde, welche durch Tagesschau und Abendblatt aber besonders durch Spiegel und Süddeutsche und Taz blind gemacht werden, über mich nur noch spotten, wenn ich Nachdenkseiten nur erwähne. Dabei waren sie vor 50 Jahren 1981 in Bonn … H Sauer“

Häufig mache ich leider die gleiche Erfahrung. Auch Menschen, die hochintelligent und prinzipiell kritisch sind und nachdenklich, gehen zunehmend der Feindbildpropaganda auf den Leim. Oder sie sind einfach müde geworden und in ihrem Milieu ist man auch müde geworden oder steht unter Einfluss der massiven Propaganda. Das ist, wie im Interview mit Ulrich Teusch besprochen, der Propagandakrieg vor dem Krieg.

Der letzte zitierte Satz von H. Sauer enthält einen Hinweis auf die Demonstration im Bonner Hofgarten im Jahre 1981. Damals, am 10. Oktober 1981, demonstrierten dort etwa 300.000 Menschen. Sie demonstrierten unter dem Motto „Gegen die atomare Bedrohung gemeinsam vorgehen“ und damit gegen den NATO-Doppelbeschluss. Wenn heute zu einer Friedensdemo 2000 Leute kommen oder auch mal 10.000, dann muss man froh sein. Wo sind die Alten vom Hofgarten geblieben? Wo sind die Jungen geblieben? Warum demonstrieren so wenige gegen die Steuerung des Drohneneinsatzes über die US-Basis Ramstein? Warum nicht gegen die viel massivere Aufrüstung als 1981 geplant? Warum nicht gegen Kleber und die bombastischen Geburtstagfeiern der NATO? Warum nicht gegen Ursula von der Leyen und ihre maßlosen Ansprüche für immer mehr Geld für die Bundeswehr?

Mit den ehedem einigermaßen kritischen Medien sind auch ihre ehedem kritischen Leserinnen und Leser gewendet worden

Die Veränderung ehedem einigermaßen kritischer Medien wie Frankfurter Rundschau, taz, Süddeutsche Zeitung, Spiegel, Die Zeit, ARTE, Panorama, etc. wurde in kleinen Schritten vollzogen, offensichtlich so klein und unauffällig, dass die meisten Leserinnen und Leser die grundlegende Veränderung nicht gemerkt haben; oder sie wollen die Veränderung nicht wahrhaben und sind deshalb den gewendeten Medien treu geblieben. So wie H. Sauer werden auch andere Leserinnen und Leser der NachDenkSeiten in ihrem Umfeld eine ähnliche Erfahrungen machen.

Die Grünen haben als begleitender Katalysator gedient

Sie haben mit Joschka Fischer an der Spitze die Abkehr von der unbestechlichen Verpflichtung zu friedlichen Lösungen mit angeführt und mit betrieben. Symbolisch steht ein Name für diese Veränderung: Heinrich Böll. Er hat noch gegen die Nachrüstung demonstriert. Er hat 1981 im Bonner Hofgarten eine Rede gehalten. Aber dann wurde der Name des inzwischen Verstorbenen zum Namensgeber der Heinrich-Böll-Stiftung, der Stiftung der Grünen gemacht. Und in eklatantem Missbrauch dieses guten Namens wurde die Heinrich-Böll-Stiftung dann unentwegt benutzt, um militärische Interventionen „menschenrechtlich“ heilig zu sprechen und beim Feindbildaufbau mitzumachen – von der Ukraine bis nach Syrien.

Dies alles zusammen hat kombiniert mit einer langfristig und klug geplanten Propaganda dazu geführt, dass es Widerstand gegen den heißen Krieg bei diesen Eliten kaum mehr gibt. Und wie lange beim Volk dafür noch eine Mehrheit besteht, ist höchst fraglich.

Gerade eben macht ein Leser der NachDenkSeiten in einer Mail darauf aufmerksam, dass die Agitation zum Feindbild-Aufbau morgen bei ARTE weitergeht. Er schreibt:

„Ich mache Sie auf eine dreiteilige anti-russische Propaganda-Serie am morgigen Abend zur Prime-Time auf ARTE aufmerksam (KGB – Schild und Schwert, 20.15 Uhr bis 22.55 Uhr). Die Serie wird im ARTE-Magazin (Axel Springer-Verlag) auf vier Seiten reißerisch angekündigt.“

Links:

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Vor 20 Jahren: Bruch des Völkerrechts in Serbien

Montag, 01.04.2019, 17:48:57 :: Galanado
Mittwoch, 10.04.2019, 17:28:23 :: Galanado (neue Links, in Arbeit)

Bombardierung der Stadt Novi Sad durch die NATO

Wikipedia, © Wolfgang Hunscher, Dortmund

2006 wollte ich auf dem Weg unserer »Rund Europa«-Tour entlang der Donau bis zur Mündung unbedingt nach Novi Sad. Ich wollte die Brücken sehen, besonders die ca. 500 Meter lange Freiheitsbrücke, die erst seit dem 11. Oktober 2005 wieder befahrbar war. Am 21. August 2006 kamen wir dort an und konnten auf ihr die Donau überqueren und vom Petrovaradiner Ufer im Süden der Stadt dieses Panorama bewundern.

2019

Dieses Jahr nun jährte sich dieser Angriff auf die Republik Serbien zum zwanzigsten Mal. Ich will nun gar nicht diskutieren. Ich halte diesen Angriff nach wie vor als das, als was es Gerhard Schröder selbst bezeichnet hat, einen Bruch des Völkerrechts.

im Rahmen des Kosovokrieges vom 24. März bis 10. Juni 1999 wurde neben anderen Städten (besonders natürlich Belgrad) Novi Sad sehr hart getroffen, alle Brücken versanken in der Donau.

Es lohnt, die folgenden Links zu verfolgen und die Artikel (nochmals) zu lesen. Es war der Sündenfall nicht nur Deutschlands, aber eben des Deutschlands, das eine Verteidigungsarmee in einen Angriffskrieg schickte, in dem neben konventioneller Waffen auch 10 – 40 Tonnen Uranmunition eingesetzt wurden, s.u. in den Links. Wir haben wissentlich und willentlich ein europäisches Land radioaktiv verseucht und vergiftet.

Links

Wikipedia :: Kosovokrieg

Wikipedia :: Operation Allies Force

NZZ, 21.2.2002 :: Die Donau in Serbien wird von Nato-Bomben geräumt

taz, 23. 3. 2009 :: Zehn Jahre Kosovokrieg: Völkerrecht gebrochen

Deutschlandfunk, 23.03.2009 :: Legitim aber nicht legal

Bundeszentrale für politische Bildung, 8.11.2017 :: Brücken der Erinnerung

Infosperber.ch, 31. März 2019 :: 20 Jahre Nato-Angriff auf Serbien: Örtlich gebombt

Telepolis ::

  1. „Testfall für die Rolle der NATO in Europa nach dem Ende des Kalten Kriegs“
  2. 1999: Der Holocaust als Rechtfertigung für einen Angriffskrieg
  3. Kosovo-Krieg: Türöffner für weltweites militärisches Eingreifen

9.3.2014, Minute 47:50 bei Phoenix Mediathek)

von 2007: Deadly Dust – Todesstaub von Frieder Wagner

Massenvernichtungswaffe Uranmunition? :: »Im Irakkrieg 1991 wurden etwa 320 Tonnen eingesetzt. Nach dem Kosovokrieg 1999 gaben die Alliierten zu, 10 Tonnen eingesetzt zu haben. Die Serben behaupten allerdings, dass es mindestens 40 Tonnen waren. Im Irakkrieg 2003 befürchten Experten, dass mindestens 2000 Tonnen eingesetzt wurden. Das britische Verteidigungsministerium hat nach dem Krieg 2003 zugegeben, dass beim Einsatz von 40 Tonnen abgereichertem Uran in bewohntem Gebiet mit etwa 500.000 Nachfolgetoten zu rechnen ist.«

Hervorragend: Über den langen und mühevollen Weg zum Völkerrecht, das wir wieder und wieder mit den Füssen treten.

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RundEuropa 2019: Bald geht es los

Sonntag, 17.03.2019, 11:40:49 :: Galanado

Karneval …

… ist vorüber, auch auf den Dörfern, wo wir uns teilweise herumgetrieben haben.


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Reiseplanung

Wir planen ab heute unsere Fahrt nach Deutschland, Ende April soll es losgehen. Das Senfle zeigt arge Altersschwächen, wir hoffen dennoch, dass es uns bis Anfang Mai sicher nach Deutschland bringen wird.

Die Reise wird über den Balkan gehen, Griechenland, Albanien – bisherige Mitreisende ahnen es schon. Unklar, ob wir über Italien und die Schweiz reisen oder über Österreich. Kommt auf die Osterreise-Prognosen an, die wir unterwegs genau studieren werden. Einen kleinen Vorgeschmack gibt es hier in einem Video; das war vor dreizehn Jahren …

Mai 2006: Unsere erste Reise nach und durch Albanien

Zunächst erwartet uns hier aber am 25. März der Nationalfeiertag zum Beginn der Revolution 1821. Ja, und der Fortgang des BREXIT und am 31. März Präsidentenwahlen in der Ukraine, die eventuell einen zweiten Fernsehkomiker ins europäische Politikgeschehen schwemmt.

Die Wasserreservoirs sind gefüllt …

… und die Meerwasserentsalzungsanlage am Hafen arbeitet auch, sehr lautstark zwar, aber ich denke, wenn im danebenliegenden Ocean Club mal die Lautsprecher wummern, dann hat das jetzt sehr störende Geräusch sein Ende gefunden.

Regen hatten wir also genug und so kann der touristische Sommer also kommen, voraussichtlich wird es noch doller als letztes Jahr, besonders, da die Türkei ja angekündigt hat, alle Touristen festzunehmen, die ihren Häschern im Internet aufgefallen sind. Und das zu schaffen ist nun wirklich kein Kunststück bei diesem Präsidenten und seinen Allmachtsallüren. Wer nur 14 Tage Aufenthalt geplant hat, sollte also lieber dort nicht aus dem Flieger steigen …

Links:

  • Hier gibt es Links auf weitere Fotoalben mit Reisebildern. Sie ist noch lange nicht vollständig – aber sie wächst. Zum Beispiel …

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Nach so vielen Jahren …

Sonntag, 20.01.2019, 18:59:46 :: Galanado

… sollte sich das eine oder andere ja erledigt haben. Hat es aber häufig (meist?) nicht.

So fand ich zum Beispiel heute das hier wieder:

Im Jahr 2015 wurden in den USA über 60 Prozent der Suizide mit Schusswaffen ausgeführt, während es bei Tötungsdelikten nur rund 36 Prozent waren. Schusswaffen sind die am häufigsten angewandte Methode, mit der Menschen ihrem Leben ein Ende setzen.
Während die Ursachen der Selbstmord-Epidemie in Amerika komplex und zahlreich sind, steht fest, dass eine Gruppe in der Statistik überproportional vertreten ist – die Kriegsveteranen.

Und ich frage mich die ganzen Jahre: Warum tun die das?

Weiter im Text: Ich fand auch einen Beitrag, der mittlerweile fast zehn Jahre alt ist, zum gleichen Thema. Es ist eine „Trauerrede“ von Georg Schramm aus der Sendung »Neues aus der Anstalt« vom 13.04.2010.

Also: Warum tun die das?

So, wie sich die Dinge momentan entwickeln, verheissen sie nichts Gutes. Es ist das alte Spiel, nur mit neuen Menschen. Ach ja, da kommt mir doch noch der Gedanke an ein Buch von Philip Roth, »Der menschliche Makel«.

Gedankenvolle Lektüre wünsche ich. Und: Dieser Blog wird auch älter, 14 Jahre dieses Jahr …

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Jahresbrief 2018

Sonntag, 16.12.2018, 22:03:59 :: Galanado

Der diesjährige Jahresbrief von Lis steht hier.

Nebenbei: Wer einen Blick (oder auch mehrere) weiter in die Vergangenheit werfen möchte, findet hier die Jahresbriefe der vergangenen Jahre. Wir finden’s immer wieder interessant …

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Immer Kredit, nie Substanz

Felix Martins Ideen- und Mediengeschichte des Geldes erklärt den sozialen Schmierstoff und seine Krisen : Rezension in Literaturkritik

Felix Martin: Geld, die wahre Geschichte. Über den blinden Fleck des Kapitalismus.

Übersetzt aus dem Englischen von Thorsten Schmidt.
Deutsche Verlags-Anstalt, München 2014.

380 Seiten, 22,99 EUR.
ISBN-13: 9783421045928

Des Pudels Kern ist die Frage der „Geldmenge“ (unter Berücksichtigung des Kurses der Währung gegenüber der Leitwährung). Die Geldmenge sollte normalerweise in etwa den geschaffenen Werten einer Volkswirtschaft entsprechen. Toxisch ist, wenn GELD als WARE gehandelt wird beziehungsweise damit spekuliert wird. Denn GELD arbeitet nicht; es sind die Menschen, die arbeiten und Werte beziehungsweise Güter schaffen und Leistungen erbringen.

Das Kernproblem ist, dass die Privatisierung der Notenbanken (FED, City of London …) zu sog. FIAT MONEY (=Geldschöpfung aus dem Nichts; also ohne Gegenleistung im Sinne von Waren und Leistungen) dazu führt, dass GELD als Waffe eingesetzt wird (Ukraine-Konflikt) beziehungsweise letztlich die Leistungen der Menschen gestohlen werden können, weil die Anerkennung, der Leitwährung (z.B. US-Dollar im Ölgeschäft) sogar mit „Flugzeugträgern“ oder „Regime-Change“ durchgesetzt wird und insofern als Mittel der Machtausübung und Ausbeutung fungiert.

Interessant ist, dass Ökonomen aufgrund der These, dass die Ökonomie „wertfrei“ hinsichtlich der Ethik beziehungsweise der Moral sein soll, sich nicht oder nur rudimentär mit den unübersehbaren Machtfragen auseinandersetzen. Indirekt wirkt GELD auf die Verteilung der Güter und Leistungen einer Volkswirtschaft, weil der Zins NIE anfänglich kreditiert wird, sondern aus den laufenden Wertschöpfungen finanziert/beglichen werden muss. Bei Wachstumsraten einer entwickelten Volkswirtschaft von jährlich etwa 2 % ist es bereits bei Kenntnis der Mathematik (exponentielle Funktionen) naheliegend, das Zinsen von deutlich mehr als 2 % direkt auf die „Verteilung“ der Wertschöpfung wirken müssen, so dass nach ca. 50 bis 60 Jahren der Schuldenberg, der sich durch Finanzierung von Zinsen erhöht, nicht mehr bezahlt werden kann, weil die tendenziell sinkende Massenkaufkraft (Umverteilung, Zinslasten muss der Verbraucher letztlich aufbringen bei sinkenden oder stagnierenden Löhnen und Gehältern) letztlich die Wirtschaft kollabieren lässt.

Das ist etwas verkürzt dargestellt das Geheimnis beziehungsweise das Dilemma des Geldes, was in wissenschaftlich scheinenden Veröffentlichungen von Ökonomen nur verklausuliert vorkommt. Die meisten Ökonomen hören nicht auf Ludwig Wittgenstein der einmal schrieb: Alles was man sagen kann, kann man klar sagen.

Die Lösung wäre, die Entstehung der Geldmengen in Anlehnung an die volkswirtschaftlichen Leistungen zu begrenzen, jede Spekulation zu untersagen und Börsengeschäfte stark einzuschränken. Weiterhin müsste es verboten werden, dass Privatbanken den Staat finanzieren. Der Irrsinn besteht darin, dass sich Privatbanken derzeit für 0,25 % Geld von der EZB in Milliardenhöhe besorgen (Geldschöpfung aus dem Nichts) und in der gleichen Sekunde das Geld an Staaten bis zu 8 % oder mehr ausleihen. Es ist leicht erkennbar, dass dadurch kein WERT (konkrete Güter und Leistungen) entstanden ist und letztlich der Steuerzahler den ZINS aufbringen muss (Kaufkraftverlust).

Anmerkungen von Eckhard Schulze

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Freiheit, Gleichheit, Schwesterlichkeit

Donnerstag, 15.11.2018, 15:38:10 :: Galanado

Dieser Text ist eine Rede, die am 12. November 2018 im Gorki von der Theaterkolumnistin  Mely Kiyak im Rahmen der Veranstaltung „Gleichberechtigung kommt noch.“ gehalten wurde.

Sie können sich vielleicht vorstellen, meine sehr verehrten Damen und Herren, wie gut es mir gefiel, dass die Sozialdemokratin Marie Juchasz, die als erste deutsche Frau am 19. Februar 1919 in der Weimarer Nationalversammlung eine Rede halten durfte, nicht im Leben daran dachte, sich für ihre Anwesenheit im Parlament bei irgendwem zu bedanken.

„Was diese Regierung getan hat“, sagte sie, „war eine Selbstverständlichkeit: sie hat den Frauen gegeben, was ihnen bis dahin zu Unrecht vorenthalten worden ist“.

Und sie kündigte an, dass man nicht gedenke, still dabei zu sitzen und unbeteiligt zu sein, denn „der politische Kampf, der immer bestehen bleiben wird“, würde sich von nun an in anderen Formen abspielen, denn man habe „es nicht mehr nötig, mit Versammlungen, mit Resolutionen, mit Eingaben um unser Recht zu kämpfen.“

Damit meinte sie, dass man nun an den richtigen Stellen saß, um politisch weitermachen zu können. Denn es besteht natürlich ein Unterschied darin, ob man für seine politische Mitbestimmung kämpft oder ob man politisch mitbestimmt. Das Wahlrecht war also die Voraussetzung dafür, an politischen Prozessen beteiligt zu sein, denn es gibt kein gesellschaftliches Anliegen, das nur das eine oder das andere Geschlecht betrifft.

Im Rückblick lässt sich belegen, dass die gesamte Sozialpolitik, das Schulwesen, der Mutterschutz, die Säuglings- und Kinderfürsorge, die Wohnungsfrage, die Volksgesundheit, die Jugendpflege, die Arbeitslosenfürsorge und so weiter. Politikfelder sind, die ohne die parlamentarische Arbeit der Frauen genauso wenig denkbar gewesen wäre, wie das zivilgesellschaftliche Engagement der Frauenbewegung, das im Grunde genommen bis heute anhält.

Das deutsche Frauenwahlrecht ist nun also 100 Jahre alt geworden und es stellt sich die Frage, warum wir daran erinnern und ob es eigentlich damit getan wäre, ein solches Jubiläum dafür zu nutzen, sich gegenseitig zu versichern, dass man im Prinzip auf dem richtigen Pfad sei und es nun gelte, ihn konsequent zu Ende zu gehen, indem man beispielsweise für noch mehr Frauenbeteiligung kämpft. So wie es beispielsweise die deutsche Justizministerin Katharina Barley angesichts dieses Jubiläums tat. Sie bemerkte nämlich, dass eklatant zu wenige Frauen im Bundestag säßen. Die Bundeskanzlerin Angela Merkel hielt heute genau nebenan, im Deutschen Historischen Museum, eine Rede, in der sie Geschlechtergerechtigkeit nicht nur in der Politik sondern auch in der Wirtschaft forderte. Sie haben beide faktisch Recht. Frauen sind unterrepräsentiert.

Trotzdem störte mich etwas an dieser Aussage. Mein Eindruck ist nämlich, dass einige Frauen denken, dass man die Frage der Gleichheit solitär am Beispiel der geschlechtlichen Parität diskutieren könne. Wenn ich ins Parlament schaue, bemerke ich nicht, dass dort zu wenige Frauen säßen, sondern zu wenige „alle“. Also zu wenige Repräsentanten der gesamten Bevölkerung, eingeschlossen die sozialen, religiösen, ethnischen und sexuellen Minderheiten. Zudem: war das Besondere an der ersten Weimarer Nationalversammlung doch nicht, dass dort nun auch Frauen saßen, sondern, dass die Bürger ihre Monarchie stürzten, weil sie sich als Bürger selber verwalten wollten und dazu zählten viele Bürgerbewegungen, etwa die Arbeiterschaft.

Wir können das Frauenwahlrecht gar nicht feiern ohne auch die politische Repräsentation der Arbeiter zu feiern, überhaupt all jener, die für eine gleichere Gesellschaft kämpften. Marie Juchasz war doch nicht nur Frauenrechtlerin, als die sie in den heutigen Tagen ständig zitiert wird, sie war als Handwerkerkind, Fabrikarbeiterin und Dienstmädchen eine Sozialreformerin. Nie hat sie sich ausschließlich für die Rechte der Frauen, aber immer für die Rechte der Unterprivilegierten interessiert, denn sie war Sozialdemokratin. Später gründete sie übrigens die Arbeiterwohlfahrt, die im kommenden Jahr ebenfalls 100jähriges Jubiläum feiert. Vieles von dem, was unser Leben heute fortschrittlich macht, ist eine Folge dieser Zeit. Wir können das Frauenwahlrecht und den Kampf dafür nicht als einzelnes Phänomen betrachten, sondern immer nur als eine Etappe auf dem Weg zur Parlamentarischen Demokratie, deren Grundgedanke immer die Repräsentation aller Bevölkerungsgruppen ist.

Mein nächster Punkt ist der: Wenn wir sagen, dass Frauen in Deutschland seit 100 Jahren wählen dürfen, dann erinnern wir uns sehr lückenhaft. Am 30. November 1918 trat in Deutschland das Reichswahlgesetz mit dem allgemeinen aktiven und passiven Wahlrecht für Frauen in Kraft. Am 19. Januar 1919 konnten also alle Frauen wählen und sich wählen lassen. 300 Frauen kandidierten. 37 von 423 Abgeordneten waren Frauen. Das Wahlverhalten übrigens ist sehr interessant. Die meisten weiblichen Abgeordneten waren in der SPD. Die meisten Wählerinnen gaben ihre Stimme aber den Konservativen.

Wie dem auch sei. 16 Jahre später, wurde dieses Wahlrecht für Frauen wieder abgeschafft. Zumindest für einige Frauen.

1935 trat nämlich das /Reichsbürgergesetz/ in Kraft. Dieses Gesetz unterteilte die deutsche Bevölkerung (also auch die Frauen) in /Reichsbürger/ und in /einfache Staatsangehörige/. Reichsbürger waren solche mit deutschem oder artverwandtem Blut, einfache Staatsangehörige waren „Angehörige rassefremden Volkstums“. Damit wurde eine Zwei-Klassen-Gesellschaft geschaffen: Die einen erhalten als Reichsbürger alle Rechte und die anderen sind Bürger mit geringeren Rechten.

Da Jüdinnen (und natürlich auch) Juden nicht „Reichsbürger“ sein konnten, wurden sie auf diese Weise politisch entrechtet, insbesondere war ihnen das Wahlrecht aberkannt und die Ausübung eines öffentlichen Amtes untersagt. Die Einführung des Frauenwahlrechts betrifft also nicht mehr die jüdischen Frauen (und die jüdischen Männer).

Für das Wahlrecht der Juden kämpften übrigens auch Autoren wie Ludwig Börne und Heinrich Heine. Nur vereinzelt gab es in der christlichen Mehrheitsgesellschaft im Vormärz Stimmen, die sich für eine vollständige Gleichstellung der Juden aussprachen. Die Emanzipation der Juden war ein langer Prozess, der sich seit der Aufklärung bis zur Einführung des Frauenwahlrechts auch schon fast 100 Jahre hingezogen hatte. Vertreter des Liberalismus, besonders aber die Konservativen versuchten das erbittert zu verhindern. Heinrich Heine und Ludwig Börne verstanden die Gleichstellung und Emanzipation der Juden als Teil der Gesamtemanzipation. Und da haben wir es wieder: Es geht immer um alle und nie um einzelne Gruppen. Es geht immer darum, gleiche Rechte für alle.

1935 also gibt es kein Wahlrecht mehr für Frauen. Jedenfalls nicht mehr für alle. Und die, die wählen durften, entschlossen sich die Juden auszuschließen. Diese Beschlüsse wurden auch mit den Stimmen der Frauen durchgesetzt.

Versetzt man sich in die damalige Zeit erschreckt man sich sehr. Sie erinnert auch deshalb an heute, weil es in der Geschichte offenbar so ist, dass auf jede erfolgreiche Etappe in der „Gesamtemanzipation“ eine reaktionäre Entwicklung folgt.

Und so lernen wir, dass sich aus der Einführung eines Rechtes niemals automatisch eine gleichberechtigte Gesellschaft entwickelt. Das Wahlrecht für Frauen war ein Schritt auf dem Weg zu einer freien und gleichen Gesellschaft. Und dieses Ziel ist immer noch nicht erreicht. Und damit kommen wir zu heute.

Denn in dieser Gesellschaft leben erneut Millionen von Frauen (und Männer), die vom wichtigsten Element einer Demokratie, nämlich dem Wahlrecht, das gekoppelt an das Staatsbürgerschaftsrecht ist, ausgeschlossen sind.

Es gibt in Deutschland kein allgemeines Wahlrecht für Frauen. Millionen Menschen leben in diesem Land – manche von ihnen seit über einem halben Jahrhundert – die nicht wählen dürfen und deshalb keine gleichberechtigten Bürger sind. Mindestens die Hälfte davon sind Frauen.

Und das ist der Schönheitsfehler, nicht nur, wenn wir von 100 Jahren Frauenwahlrecht sprechen, sondern auch, wenn wir beispielsweise die Demokratie nach Gründung der Bundesrepublik als einen abgeschlossenen Prozess betrachten. Freiheit und Gleichheit in Deutschland sind im Grunde genommen ein Märchen. 100 Jahre Frauenwahlrecht sind und waren immer nur einer bestimmten Gruppe von Frauen vorbehalten. Wir können immer nur sagen, vor 100 Jahren wurde dieses Recht eingeführt und dann aufzählen, wer alles davon nicht profitierte.

In Zahlen sind das acht Millionen Menschen, die volljährig sind und kein Wahlrecht haben. Wie beispielsweise die ehemaligen Gastarbeiter aus der Türkei. So genannte Drittstaatsangehörige, die seit 60 Jahren hier leben. Sie werden sterben ohne einmal in Deutschland gewählt haben zu können.

Sie bekamen Kinder, die auch wieder Kinder bekamen, gründeten im Vergleich zu Deutschen überproportional häufig Unternehmen, schufen Arbeitsplätze, waren Gewerkschaftsmitglieder oder Frauenrechtlerinnen. Es sind die Eltern derjenigen, die für Deutschland Fußball spielen, Filme drehen, Preise bekommen. Ihre Eltern haben dieses Land mit aufgebaut und sind aufgrund ihrer Zugehörigkeit keine Staatsangehörige. Ich weiß nicht einmal, ob man sie Bürger nennen kann. Was sind Menschen, die in einer Demokratie leben, von ihr verwaltet werden, aber nicht wählen dürfen? Staatsangehörige zweiter Klasse ohne Pass? Mitbewohner?

An dieser Stelle schreien immer die ersten auf und brüllen einem hasserfüllt entgegen, „sollen sie halt Deutsche werden!“ Ich kann diesen Einwand nicht mehr hören. Denn die, von denen ich spreche, können nicht Deutsche werden. Die Rentner unter ihnen leben überproportional häufig in Armut. Denn sie waren einfache Arbeiter mit geringem Einkommen. Lebt man unter einer gewissen Einkommensgrenze, erfüllt man die Voraussetzungen nicht, um die deutsche Staatsbürgerschaft zu erlangen. Wie immer, sind die Ärmsten unter ihnen die Frauen. Das ist nur eine von unendlich vielen Hürden, die nur dazu errichtet sind, dass sie nicht Deutsche werden können, damit sie kein Wahlrecht bekommen.

100 Jahre Frauenwahlrecht in Deutschland kann man nur feiern, wenn man die Jüdinnen von damals vergisst. Und die Türkinnen heute. Die Marokkanerin, die Tunesierin, die Libanesin, die Palästinenserin, diejenigen Frauen, die ab 1960 in dieses Land kamen und stimmlos blieben.

Deshalb muss Gleichheit das oberste Ziel heißen. Nicht Gleichheit zwischen Frauen und Männern. Nicht Gleichheit nur zwischen einigen Bevölkerungsgruppen sondern zwischen allen Bevölkerungsgruppen.

Glauben Sie nicht auch, dass die Parteienarithmetik über die Jahrzehnte anders wäre, wenn 8 Millionen zusätzliche Wählerinnen und Wähler zur Abstimmung gebeten werden würden? Oder das vielleicht das ganze Land anders debattieren würde, wenn die, über die man permanent spricht und verhandelt, auch mitstimmen dürften?

Und so erlaube ich mir bereits heute schon, davon zu träumen, dass die Flüchtlingsfrauen in Deutschland bald auch das Wahlrecht erlangen und dass es nur ein einziges Mal in der Geschichte nicht so ist, dass wir die Benachteiligten und Marginalisierten allein lassen, sondern an ihrer Seite stehen, um mit ihnen gemeinsam dafür einzustehen, dass die parlamentarische Demokratie um ihre Stimmen ergänzt wird.

Gleichberechtigung, meine sehr verehrten Damen und Herren, bedeutet nicht nur geografisch am gleichen Ort zu leben, sondern auch politisch. Es kann das eine ohne das andere nicht geben. Wo es kein Wahlrecht für alle gibt, gibt es keine Freiheit. ______________________________________________________________

Dieser Text ist eine Rede, die am 12. November 2018 im Gorki von der Theaterkolumnistin/ /Mely Kiyak im Rahmen der Veranstaltung „Gleichberechtigung kommt noch.“ gehalten wurde.

Freiheit, Gleichheit, Schwesterlichkeit von Mely Kiyak

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Alyko – Eine Ruine im Süden von Naxos seit fast einem halben Jahrhundert


Von wo es Bilder gibt

Die Halbinsel Alyko im Südwesten von Naxos wird neben dem berühmten Zedernwald von einer riesigen Ruine beherrscht, über die man gemeinhin wenig weiss.

Einem Bericht zufolge war der Plan von Anbeginn ein fake: Eine italienische »Firma« war nur daran interessiert, vor der Küste zu tauchen. Dort soll noch ein Flugzeug in ca. 70 m Tiefe liegen. Als der Betrug aufflog, verschwand die Firma und hinterliess eine Riesenbaustelle, die noch heute unter gewissen Gefahren zu durchwandern und zu bewundern ist.

Dies klingt unwahrscheinlich. Was lässt sich also im Internet finden beziehungsweise welche weiteren Erklärungen lassen sich sonst noch heranziehen? Hier mein derzeitiger Wissensstand, der sicher noch aufzubessern wäre:

I. Jahrbuch der Insel Naxos von 1970

ΑΛΥΚΟ – HOLIDAY INN […] υπό ανέγερση το 1970 στη Νάξο

Alyko (geplant, 1970)

Σε τουριστικό οδηγό της Νάξου του 1970 πληροφορούμαστε για δύο μεγάλες ξενοδοχειακές εγκαταστάσεις που βρισκόταν υπό κατασκευή στη Νάξο. Όπως γνωρίζουμε σήμερα καμιά από τις δύο δεν αίσιο αποτέλεσμα και τουλάχιστον για τη μία μας έμειναν τα καταπληκτικά ερείπια της …

Τουριστικό συγκρότημα ΑΛΥΚΟ – HOLIDAY INN

Στην γραφικότατη ακρογιαλιά του Αλυκού, 16 χιλιόμετρα από τη πόλη και το λιμάνι της Νάξου, η εταιρία ΕΞΕΤΑΜ ΝΑΞΟΣ ΑΕ προχωρεί εντατικά στην ανοικοδόμηση του ξενοδοχείου ΑΛΥΚΟ HOLIDAY INN 400 κλινών, που θα είναι ένα από τα μεγαλύτερα και πολυτελέστερα της Μεσογείου.

Το κεντρικό οικοδόμημα περιλαμβάνει εστιατόριο, σνακ μπαρ, νυχτερινό κέντρο, αίθουσες συνεδρίων, εμπορικά και καταστήματα παροχής υπηρεσιών. Τα δωμάτια 45τ.μ. το καθένα, με χωριστή βεράντα, λουτρό, τηλέφωνο, ραδιόφωνο , επίπλωση ειδικά σχεδιασμένη, ανταποκρίνονται στην πιο προχωρημένη ξενοδοχειακή και τουριστική εμπειρία.

Στα σχέδια προβλέπονται: μεγάλη πισίνα, συμπληρωμένη με καμπίνες, ντους, μπαρ και ταράτσα ηλιοθεραπείας, καθώς και λιμανάκι για γιότ, κρις κράφτ και σκάφη ιστιοπλοΐας. Αξίζει να σημειωθεί πως η αρχιτεκτονική του συγκροτήματος ανταποκρίνεται στο κλασσικό μεσογειακό και ειδικά κυκλαδικό στιλ.

[…]

ΟΡΕΙΝΟΣ ΑΞΩΤΗΣ email: giorgos.manolas@yahoo.gr

Quelle: ΟΡΕΙΝΟΣ ΑΞΩΤΗΣ

Freie Google-Übersetzung:

Alyko – HOLIDAY INN […] im Bau im Jahr 1970 in Naxos

Das Naxos-Handbuch von 1970 informiert über zwei große im Bau befindliche Hotelanlagen in Naxos. Wie wir heute wissen, wurde keiner der beiden vollendet und zumindest von einem blieben bis heute erstaunliche Ruinen …

Ferienanlage Alyko – HOLIDAY INN

Am malerischen Strand von Alyko, 16 km von der Stadt und dem Hafen von Naxos, wird das Unternehmen EXETAM NAXOS SA einen Komplex mit 400 Betten bauen: Alyko Hotel HOLIDAY INN. Es wird eines der größten und luxuriösesten Anlagen im Mittelmeer sein.
[…]
Das Hauptgebäude verfügt über ein Restaurant, Snack-Bar, Diskothek, Konferenzräume, Händler- und Dienstleistungsbetriebe. Die Zimmer haben 45 m2, jeweils mit einer separaten Terrasse, Bad, Telefon, Radio, Möbeln, entsprechend modernster Hotel- und Tourismus-Erfahrung.

Den Plänen ist weiterhin zu entnehmen: Großes Schwimmbad, komplett mit Kabinen, Duschen, Bar und Sonnenterrasse und ein Hafen für Jachten, Sport- und Segelboote. Es ist erwähnenswert, dass die komplexe Architektur des klassischen Mittelmeers und vor allem der Stil der Kykladen regiert.

Quelle (übersetzt): ΟΡΕΙΝΟΣ ΑΞΩΤΗΣ

Ob die Firma EXETAM NAXOS SA mit dieser hier identisch ist, weiss ich nicht, es wäre aber plausibel – was ein schräges Licht auf den Stand der Korruptionsbekämfgung in Griechenland werfen würde.

II. Naxospress: Alyko, ein … Verbrechen verlangt nach Aufklärung

Eine detaillierte Schilderung findet sich in der Naxospress. Sie schildert die Verhältnisse und die bis heute ungelösten Probleme, die niedere bis höchste Gerichte in Griechenland beschäftigen.

Während der Griechischen Militärdiktatur 1967 bis 1974 wurde einer belgisch-griechischen Firma die wohl auch rechtlich fragwürdige Erlaubnis erteilt, zwei Hotels auf Naxos zu bauen, die beide nie vollendet wurden, denn mit dem Fall der Junta 1974 wurden die Projekte sofort gestoppt. Seit dieser Zeit sind eben bis heute viele Fragen ungeklärt, was u.a. dazu geführt hat, dass die Ruine von Alyko von Jahr zu Jahr mehr zerfällt und eine echte Gefahr beim Begehen einiger Gebäudeteile besteht, ohne dass irgendwelche Aktivitäten unternommen wurden, die Anlage zu sichern, abzureissen und einzuebnen oder eben fertigzustellen, was heute aber offensichtlich wohl nicht mehr möglich wäre.

Im Laufe der Jahre wurde der nahe Wachholderwald zum Ziel vieler Wassersportler und Camper, viele der Büsche und Bäume wurden ruiniert, obwohl lokale Umweltschützer mit Felsbrocken versuchten, die Zufahrten in die Dünen zu sperren. Allerdings waren viele der »Sportler« und Camperpiloten derart sportlich, die Sperren dadurch zu umfahren, dass sie viele Büsche einfach niederwalzten.

Die Ruine selbst wurde zum Ziel von unkonventionellen Urlaubern, die sich an den Wänden durch Kritzeleien, Gemälden und Grafittis ausdrückten und teilweise hierdurch ihre politischen und seelischen Qualen zum Ausdruck brachten.

III. Koronida-Blog

Eine weitere griechische Quelle ALYKO – DIE ÖKO-CHRONOLOGIE der Junta am 21. April 1967 IN NAXOS … (ΑΛΥΚΟ – ΤΟ ΟΙΚΟΛΟΓΙΚΟ ΕΓΚΛΗΜΑ ΤΗΣ ΧΟΥΝΤΑΣ της 21ης Απριλίου 1967 ΣΤΗ ΝΑΞΟ Η ΩΡΑ ΤΗΣ ΚΥΒΕΡΝΗΣΗΣ ΤΟΥ ΣΥΡΙΖΑ ΤΩΡΑ) vom 26.4.2015 findet sich im Koronida-Blog. Der sehr lange Beitrag beginnt so:

Mit der endgültigen Entscheidung 301/2004 des Aegean Court of Appeal wurde Alyko zum öffentlichen Waldgebiet erklärt. Der 41 Jahre lange Rechtsmarathon für Alyko (1946-2010) wurde endgültig mit der Entscheidung der Dritten Abteilung (Politische Entscheidungen) des Obersten Gerichtshofs von 1417/2010 abgeschlossen und er lehnte die von den Whistleblowern eingereichte Beschwerde (1.3.2006) gegen die Entscheidung des Aegean Court of Appeal ab. Leider sind die Beamten der Verwaltung und die Verwaltung der Kykladen und Naxos nicht …

Schon eine nur kurze und oberflächliche Googleübersetzung offenbart das völlige Versagen der Gerichte und Verwaltungen Athens und auf Naxos.

Links:

IV. Die Ruine als Leinwand

Eine ganz andere Qualität und eine aussergewöhnliche Note bekam die Ruine durch die verblüffenden Gemälde und Grafittis des Künstlers WD. Das Kürzel »WD« steht für Wild Drawing, einen Street Art-Künstler aus Bali/Indonesien, der derzeit in Athen lebt und arbeitet. Seine Arbeiten finden sich aber auch weltweit an Gebäuden grosser Städte – und eben auch seit einigen Jahren auf Naxos: in Alyko kommen jedes Jahr neue Werke dazu, die von Einheimischen und Touristen geschätzte Taverne Αξιώτισσα / Axiotissa (Facebook: Axiotissa) in Kastraki wurde dieses Jahr bizarr durch ihn verschönert…

…und die diesjährige Ausstellung im Pirgos Bazeo zeigte bis vor kurzem mehrere seiner bemerkenswerten Werke.

Quelle: Eigene Aufnahme im Pirgos Bazeo

Alyko ist heute ein Ziel vieler Urlauber, die von irgendwoher die Information bekommen, dass sich ein Besuch lohnt. So ist Alyko also zum Freiluftmuseum avanciert.

V. Eine Miniaturausgabe …

… der Ruine in Alyko findet sich übrigens auch auf dem Hügel am Strand von Agios Georgios am Strand der Chora. Das Café, das die ganze Hügelspitze einnimmt, wird nach einer Saison geschlossen und bröselt so seit Jahrzehnten vor sich hin – einer Inselhauptstadt mit dieser stolzen Altstadt wirklich nicht würdig.


Bildergalerie


Alle Bilder gibt es hier
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Nachtrag: Für weitergehende erhellende Informationen bin ich dankbar (reinard@me.com).

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