Russland, zieh´ Dich warm an, die Grünen kommen!

Freitag, 17.11.2017, 15:03:41 :: Galanado

Diesen Artikel der Grünen Marieluise Beck auf der Webseite ihres frisch gegründeten Thinktanks muss man sich zumuten. Unbedingt. Sie fragt dort »Wie soll Europa mit Russland umgehen?«. Schon diese Anmassung im Titel muss neugierig machen.

Jens Berger hat auf den Nachdenkseiten darauf eine saubere Replik abgeliefert, die nicht nur inhaltlich wichtig sondern auch sprachlich eine Meisterleistung ist.

***

Mit freundlicher Genehmigung des Autors und der Nachdenkseiten

Moderne Pickelhauben und liberale Denkhaubitzen – Russland, zieh´ Dich warm an, die Grünen kommen!


Veröffentlicht in: Außen- und Sicherheitspolitik, Grüne, Lobbyorganisationen und interessengebundene Wissenschaft, Strategien der Meinungsmache

Das Klischee will es ja, dass man mit säbelrasselnden Pickelhauben eher das reaktionäre Bürgertum verbindet. Und da ist ja auch ein Stück Wahrheit dran. Früher waren es vor allem die alten korporierten Herren, die mit Schmiss im Gesicht und Schiss im Hirn den Osten heim ins Reich holen und den Russen am deutschen Wesen genesen lassen wollten. Doch diese Zeiten sind vorbei. Die neuen Russenfresser bezeichnen sich als weltoffen, liberal und modern und entstammen dem fruchtbaren Schoß der politischen Linken, die sie heute mit schon fast religiösem Eifer bekämpfen. Ein herausragendes Exemplar der Gattung politisch korrekter Säbelrassler ist das Ehepaar Ralf Fücks und Marieluise Beck. Die beiden grünen Politrentner weigern sich standhaft, ihre üppigen Pensionen zu genießen. Stattdessen wollen sie die Welt mit ihrem neu gegründeten Think Tank „LibMod – Zentrum Liberale Moderne“ nach ihren Vorstellungen formen. Von Jens Berger.

Hätte man Ralf Fücks 1973 im Gefängnis erzählt, dass er 44 Jahre später für seinen unermüdlichen Einsatz, Kapitalismus und Freiheit nach amerikanischer Lesart weltweit auch mit militärischen Mitteln zu verbreiten, vom Springer-Verlag gefeiert wird, hätte der damalige „Rädelsführer“ Heidelberger Studenten, der sich später den Maoisten und viel später den Grünen anschließen sollte, wohl schallend gelacht. Auch die junge Marieluise Beck, die in den späten Siebzigern über die Anti-Atomkraft-Bewegung mit der Friedensbewegung und den Grünen in Kontakt kam, hätte damals sicher nie gedacht, dass ausgerechnet sie selbst im Alter nicht mehr für Völkerverständigung, sondern für die militärische Vorwärtsverteidigung westlicher Werte eintritt. Das Leben schreibt nun einmal die seltsamsten Geschichten.

Fücks ging diesen Sommer in Rente, nachdem er ganze zwanzig Jahre lang die den Grünen nahestehende Heinrich-Böll-Stiftung zu einer Vorfeldorganisation des Liberalismus amerikanischer Denkart und einem Lautsprecher transatlantischer Sicherheitspolitik gemacht hat. Fücks Gattin Marieluise Beck hatte sogar das Kunststück vollbracht, die ohnehin in Richtung NATO driftende olivgrüne Partei in Überschallgeschwindigkeit rechts zu überholen und sich im bürgerlich-liberalen Lager als NATO-Cheerleader auf dem Propagandafeldzug gen Osten zu positionieren. Das ging selbst der grünen Basis in ihrem Landesverband zu weit, der sie in diesem Jahr nicht mehr mit einem oberen Listenplatz für die Bundestagswahl beglückte und damit endlich in die keinesfalls wohlverdiente Rente schickte.

Doch so einfach wird man das Duo Infernale des transatlantischen Bürgertums nicht los. Um sich auch künftig „mutig“ im Namen der offenen Gesellschaft öffentlich ins Rampenlicht zu drängen, überließen Ralf und Marieluise das Entenfüttern, Schrebergärtnern und ZDF-Gucken anderen Politrentnern und gründeten zusammen mit einigen mal mehr, meist weniger bekannten Gleichgesinnten eine Denkfabrik. Dabei sind unter anderem Daimler-Chef-Lobbyist und Atlantik-Brücken-Vorstand Eckart von Klaeden, das schwergewichtige Talkshow-Inventar John Kornblum, die ehemalige Weltbankerin Maritta Rogalla von Bieberstein Koch-Weser, Timothy Snyder, der immerhin Putin und Auschwitz so wunderbar geistlos zu verbinden weiß und zahlreiche andere, meist ältere Personen aus dem Umfeld transatlantischer Denkfabriken und PR-Agenturen. Die Zusammensetzung ist ungefähr so überraschend wie der allmorgendliche Sonnenaufgang und jedes kritische Wort zu diesen intellektuellen Gulaschkanonen transatlantischer Einfalt wäre ein Wort zu viel.

Auch der Rest der Story ist in etwa so spannend wie die Frage, wer nächster deutscher Fußballmeister wird. Natürlich hat die neue Denkfabrik teure Büroräume im Zentrum von Berlin und natürlich weiß wieder einmal niemand, woher das Geld dafür eigentlich kommt. Natürlich betreibt man das erste Projekt, mit dem man über die Ukraine „aufklären“ will, zusammen mit und finanziert von einem Think Tank aus dem großen Denkfabrikenreich des George Soros. Natürlich sprach die Laudatio zur Gründung von LibMod niemand anders als Mr. Freiheit Joachim Gauck höchstpersönlich und die BILD erklärt auch gleich prominent, warum „Putin diese Denkfabrik fürchten muss“. Potztausend! Und auch die taz ist aus dem Häuschen und freut sich schon darauf, dass nun die „Putin-Freunde von RT Deutsch bis Nachdenkseiten“ sich „am neuen Think-Tank abarbeiten werden“. Zumindest dieses Mal, liebe taz, springen wir auch noch einmal über das Stöckchen, obgleich diese ganze Sache eigentlich gar nicht satisfaktionsfähig ist.

Fücks, Beck und Co. sollten doch eigentlich längst als olivgrüne Fair-Trade-Pickelhauben bekannt sein und für eine ernsthafte Debatte hat sich das russophobe Rentnerpärchen doch schon lange disqualifiziert. Aber klar, die taz wird sich sicherlich freuen, künftig noch mehr kostenlosen Content angeboten zu bekommen, der garantiert putinfrei ist und Spuren von linksliberaler Kuschelrhetorik enthält. Noch nie klang das Benedictio Armorum so nachhaltig. Russland, zieh Dich warm an – die Grünen kommen!



nach oben

Veröffentlicht unter D, Deutschland, Die Grünen, Politik, RUS, Russland | Verschlagwortet mit , , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

* Rund Europa 2017: Peloponnes (Mai & Oktober)

Freitag, 17.11.2017, 13:58:05 :: Galanado

So. In ein paar Tagen sind alle Beträge der diesjährigen Rundreisen im Kasten. Man kann also nachlesen.

Einzelheiten…

…gibt es hier.

Veröffentlicht unter GR, Griechenland, Kultur & Kunst, Kultur + Gesellschaft, Reisen, RundEuropa2017 | Verschlagwortet mit , | Hinterlasse einen Kommentar

Kriegsgefahr: Keine Gnade für die späte Geburt

Mittwoch, 08.11.2017, 12:33:00 :: Galanado

IMGiP4 06942


Quelle des Textes:Neulandrebellen :: Mit Genehmigung des Autors

Tom Wellbrock 8. November 2017

Die Frage, ob uns ein Krieg bevorsteht, wird von den meisten Menschen ausgeblendet. Das ist nachvollziehbar. Aber es ist auch fatal und extrem riskant, denn wir stehen an einer Schwelle, die alles, was wir aus dem Kalten Krieg kennen oder gelesen haben, in den Schatten stellt.

Russland bedroht uns. So wird es uns eingehämmert, immer und immer wieder. Und mit dieser Argumentation rüstet die NATO erneut auf. Um sich zu schützen, wie es heißt. Vor Russland, wie man hört. Also alles zur Verteidigung. Abgesehen davon, dass diese Sicht der Dinge auf einem komplett faktenlosen Boden steht, sollten wir unsere Sorge einer viel konkreteren Gefahr widmen: einem Angriffskrieg durch den Westen, angeführt durch einen US- Präsidenten, der nicht nur morgens keinen Schimmer hat, was er abends denkt, sondern darüber hinaus dazu neigt, seine Entscheidungen spontan zu treffen. Eine Angewohnheit, die für einen Präsidenten normalerweise undenkbar sein sollte. Dennoch unterscheidet sich Trump nicht großartig von seinen Vorgängern, die alle das gleiche Problem hatten wie er. Sie sehen, wie das Imperium USA seit Jahren immer schwächer wird, finanziell und wirtschaftlich. Russland könnte, zumindest gemeinsam mit China, zu einer Macht werden, die die USA in den Schatten stellt. Aber wer hoffen mag, dass dadurch etwas besser werden könnte, dürfte sich täuschen. Denn die USA werden das nicht zulassen, ohne im Zweifel alles mit sich in den Abgrund zu ziehen, einschließlich der eigenen Bevölkerung, von der Europas ganz zu schweigen.

Das Imperium auf schwachen Beinen

Imperien haben ein Zeitfenster, innerhalb dessen ihre Existenz besteht. Das Ende eines Imperiums markiert nicht etwa ein Knopfdruck (in diesem Fall allerdings könnte es anders sein), der die Sache ein für allemal erledigt. Stattdessen setzt es sich zur Wehr, mit allen ihnm zur Verfügung stehenden Mitteln, und erst recht, wenn es sich dabei um die USA handelt, die für sich in Anspruch nehmen, die einzig wahre Gesellschaftsform der Welt darzustellen, die eine legitime Berechtigung hat. Doch die USA schwächeln. Die Staatsverschuldung ist gigantisch, die innenpolitische Lage ist dauerhaft von Spannungen geprägt, die seit Jahrzehnten realisierte Expansion, oder besser: Einverleibung anderer Länder läuft nicht so, wie sich das die USA erhofft haben. Rüstung und Krieg zählen mittlerweile zu den wenigen lukrativen Aktivitäten der USA, und schon deshalb ist die Sorge vor einem Krieg nicht unrealistisch, sondern folgerichtig. Doch so richtig mag kaum jemand diese Gefahr erkennen. Das liegt unter anderem daran, dass heute viele Menschen selbst keinen Krieg erlebt haben, einmal abgesehen von den Berichten in Zeitungen, dem Fernsehen, Radio oder im Netz. Doch das alles wirkt abstrakt, weit weg, und wenn sich die Menschen vornehmlich darüber Gedanken machen, ob sie sich das neue iPhone kaufen oder lieber doch ein anderes Modell, kann die Lage so schlimm nun auch wieder nicht sein.

Aber das ist sie. Wir erleben erneut, wie die NATO sich weiter ausdehnt, unter fadenscheinigen Argumenten, die – bei Licht betrachtet – nicht haltbar sind. Wer wirklich glaubt, „der Russe“ hätte es auf uns abgesehen, würde Deutschland und/oder andere Länder in der Einflusssphäre der NATO überfallen wollen, der muss schon ein paar Substanzen eingeworfen haben, die die Wahrnehmung zwar erweitern, das aber ganz sicher nicht bereichernd tun.
Dieselben Substanzen müssen auch Politik und Medien eingeworfen haben, oder – und das ist realistischer – die Lügen haben Methode. Im Handelsblatt war am 7.11.2017 zu lesen:

Die NATO will mit einem weitreichenden Umbau ihrer Kommandostruktur auf die aggressive russische Politik reagieren. Generalsekretär Jens Stoltenberg erklärte, man strebe eine Modernisierung und neue Kommandozentren an.

„Aggressor“ Russland

Bemerkenswert an dieser Einleitung ist die Selbstverständlichkeit, mit der „aggressive russische Politik“ unterstellt wird. Damit einher geht das Grundgefühl der notwendigen Selbstverteidigung seitens der NATO. Immerhin, im weiteren Verlauf des kurzen Textes heißt es zwar, dass diese Aggressivität von der NATO nur als solche „wahrgenommen“ werde. Dennoch ist der allgemeine Tenor bei Medien und Politik, dass Russland „uns“ bedrohe und die NATO sich daher verteidigen müsse. Die Tatsache, dass die NATO sich seit Jahren Russland immer mehr nähert und ihrerseits eine Aggressivität an den Tag legt, die ihresgleichen sucht, fällt unter den Tisch, das würde die gedankliche Gesamtkonstruktion zu sehr stören.

Man muss nicht studieren oder halbe Bibliotheken durchforsten, um heraus zu bekommen, dass die USA weltweit in 156 Ländern Militärstützpunkte haben, Russland dagegen in nur 20. Auch die Militärausgaben der USA liegen mit 611 Milliarden Dollar erheblich über denen von Russland, das 69,2 Milliarden Dollar ausgibt. Und dabei sind die Militärausgaben der anderen westlichen Länder natürlich noch nicht mit eingerechnet.
Da liegt die Frage nahe: Wer bedroht hier eigentlich wen?

Der hier verlinkte, sehr lesenswerte Artikel auf den NachDenkSeiten von Brigitte Pick ist im Übrigen sehr ernüchternd, sogar erdrückend, und er zeichnet ein Bild, das über das sprichwörtliche „Säbelrasseln“ hinausgeht. Wir befinden uns schon heute an einem Punkt, der jeden Moment in einer tödlichen Explosion münden kann. Doch die
http://www.neulandrebellen.de/2017/11/kriegsgefahr-keine-gnade-fuer-die-spaete-geburt/ 08.11.17, 11=19 Seite 3 von 6

allgemeine Wahrnehmung ist gewissermaßen nicht „bereit“ für einen Krieg, nicht in der Verfassung, die Vorstellung konkret im Kopf wachsen zu lassen. Das ist nachvollziehbar, denn wer will sich schon damit beschäftigen, dass ein Krieg – der dann wahrscheinlich ein Atomkrieg sein wird – eine ernsthafte Bedrohung sein könnte? Niemand, der bei Verstand ist und sein Leben liebt. Oder, von der anderen Seite aus betrachtet: Jeder, der das Leben liebt, sollte sich mit dem Gedanken daran beschäftigen.
Hinzu kommt, dass wir Krieg nur aus der Berichterstattung kennen, er ist für uns so real wie ein Film oder ein Clip im Netz, den wir beiläufig sehen und kurz schockiert sind. Nichts, was uns wirklich bedrohen könnte. Und das ist das Problem. Die Schnelllebigkeit kommt erschwerend hinzu, täglich, ja, sogar stündlich werden neue Säue durchs Dorf getrieben, wir haben überhaupt keine Zeit, uns mit dem Gedanken an einen Krieg zu beschäftigen, und das, obwohl die Aufrüstung seit Jahren läuft und läuft und läuft.

Wir wollen nichts sehen

Letztlich aber ist es auch die späte Geburt, die uns den Gedanken an einen Krieg verhindern lässt. Die meisten von uns können sich nicht vorstellen, dass sich an ihrem Leben etwas ändern könnte. Zumal wir uns mit Dingen wie der Sitzordnung im Bundestag beschäftigen, mit Sondierungsgesprächen, die womöglich einmal zu Koalitionsgesprächen werden, mit Provokationen der AfD oder der Frage, wie in diesem Jahr Weihnachtsmärkte heißen werden. Aber auch mit existenziellen Dingen wie niedrigen Löhnen, dem Ausverkauf der gesetzlichen Rente, der Privatisierung der Daseinsvorsorge, Armut, kaputte Infrastruktur und Mieten, die zunehmend unbezahlbar werden. Dann kommt die Digitalisierung hinzu, viele Dinge, die wir nicht beurteilen können, die uns Angst machen und mal mehr, mal weniger beschäftigen. Da ist für den Krieg, der womöglich auf uns zukommt, einfach kein Platz mehr.

Wir müssen das aber verstehen. Wir befinden uns mitten in einer West-Ost-Konfrontation, die ein Ausmaß erreicht hat, das den Kalten Krieg übertrifft. Weil die Machtansprüche heute stärker sind, weil die Abschreckung, die zu Zeiten des Kalten Krieges schon ein Tanz auf dem Vulkan war, heute weniger eine Rolle spielt als die Aufteilung der Welt in neoliberale Planquadrate. Es geht nicht mehr darum, dem Gegner klar zu machen, dass er bei einem Krieg genauso verlieren würde wie man selbst. Es geht inzwischen um Strategien, die das Ziel haben, erstens selbst heil aus der Sache heraus zu kommen, weil die militärischen Mittel und Abwehrmechanismen heute ein anderes Niveau haben als zu Zeiten des Kampfes zwischen dem Westen/der USA und der Sowjetunion. Und zweitens um die Ausdehnung des eigenen Machtbereiches. Gemeint ist hier primär der Machtbereich der USA, die ihre Felle zunehmend davonschwimmen sehen, weil sie in jeder Hinsicht dabei sind, ihre Stellung als Imperium zu verlieren. Doch das werden sie nicht kampflos zulassen, sie lassen es schon jetzt nicht kampflos zu und kämpfen verbal und militärisch gegen alles, was sich irgendwie realisieren lässt. Es ist daher eine Frage der Zeit, bis auch Russland ein konkretes, akutes Ziel militärischer Angriffe durch die USA und die NATO sein wird. Die Tatsache, dass die meisten Menschen dank ihrer späten Geburt einen Krieg nicht mehr hautnah erlebt haben, spielt bei diesen globalen Überlegungen keine Rolle.

Die USA befinden sich auf einem absteigenden Ast, und das schon länger. Die Tatsache, dass sie nun Trump als Präsident haben, macht die Sache nicht leichter, weil dieser Mann unberechenbar ist. Aber mit einer Hillary Clinton als Präsidentin sähe die Sache ganz sicher auch nicht anders aus. Das Imperium USA wird sich entweder mittelfristig erholen. Oder untergehen. Und dann gnade uns Gott. Oder wer auch immer.

Unterstützt die neulandrebellen finanziell!

Falls euch unsere Arbeit gefällt, dann unterstützt uns doch. Mit eurer
http://www.neulandrebellen.de/2017/11/kriegsgefahr-keine-gnade-fuer-die-spaete-geburt/ 08.11.17, 11=19 Seite 5 von 6
Hilfe sichert ihr diese rebellische Existenz im Neuland. Wir bedanken uns herzlich und freuen uns über jede Unterstützung. Besonders über Daueraufträge.
Unsere Kontodaten lauten: Jörg Wellbrock, IBAN: DE22 2105 0170 1002 8506 57, BIC: NOLADE21KIE, Förde Sparkasse

***

Links:

Veröffentlicht unter EU, Europa, Krieg, Krise, Kultur + Gesellschaft, RUS, Russland, USA | Verschlagwortet mit , , , | Hinterlasse einen Kommentar

* Rund Europa 2017 (Oktober), 6. Tag: Archaia Pisa-Pylos

Montag, 16.10.2017, 19:27:41 :: Gialova/Pylos, Hotel Resort Zoe

Gestern Abend hole ich mir die letzten Nachrichten. Erleichtert bin ich nicht: In Niedersachsen hat die SPD die Stellung gehalten, die CDU leicht verloren. Und in Österreich sind die Rechten endgültig auf dem Vormarsch. Schönes Europa. Die ganze ehemalige k.u.k.-Ecke scheint sich gegen Brüssel im nationalen Separatismus einzuigeln.

Aber nicht deshalb habe ich die Nacht schlecht geschlafen. Als wir dann so gegen halb zehn in Archaia Pisa viel zu spät loskommen und uns nach Olympia hinunter zu begeben habe ich schon so eine Ahnung…

Und als ich dann auf den Parkplatz fahre, die Busse und die Menschenmassen sehe, da bin ich mir schnell sicher, dass ich heute wieder an diesem Kelch, ein viertes oder fünftes Mal, vorbei gehe, Kultur und Interesse an Altertümern hin oder her.

Und so gebe ich Gas. Wir grüssen noch schnell zurück, als eine Busladung Schwaben mit Hallo an uns vorbei zieht – sie seien aus Stuttgart, wir sollen Ludwigsburg grüssen – und fahren durch die wasser- und seenreiche Ebene gemütlich hoch in die Berge, am Hang der kommenden Bergrücken nach Süden. Das Sträußchen ist gesäumt von Olivenbäume, deren Äste tief herabhängen, schwer tragen sie an den reichlich reifenden Oliven. Es ist eine kleine Sorte, denn zuweilen wird schon geerntet.

Der Palast des Nestor ist das nächste Ziel auf dem Weg nach Pylos.

Im Bergdorf Mouzaki machen wir nach einer teils halsbrecherischen Fahrt auf geröllfeldartigen Strassenabschnitten halt für einen Kaffee.

Die Taverne führt eine blutjunge Mutter, hübsch aber sicher hier nicht glücklich mit ihrem ca. zweijährige Blondschöpfchen, auf das weniger die Mutter als die Gäste aufpassen…

Einer der Männer am Nebentisch erkundigt sich nach einiger Zeit wie üblich danach, woher wir kommen.

Naxos, antworte ich. Kennt er offenbar nicht, er murmelt was von »Epiroti«, was nahelegt, dass er Naxos in Nordgriechenland verortet. Sein Mitsitzer am Tisch, aus seiner Mimik und dem verständnisvollen Wiederholen des Wortes »Naxos« zu schliessen, hingegen schon. Ja, unsere griechischen Inselfreunde mögen schon recht haben: Wir kennen ihr Land oft besser als sie selbst.

Der Palast ist heute geschlossen

Als wir auf den Parkplatz unseres archäologischen Ziels rollen, ahne ich es schon: Der Palast ist eines jener Altertümer, die nicht so häufig besucht werden wie Olympia: Montag ist Ruhetag; »Δευτέρα« sagt der Arbeiter nur, der aus dem Gelänge kommend das Tor wieder hinter sich schliesst und nur die Schultern zuckt. Einen weiteren Reinfall ertrage ich heute nicht mehr. Wir suchen jetzt eine angenehme Bleibe, obwohl es erst kurz nach zwölf ist.

An der Nordseite der Buch von Pylos in Gialova finden wir direkt am Strand das Hotel Resort Zoe, das wir mit Emphase empfehlen können. Lis nimmt hier direkt ein Apartment mit zwei getrennten Zimmern. So ist die Nachruhe beider gesichert.


Wir kommen uns vor wie auf La Palma

Der Strand ist wie gesagt vor der Tür, ein grosses Schwimmbecken auf dem Gelände, ebenso ein sehr gepflegtes Restaurant. Alles perfekt. Morgen werden wir Nestors Palast nachholen und uns Pylos ansehen. Vor exakt 190 Jahren, genau am 20. Oktober 1827, fand in der Bucht vor uns,

wo wir hier am Strand liegen und die Beine nach Süden strecken, die entscheidende Schlacht von Navarino statt, nicht zu verwechseln mit der Seeschlacht von Lepanto. Die war 16.. weiter nördlich in der Bucht vor Patras beim heutigen Nafplio. Die extrem verlustreiche Schlacht hier in der Bucht bedeutete das Ende der osmanischen Herrschaft in Griechenland und machte klar, wer fürderhin in Griechenland das Sagen haben würde: Gross Britannien, Frankreich und Russland.

Auch Deutschland beziehungsweise Bayern wurde früher Nutzniesser:

Mit der ägyptisch-türkischen Flotte war eine große Anzahl bronzener Kanonen untergegangen. Ein Großteil davon wurde unter dem griechischen König Otto gehoben und als Recyclingmaterial in Europa verkauft, wobei etliche davon nach Bayern gelangten und für den Guss des Obelisken am Karolinenplatz in München, der Bavaria und der Tilly-Statue in der Feldherrnhalle verwendet wurden.

Wikipedia

Tauchen mit Atemgerät ist auch heute noch bei schwerer Strafe verboten – die gesunkene türkisch-ägyptische Flotte liegt noch immer da unten am Grund.

Wir geniessen indes den Abend.

Veröffentlicht unter GR, Griechenland, Kultur + Gesellschaft, Reisen, RundEuropa2017 | Verschlagwortet mit , , | Hinterlasse einen Kommentar

* Rund Europa 2017 (Oktober), 4. Tag: Tripoli

Samstag, 14.10.2017, 15:24:41 :: Tripoli, Hotel Arkadia

Das opulente Frühstücksbüfet hat uns heute früh weniger beschäftigt als die Frage, ob wir heute am Samstagmorgen eine Werkstatt finden würden, die uns nach Inspektion sagen können würde, was das Senfle denn nun hat, nachdem es ja gestern zu unserm Entsetzen begonnen hatte, schrille Töne von sich zu geben.

Zugegeben, es ist jetzt 16 Jahre alt, das Senfle, wurde von uns wahrlich nicht geschont seit wir es im Mai 2010 gebraucht erworben haben. Über 170.000 (einhundertsiebzigtausend) Kilometer hat dieser Twingo uns durch Europa getragen, auf den jämmerlichsten Schotterpisten und auf Autobahnen – es war, kurz gesagt, abzusehen, dass was Grösseres kommen würde. Aber warum ausgerechnet an einem »Freitag, den Dreizehnten«?

Nachdem wir auf der Bank Geld geholt und die iPhones mit Geld bei COSMOTE aufgeladen haben um dann endlich beim Deutschen ADAC eine Werkstatt genannt zu bekommen, fahren wir mit böser Ahnung stadtauswärts zur genannten Adresse, nachdem niemand ans Telefon gegangen ist. Nach etwas suchen finde ich auch die kleine Werkstadt für die Franzosen. Aber ein dickes Vorhängeschloss verheisst wohl, das eben Wochenende ist. Auch in Griechenland.

Also zurück zum Hotel; wir finden uns innerlich schon ab, dass es wohl Montag werden wird… Später versuche ich’s noch einmal mit einem Anruf – und es wird abgehoben!

English?
– Οχι, μονο Ελληνικά!

Das kann heiter werden. Als wir dort wieder vorfahren, steht ein freundlich lächelnder und des Englischen mächtiger junger Mann parat, hört sich alles an und übersetzt; der Chef hat ihn wohl extra herbei gebeten. Wir unterhalten uns über Naxos und über die Gegend von Agios Prokopios, die er sehr schätzt. In der Zwischenzeit ist das Senfle bereits jeweils links und rechts angehoben worden und die Vorderräder werden mit ordentlich viel Gas auf Hochtouren gebracht. Es scheint alles geklärt, unser Übersetzer verabschiedet sich mit einem gewinnenden Lächeln.

Ja, das sind die Kugellager

– auf beiden Seiten. Wir lernen, dass das die τα ρουλεμάν sind und dass sie ausgewechselt gehören. Wann? Heute? Ja, wenn wir wollen, das geht. Der Chef bestellt die Teile telefonisch, nachdem wir in der Zulassung die nötigen Daten gefunden haben und holt die Kugellager nach kurzer Zeit. Das Senfle steht mittlerweile auf der Hebebühne.

Der Mechaniker baut die Räder ab und inspiziert. Die Bremsen müssten auch gemacht werden, meint der Chef. Und die Manschetten an den Antriebswellen sind nach einem Jahr auch schon wieder hinüber – der Radkasten ist voller Fett. Und wenig später zeigt er mir das erhebliche Spiel der Räder – es sind die Gelenkköpfe. Und das Getriebeöl? Sei nicht mehr ok. Alles wird in kurzer Zeit telefonisch bestellt, vorbeigebracht beziehungsweise herbei geschafft.

All das erledigt der Mechaniker innerhalb von vier Stunden, die wir im Büro bei Versorgung mit Getränken und Knabberkram durch die Frau des Chefs bei funktionierendem Internet bei irgendwie stetig steigender guter Laune verbringen.

Die Chefin schmeisst den Laden hier organisatorisch. Sie haben drei Kinder, wir klagen gemeinsam über das miserable griechische Schulsystem, die hohen Kosten für die unvermeidlichen abendlichen Nachhilfestunden, ohne die kein Kind die Universitätsreife erlangen könnte. Urlaub? Kennt sie seit über 20 Jahren nicht, die Kinder und die Werkstatt, es reicht allenfalls mal für zwei, drei Tage nach Kalamata oder auf die Mani. Sie befindet, dass wir Griechenland besser kennen als sie…

Als nach einer Probefahrt durch den Chef alles klar ist bezahlen wir eine Rechnung, die in Deutschland gut und gerne doppelt so hoch ausgefallen wäre, verabschieden uns sehr dankbar und bleiben nun eben einen Tag länger in Tripoli.

Der Held des Tages

Falls also je jemand in Tripoli mit einem französischem PKW…

Tripoli

Die Stadt macht einen deprimierenden Eindruck mit all den geschlossene Geschäften. Aber dazu meinte die Frau des Werkstattchefs, dass es Tripoli noch relativ gut gehe, im Gegensatz zu Athen oder Thessaloniki. Und da hat sie sicher recht.

Wir werden also morgen früh weiterfahren, hinüber Richtung Olympia.

Veröffentlicht unter GR, Griechenland, Kultur + Gesellschaft, Peloponnes, Reisen, RundEuropa2017 | Verschlagwortet mit , , | Hinterlasse einen Kommentar

* Rund Europa 2017 (Oktober), 3. Tag: Mykene – Tripoli (2)

Freitag, 13.10.2017, 15:21:47 :: Tripoli, Hotel Arkadia
Mittwoch, 15.11.2017, 19:25:49 :: Galanado


Hier landen wir am Abend, froh, Tripoli erreicht zu haben.

Ja, es ist Freitag, der Dreizehnte. Aber uns ist das auch jetzt immer noch nicht gegenwärtig. Wir fahren wieder nach Süden, vorbei an Mykene und biegen wenig später nach links ab, hinauf in die Berge.

Das Heraion von Argos

Eeines der wichtigsten Heiligtümer der Chefgöttin Hera, Gattin und Schwester des Zeus, liegt hier am Ende des Weges. Es gibt natürlich noch weitere. Hier aber nun ein kleiner Parkplatz, ein kleines Wärterhaus, kein Eintritt.

Zunächst steigen wir den Berg hinauf, pralle Sonne, keine Bäume, unter denen man Schutz suchen könnte. Ruinen kann man zunächst nur erahnen. Ein kleine Gruppe von Besuchern kommt uns von oben entgegen, also wird da schon was sein.

Erste Mauern liegen am Weg. Und es werden mehr, aber der Verfall ist weit fortgeschritten, eigentlich sind da nur noch die Grundmauern, die einen ahnen lassen, welche Ausmasse dieses Heiligtum hatte, das an diesem Abhang zweimal errichtet wurde.

Und dann der Ausblick hinab auf die sich dehnenden Olivenhaine bis zu den dahinter liegenden Bergen und hinüber zum Argolischen Golf.

Nach so viel Altertümern haben wir nun Tripoli als letztes Ziel. Die Stadt liegt auf 700 Meter, wir müssen also ins Gebirge.

Argos mit seiner alles überragender Festung umfahren wir unfreiwillig sehr weiträumig, weil ich mal wieder der Ansicht bin, ich würde den Weg besser kennen als das GPS-Programm auf dem iPhone.

Nach kurzem Kontakt mit dem Argolischen Golf geht’s also bergauf.

Durch’s Gebirge

Je weiter wir nach oben kommen, umso fantastischer wird der Ausblick auf den Golf.

Kurz nachdem wir die Passhöhe überschritten haben tritt dann ein, was uns abends über den blöden »Freitag, den dreizehnten« nachdenken lassen wird.

Das Senfle fängt an zu »jammern«

Es quietscht und wummert, je nach Geschwindigkeit. Mit und ohne Gang. Mit und ohne Motor. Nur, wenn ich stehen bleibe ist das Geräusch weg. Es muss also wohl mit den Rädern, den Lagern oder der Vorderradbremse zusammen hängen. Was also tun so hoch am Berg? Weiterfahren? ADAC?

Ich entscheide mich für sehr langsames Weiterfahren. Und so erreichen wir tatsächlich wohlbehalten Tripoli und dort das Hotel, das uns unsere Freundin empfohlen hat.

Den Abend feiern wir unser Wiedersehen mit ihr, die wir einst auf Naxos kennen gelernt, in Kalamata vor vielen Jahren zuletzt besucht haben.

Die Sorge indes bleibt bei aller Wiedersehensfreude: Wie geht’s weiter morgen früh? Dann ist Samstag. Werden wir eine Werkstatt finden? Und dann?

Zurück zu Teil 1

Veröffentlicht unter GR, Griechenland, Kultur + Gesellschaft, Peloponnes, RundEuropa2017 | Verschlagwortet mit , , | Hinterlasse einen Kommentar

* Rund Europa 2017 (Oktober), 3. Tag: Mykene – Tripoli (1)

Freitag, 13.10.2017, 15:21:47 :: Tripoli, Hotel Arkadia
Montag, 13.11.2017, 19:40:59 :: Galanado

Nemea – Klionai (Heraklestempel)

Als wir am Morgen vor dem Frühstück ein paar Längen schwimmen und uns an den nun offenen Kakteenblüten und anderen kleinen Dingen freuen, wissen wir eigentlich zweierlei:

  1. wollen wir zunächst die am ersten Tag versäumten Stätten Kleonai und Nemea ansehen und
  2. wollen wir am Abend in Tripoli sein und unserer Freundin endlich wiedersehen

Dass wir einen Freitag, den dreizehnten haben, ist uns nicht bewusst…

Nemea

Also fahren wir wieder nach Norden, zunächst nach Nemea. Ende August 2011 waren wir hier am späten Nachmittag suchend umher gefahren und hatten in der Ferne auch die Säulen gesehen aber keinen Zugang gefunden.


Das war Im August 2011 am späten Nachmittag

Heute wollen wir es noch einmal versuchen.


Einschub: Je länger man sich mit einer Sache beschäftig, desto komplizierter wird sie, wenn man ehrlich ist. So geht es mir auch mit der Peloponnes. Die enorme Ansammlung antiker Stätten, Städte, Festungen, Heiligtümer,Tempel – weit über zwanzig Stätten listet alleine Wikipedia auf, es erschlägt einen. Die Zusammenhänge zu erfassen erfordert dazu hin noch die Kenntnis der Mythologie etc. – es ist schier unendlich. Aber eben auch interessant für den, der’s mag. Es stellt sich dann immer wieder die Frage, wie man verfahren soll: Liest man sich vorher zuhause gründlich ein, notiert, was man besuchen will, fährt das dann ab, besichtigt, was man aufgrund der Lektüre erwartet und hakt es ab? Oder orientiert man sich grob, lässt sich vor Ort überraschen, bestaunt, was man nicht erwartet hat und liest hinterher nach, was man versäumt hat? Die Mischung würde es wohl machen, aber die gelingt fast nie.

Welche Überraschung also heute! Das erste Schild schickt uns erst einmal in das antike Stadion. Eingezäunt, mit Wärterhäuschen und Eintritt für Rentner (meist 6 oder 8€ zusammen, je nach Bedeutung offenbar), der dann auch für das Hauptgelände gilt.

Sehr häufig sind es amerikanische Archäologen, die in Griechenland buddeln

Erste Station: Das war die »Umkleidekabine« der Athleten

Die Nemeischen Spiele wurden hier, jeweils ein Jahr vor und nach den Olympischen Spielen, abgehalten.

Und so heute, nach vollständiger Restauration, wieder: Alle vier Jahre wird hier in alter Tradition unter internationalen »Athleten« gewetteifert, zuletzt 2016 und also im Juni 2020 wieder.

Das Stadion umrunden und durchschreiten wir mit einer gewissen Ehrfurcht: Vieles lässt einen ahnen, wie es wohl zugegangen ist, vor zweieinhalb tausend Jahren; 40.000 Zuschauer sollen hier – meist stehend – Platz gefunden haben.

Wir verlassen das ca. 200 Meter lange Stadion durch den seitlichen Tunnel, durch den einst die Athleten einmarschiert sind. Der fast 40 Meter lange, völlig verschüttete Durchlass barg ein grausiges Geheimnis, als die Archäologen aus Berkley sich hier durchgruben:


© Museum von Nemea

Ein Bewohner der Gegend hatte sich in diesem Tunnel vor den seinerzeit einfallenden Slawen versteckt, wurde aber wohl gefunden und so schwer verletzt, dass er hier starb. Seine Gebeine mit der schweren Kopfverletzung wurden identifiziert.

Heute ist der Tunnel gut restauriert.

Ja, welche Völkerscharen eroberten sich diese Halbinsel in den Jahrhunderten und Jahrtausenden: Achaier, Dorer, Makedonier, Römer, Venezianer, Osmanen, Slawische Stämme, Franken, Engländer, Franzosen, Russen (Wenn man dieZeit der Befreiungskriege im 19. Jahrhundert mitzählt) – die Aufzählung ist dennoch nicht vollständig.

Wir überqueren die Strasse, parken, passieren den schön bepflanzten Eingangsbereich…

… und landen zunächst vor einem recht neuen Museum, gefolgt vom mehr als gut besuchten und ausladenden Gelände mit den markanten Resten des Zeustempels von Nemea – das hat sich also in den letzten Jahren seit 2011 hier getan; erst da wurden die Hauptausgrabungen beendet.

Die Steine für diese Bauten stammen zum allergrössten Teil aus dem Steinbruch an der Autobahn von vorgestern Abend.


Kunst- oder Geschichtsunterricht im Schatten antiker Säulen

Wenn man in den Schatten eines überdachten Teils der Ausgrabung flüchtet, dann landet man im ehemaligen Waschraum der Athleten…

… mit hervorragender Kanalisation, wie man sie manchem heutigen Griechischen Dorf wünschen würde.

Das Herakleion: Der Heraklestempel bei Kleonai


Verwirrung? Herakles ist griechisch, Herkules ist römisch/lateinisch

Die Ebene von Nemea ist seit der Antike bekanntes Weinbaugebiet; von hier kommen griechische Qualitätsrotweine. Dass das so sein muss, sieht und vor alles riecht man. Wir passieren nun zum wiederholten Mal die Grosskeltereien, denen der schwere Duft des entsafteten Tresters entströmt um zum Heraklion zu gelangen, das inmitten der ausgedehnten Weinfelder liegt.

Hier wird von über 30 Weingütern der Nemea-Rotwein erzeugt. Vom Ort aus führen die Wanderwege ‚Wege des Weins‘ (griechisch dromi tou Krasiou Δρόμοι του Κρασιού) in die Weinberge.

Wikipedia


Wie weit man auf diesen Wegen kommt, wenn man auf Weinproben steht, weiss ich nicht…

Heraklestempel existieren in grosser Zahl im Mittelmeerraum – wo Griechen sich eben niederliessen. Einer steht aus gutem Grund eben hier. Gegen den gerade verlassenen Zeustempel in Nemea ist er allerdings eher enttäuschend, die letzte Steine liegen, von Grass überwuchert, mitten in den Weinfeldern.

Lediglich die Grundplatte ist noch so erhalten, dass man eine Vorstellung davon bekommen kann, was hier einmal stand. Wenn man bedenkt, dass Herakles, der als erste seiner zwölf Arbeiten in diesem Landstrich den nemeischen Löwen überwältigt hat, hier verehrt wurde, hätte er mehr verdient. Es sieht so aus, als habe man sich der Tempelteile für andere, spätere Bauten bedient, wie so häufig.

Und zum Abschluss…

…schauen wir uns noch den Lauf der Athleten durch alle drei Teile des Heiligtums an.

Passage into History Full trailer from imagina pictures on Vimeo.

Weiter zum Heiligtum der Hera

Dazu müssen wir wieder nach Süden, vorbei an Mykene, Richtung Argos.

Weiter zu Teil 2

Veröffentlicht unter GR, Griechenland, Kultur + Gesellschaft, Peloponnes, Reisen, RundEuropa2017 | Verschlagwortet mit , , | Hinterlasse einen Kommentar

* Rund Europa 2017 (Oktober), 2. Tag: Mykene

Donnerstag, 12.10.2017, 19:40:22 :: Mykene, Hotel »La petite Planète«
Samstag, 14.10.2017, 21:41:54 :: Tripoli, Hotel Arkadia


Sonnenaufgang auf der Frühstücksterrasse

Dass ausgerechnet heute ein Asteroid in ca. 44.000 km Entfernung an der Erde vorbei fliegt, während wir im Hotel »Kleiner Planet« genächtigt haben, ist natürlich Zufall, aber irgendwie witzig.

Der Asteroid 2012 TC4 hat die Erde am Morgen in relativ geringem Abstand passiert. Der Vorbeiflug sei wie berechnet pünktlich erfolgt, sagte Detlef Koschny von der Europäischen Raumfahrtagentur Esa. Dabei erreichte der Himmelskörper seinen erdnächsten Punkt um 7.41 Uhr mit rund 44.000 Kilometern Abstand. Zum Vergleich: Der Mond ist etwa 400.000 Kilometer entfernt, geostationäre Satelliten fliegen in einer Höhe von knapp 36 000 Kilometern.

Wir frühstücken gegen halb acht, denn wir wollen die Ersten sein, wenn das archäologische Gelände öffnet. Zu sehr erinnere ich mich an jenen Nachmittag im Mai 2005, als wir auf den Parkplatz fuhren, der voller Busse stand und sich Menschenmassen den Berg zur Burg hinauf bewegten. Meine Reaktion war: Ich sehe die Lage der Burg, die weite Ebene von Argos bis hinunter an den Argolischen Golf und verstehe deshalb, warum Mykene hier entstand – mehr brauche ich nicht.

Ok., das war der Schock. Mittlerweile will ich doch mehr sehen und wissen. Und deshalb sind wir früh auf den Beinen, wenn auch nicht die Ersten; eine Schulklasse ist uns zuvor gekommen.

Über Mykene kann man viel lesen und schauen, ich erspare mir hier umfangreiche Wiederholungen.

Man fand einzelne jungsteinzeitliche Scherben, die vor 3500 v. Chr. datieren. Der Ort war bereits bewohnt, jedoch wurde die Stratigraphie von späteren Baumaßnahmen zerstört.

Wikipedia

Dennoch: Diese mehr als fünfeinhalb tausend Jahre alte Siedlung, später Stadt und Burg, von Heinrich Schliemann wieder entdeckt, ist umwerfend in vielerlei Hinsicht. Schliemann begann 1876 mit den Ausgrabungen. Bis in die Fünfzigerjahre gab es noch bedeutend Funde und wie mir scheint, ist das Ende noch nicht erreicht. Viele Stellen sehen noch unerschlossen aus. Es fehlt wohl, wie überall hier, das Geld…

Wir sind vier Stunden durch die Trümmer gestiegen. Zuerst ausserhalb der Stadt im ersten Tolosgrab (deren gibt es innerhalb der Burg weitere vier).

Dann im Gelände unterhalb der Burg und der Burg selbst, immer mehr verfolgt und umringt von fast ausschliesslich französischen Reisegruppen, deren Busse sich auf dem Parkplatz tief unter uns anhäufen und wuseligen und quietschlebendigen griechischen Schülergruppen, deren jede/r Schüler/in mit Zetteln in der Hand herum läuft um dann an entscheidenden Stellen kleine Vorträge zu halten. Danach sind wir entsprechend erledigt, so dass wir uns einen ruhigen Nachmittag, zunächst am und im Schwimmbecken und danach auf der Couch gönnen; so ist der Artikel vom ersten Tag fertig geworden.


Der Blick zurück


Die Terrasse

Hier also nur ein paar wenige Eindrücke.


Eines der weiteren Gräber


Der Blick ins Tal ist grandios

Das Löwentor


Zur Zisterne tief hinunter. Und wieder hoch. Alles im Stockdunkeln.


Das Nordtor


Das Löwengrab, der Tolos ist eingefallen

Das Museum


Klar, das ist die berühmte Goldmaske

Veröffentlicht unter GR, Griechenland, Kultur & Kunst, Kultur + Gesellschaft, Peloponnes, RundEuropa2017 | Verschlagwortet mit , , | Hinterlasse einen Kommentar

* Rund Europa 2017 (Oktober), 1. Tag: Naxos – Mykene

Mittwoch, 11.10.2017, 21:28:36 :: Mykene, Hotel »La petite Planète«
Donnerstag, 12.10.2017, 19:06:40 :: Mykene

Wenn man sechs Stunden auf einer Fähre sitzt und sich langweilt, dann muss man sich ernsthaft Gedanken über den eigenen Zustand machen. Inseln verlassen oder dort anzukommen, dazu gehört ein Schiff, heutzutage eine Fähre.

Ich denke an einen Beitrag von Jörg Dauscher, in dem er schreibt:

Wie häufig bin ich schon von Skala Prinos nach Kavala übergesetzt? Ich weiß es nicht mehr genau, ich muss durchzählen: Einmal im noch jungen Frühjahr, dann im Frühling, dann im Juni und wieder im August. Viermal also. Jedesmal habe ich auf dieser Fähre sonderbare Gedanken gedacht. Beim ersten Mal saß ich am Heck, blickte auf die entschwindende Insel und dachte: Dort, wo das Leben und das Sterben, das Tagwerk und die Feiertage noch eine ernste Sache sind, von dort will ich nicht weg! Beim zweiten Mal saß ich vorne am Bug, blickte auf das näherkommende Kavala und wusste, dass ich bald wieder zurückkehren würde. Das dritte Mal war nur eine Unterbrechung, ein Ausflug während der größten Hitze, dieses Mal aber ist es ein Aufbruch. Die Wasser sind violett geworden, der Herbst kommt. Diesmal denke ich, dass ich nun nurmehr mittels einer Fähre nach Hause kommen kann: Ich muss auf einer Fähre sein, um das Gefühl zu haben, ich käme an.

Ich habe sie nicht gezählt, die Überfahrten von und nach Naxos, in den letzten 34 Jahren waren es jedenfalls viele. Jedenfalls bieten diese Schiffsreisen Gelegenheit, seine Mitmenschen zu beobachten; zum Beispiel festzustellen, dass schlechte Erziehung oder schlimmes Verhalten nicht ausschließlich bei nur einer Kategorie von Mitmenschen zu finden ist. Oder wie Paare miteinander umgehen, ob und wie sie miteinander reden oder nur auf ihre Smartphones starren. Ob und was sie lesen …

Lesen, das ist das Stichwort. Ich lese ja viel und gerne und was liegt näher, als auf einem Schiff auf dem Mittelmeer über das Mittelmeer zu lesen.

Man sollte es sich so vorstellen, wie die Alten es getan haben, es mit ihren Augen zu sehen versuchen: als eine Begrenzung, eine bis zum Horizont reichende Schranke, als immerzu und überall gegenwärtige, wundersame, rätselhafte Unermeßlichkeit.
[…]
Inzwischen ist das Meer geschrumpft, jeden Tag ein wenig mehr, eingegangen wie Chagrinleder. Heutzutage überquert ein Flugzeug es in nord-südlicher Richtung in einer knappen Stunde, von Tunis nach Palermo in dreißig Minuten – kaum sind Sie gestartet, sehen Sie schon den weißen Saum der Salinen von Trapani unter sich, fliegen Sie von Zypern ab, dehnt sich unter Ihnen eine schwarze und violette Masse, Minuten später erblicken Sie Rhodos, dann die Ägäis, die Kykladen, deren Farbe in der Mittagshelle ins Orange spielt: Sie haben nicht Zeit gehabt, sie einzeln zu erkennen, schon landen Sie in Athen.
[…]
Vom geschichtlichen Mittelmeer sprechen heißt also, ihm seine wirklichen Ausmaße wiedergeben, sich ein Bild von seiner gewaltigen Ausdehnung machen. Damals war es ein Universum für sich, ein Planet.

Fernand Braudel et al.: Die Welt des Mittelmeeres

An den »Planeten« muss ich abends wieder denken, als wir im Hotel La Petite Planète in Mykene absteigen, wo man auf der entzückenden Webseite u.a. mit dem Satz

Der Name des Hotels, „La petite planète“, stammt aus der Erzählung von Antoine de Saint Exupéry „Der kleine Prinz“, der die Schönheit der Liebe durch eine große Reise entdeckte. Wir wünschten, dass auch Ihnen dasselbe bei Ihren Reisen wiederfährt!

empfangen wird. Das tröstet denn doch ein wenig, nachdem –

Nein, halt. So weit sind wir noch lange nicht. Wir sind noch auf dem Schiff, das uns durch einen herrlichen, fast wolkenlosen und warmen Tag nach Piräus bringt.

Ganz unverhofft trifft Lis an der Theke Anna von der Nachbarinsel Iraklia. Anna und ihren Mann wollten wir eigentlich dieses Jahr endlich einmal wieder besuchen, es ist viele Jahre her, dass wir dort einige Male unsere Ferientage verbracht haben. Sie weiss von einem gemeinsamen Bekannten, dass wir ständig auf Naxos sind und benimmt sich fuchsteufelswild, weil wir immer noch nicht bei ihnen waren. Nun wird es wohl November sein, wenn wir uns – wieder mit einer Fähre – für ein paar Tage dort hin bringen lassen werden. Jetzt persönlich versprochen.

In Piräus sitzen wir im Auto, tief im Bauch der »Naxos« und müssen wir ca. 45 Minuten warten, bis wir von der Fähre kommen. Die Zeit fehlt uns jetzt zum Fahren. Es wird immer wolkiger und dusterer, je näher wir der Peloponnes kommen. Es ist, als ginge die Sonne bereits unter.

Tanken müssen wir. Und dann die Autobahn, mehrfach zahlen wir Maut bis zur Abfahrt nach Kleonai (über 5€!). Dort sehen wir das Schild zur Abfahrt zum Tempel des Herkules. Wir biegen ab aber ich bin aus unerfindlichen Gründen der Ansicht, dass es in Kleonai etwas Wichtigeres geben muss und kehr um. Das war dumm, denn der Ort selbst bietet nichts weiter.

Er war einmal sehr bedeutend; was ich zwar mal gelesen aber wieder vergessen hatte. Also erste Fehlanzeige. Wir steuern den nächsten Punkt an, den Antiken Steinbruch am nächsten Autobahnrastplatz.

Es wir schon dunkel, obgleich der Sonnenuntergang noch in weiter Ferne liegt. In der Raststätte auf dem Weg essen wir schnell Pommes mit Käsesosse und Schinkenstückchen, im Grunde ungeniessbar, aber es ist von den schlimmen Sachen auf der grossen Tafel das, was am ungefährlichsten aussieht.

Den antiken Steinbruch an der Autobahn finden wir dann leicht am angegebenen Rastplatz. Er lieferte das Material für Nemea, unseren nächsten Besuchspunkt. Eigentlich. Für Fotos ist es fast zu duster. Die nicht getrunkene Cola knallt Lis dort beim Aussteigen auf die Strasse und macht mich von oben bis unten klebrig.

So lassen wir Nemea zunächst wieder aus (das war schon 2011 der Fall – ebenfalls am Abend!), es ist bereits wieder zu dunkel und wir fahren nun etwas frustriert und enttäuscht direkt nach Mykene. Das Hotel aus dem Reiseführer, den ich vorgestern als eBook erworben habe, finden wir auf Anhieb.

Es ist der kleine Planet, ein gemütliches Plätzchen mit einem Schwimmbecken im Garten. All das versöhnt uns wieder mit der Welt. Morgen kommt Mykene dran, Nemea und der Herkulestempel – vielleicht übermorgen. Vielleicht.

Veröffentlicht unter GR, Griechenland, Kultur & Kunst, Kultur + Gesellschaft, Peloponnes, RundEuropa2017 | Verschlagwortet mit , | Hinterlasse einen Kommentar

* Rund Europa 2017, Herbstrundreise Peloponnes

Mittwoch, 10.10.2017, 23:20:40 ::Galanado

Der heisse Sommer hat sich Anfang Oktober schlagartig verabschiedet und einem kühlen Herbst Platz gemacht. Daher starten wir morgen früh mit der Fähre nach Piräus und setzten unsere im Mai unterbrochene Peloponnes-Tour fort.

Wir werden ca. 14 Tage unterwegs sein, wenn das Wetter mitmacht.

Verschlagwortet mit | Hinterlasse einen Kommentar